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„Höchstens ein Märktle“
Der Ansturm auf elektrisch betriebene Fahrzeuge hat auch in der Region Stuttgart noch nicht eingesetzt. Dabei werden gerade dort Lösungen für bessere Luftwerte gesucht. Foto: dpa

„Höchstens ein Märktle“

Im Kampf gegen Feinstaub wird E-Mobilität oft als Allheilmittel propagiert. Die Kfz-Innung moniert indes mangelnde Verdienstchancen.

15.10.2016
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Die Zahlen sind sehr überschaubar: Im September wurden in Stuttgart gerade einmal zwölf Elektroautos und 29 Plug-in-Hybride zugelassen. Im Juli, dem Boom-Monat des laufenden Jahres, waren es nach Angaben der Kraftfahrzeug-Innung der Region 69 Elektro-Autos und 24 Plug-In-Hybride. Und in den Nachbarkreisen der Landeshauptstadt bewegen sich die Zulassungszahlen bei den alternativ angetriebenen Pkws zum Teil im einstelligen Bereich. Von einem Schub durch den Umweltbonus, der nun den vierten Monat gezahlt wird, ist nichts zu spüren.

Die Region steht mit dieser schwachen Bilanz allerdings nicht allein. Vor wenigen Tagen hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle( Bafa) die Zahlen für die ersten drei Monate seit Einführung des Umweltbonus veröffentlicht. Danach wurden bundesweit Anträge für 2650 reine Batteriefahrzeuge und 1801 Plug-In-Hybride gestellt. Bleibt es bei diesem Tempo, würden bis zum Ende der Förderung lediglich 60 000 neue Elektro- oder Hybridautos auf Deutschlands Straßen rollen. Das Geld – 600 Millionen vom Bund und ebenso viel von den Autoherstellern – soll aber für 300 000 bis 400 000 Fahrzeuge reichen, je nachdem, ob mehr reine E-Autos oder mehr Hybride gefragt sind. Denn die Zuschüsse sind unterschiedlich hoch.

Innung benennt Schwachstelle

Bei der Kfz-Innung der Region ist man alles andere als erstaunt über das Desinteresse der Autokäufer. „Der Umweltbonus ist vollkommen falsch angelegt. Die Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart hat von Anfang an davor gewarnt, dass das Modell nicht funktionieren kann“, sagt der Esslinger Kreisvorsitzende und Sprecher der Innung, Frank Schnierle. Die größte Schwachstelle sei, dass immer von 4000 und 3000 Euro Bonus gesprochen werde, doch das treffe gar nicht zu. Denn der Staat zahle nur 2000 Euro für reine Elektroautos und 1500 für Plug-In-Hybride. Die andere Hälfte werde über Preisnachlässe der Hersteller finanziert, die es zum Teil auch schon vorher gegeben habe. Der Kunde habe da keinen Vorteil, moniert Schnierle.

Vor allem Renault war deshalb in die Kritik von Verbraucherschützern und Autoexperten geraten. Die Franzosen hatten ihre Einstiegs-Batterie-Fahrzeug Zoe schon vor Einführung der Umweltprämie für rund 16 500 Euro angeboten. Nach Einführung des Bonus habe sich daran nichts geändert, hat der bekannte Auto-Ökonom Ferdinand Duttenhöfer festgestellt. Der Autohersteller habe den staatlichen Zuschuss genutzt, um die eigene Rabattbelastung zu senken. Renault ist nach BMW die Automarke, die am stärksten vom Umweltbonus profitiert.

An den Stuttgarter Autobauern geht die Förderung dagegen fast völlig vorbei. Mercedes liegt in der Umweltbonus-Rangliste auf Platz acht mit 166 Anträgen. Nimmt man Smart noch dazu sind es 14 mehr. Und Porsche-Käufer können den Zuschuss gar nicht in Anspruch nehmen, weil keines der Hybrid-Modelle unter 60 000 Euro zu haben ist. Diese Grenze hatte der Bund eingeführt, um keine Luxusautos zu fördern.

Autohersteller werben nicht

Große Hoffnung, dass es in den kommenden Monaten mit den Verkaufszahlen von Elektroautos aufwärts geht, hat man im heimischen Kfz-Gewerbe nicht. Es gebe gar nicht genug marktfähige Elektroautos, sagt Schnierle. Diese müssten in Komfort, Reichweite, Preis und Leistung mit vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren mithalten können, um konkurrenzfähig zu sein. „Privatleute, die Geld für ein neues Auto ausgeben, schauen ganz genau hin, was sie bekommen. Firmen, die bei uns in der Region zwei Drittel der Neuwagenkäufer stellen, erst recht“, betont der Innungs-Sprecher, der Geschäftsführer eines Esslinger Autohauses ist.

Mercedes hat eine ganze Reihe von neuen Elektrofahrzeugen angekündigt. Doch die sollen wohl erst zwischen 2018 und 2024 nach und nach auf den Markt kommen. Und für das, was es an Elektro-Modellen gibt, wird von den meisten Autoherstellern nicht geworben, moniert Schnierle.

Auf absehbare Zeit wird sich mit den alternativen Antrieben für die Fahrzeug-Händler in der Region Stuttgart wohl wenig Umsatz machen lassen. Frank Schnierle: „Das ist kein Markt, sondern höchstens ein Märktle. Für die Händler und Werkstätten sei das eine sehr unbefriedigende Situation. Denn die Innungsbetriebe hätten schon vor vier Jahren Personal ausgebildet und ihre Werkstätten dafür eingerichtet, damit sie Elekrofahrzeuge warten und reparieren können. Bislang vergebene Liebesmüh'.

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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