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Leitartikel USA

Hoffen auf Einsicht

Auf seinem Schreibtisch im Oval Office hatte Harry S. Truman ein Schild stehen mit der Aufschrift: „The buck ends here“. Auf Deutsch heißt das so viel wie: Hier ist das Schwarze-Peter-Spiel vorbei.

20.01.2017
  • GUIDO BOHSEM

Berlin. Truman, so heißt es, wollte in jeder Minute an die Bürde erinnert werden, die auf ihm lastete. Als amerikanischer Präsident konnte er keine Ausflüchte suchen. Ihm fiel die letzte Entscheidung zu, auf ihm lastete die volle Wucht der Verantwortung.

Alle Nachfolger Trumans haben diese Bürde getragen, die meisten sind sichtbar unter ihr gealtert. Wenn Donald Trump heute als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird, geht die Verantwortung auf ihn über. Wird er sie schultern können? Er ist so schlecht auf das Amt vorbereitet wie keiner seiner Vorgänger in den vergangenen 100 Jahren. Trump fehlt das politische Genie eines Franklin D. Roosevelt, die Vision Ronald Reagans, die Integrationskraft John F. Kennedys, der elegante Auftritt Barack Obamas. Lediglich mit Richard Nixon könnte Trump es aufnehmen – in punkto Misstrauen und Rachsucht.

Der 20. Januar 2017 droht als eine Zäsur in die Geschichte einzugehen, als Beginn eines schlechteren Zeitalters, womöglich sogar einer neuen Weltordnung. Zwischen den Weltkriegen hatten die USA erst widerwillig und später dann umso bestimmter die Rolle einer internationalen Ordnungsmacht übernommen. Im Konkurrenzkampf mit der Sowjetunion schufen Trumps Vorgänger die Voraussetzungen für eine friedlichere Welt. Sie halfen den zerstörten Staaten Europas wieder auf die Beine und ließen dabei auch Deutschland nicht aus, das für zwei entsetzliche Kriege und einen Völkermord die Verantwortung trug. Sie erschufen die Nato, sie beförderten die Entstehung der EU, sie riefen die Welthandelsorganisation, den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und den Club der sieben führenden Industrienationen ins Leben oder waren maßgeblich daran beteiligt. Natürlich diente all das der Machtsicherung, doch es waren eben auch die Werkzeuge, die für die längste Friedensphase in Europa sorgten.

Trump hat diese Errungenschaften in Frage gestellt, für überflüssig erklärt oder verhöhnt. Er schlägt das politische Erbe seiner Vorgänger leichtfertig aus, weil es offenbar in seiner von Geschäftsberichten und Profit geprägten Weltanschauung keine Rolle spielt. Trump ist kein Politiker, er ist ein Wirtschaftsboss. Er betont das in all seinen Reden, Tweets und Interviews. Das geistige Instrumentarium eines demokratischen Führers steht ihm nicht zur Verfügung – der Wille zum Kompromiss, zum Ausgleich und zur Tat, die sich nicht unmittelbar in Dollar und Cents rechnet.

Die Welt blickt heute mit berechtigter Sorge nach Washington. Es bleibt zu hoffen, dass Trump in den ersten Monaten sein neues Handwerk lernt, dass seine Minister und Berater ihm Grenzen setzen, dass die internationale Gemeinschaft mäßigend auf ihn einwirken kann. „The buck ends here“ – es bleibt zu hoffen, dass Trump das ungeheure Ausmaß seiner Verantwortung erkennt.

leitartikel@swp.de

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20.01.2017, 06:00 Uhr

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