Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Diesen Weg muss der VfB weiter gehen“

Hoffenheims Co-Trainer Widmayer kommt am Samstag

Als Co-Trainer von Markus Babbel beim Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim hat Rainer Widmayer am Wochenende spielfrei – und verbringt den Samstag beim SSC Tübingen, der um 15 Uhr ein Benefizspiel für das Hilfsprojekt „Viva con Agua“ organisiert. Gegen Widmayers Ex-Klub VfB Stuttgart II.

11.10.2012
  • Tobias Zug

TAGBLATT: Herr Widmayer, wie kommt’s, dass Sie am Samstag beim Benefizspiel in Tübingen sind?

Rainer Widmayer (45): Mein Freund Karl-Heinz Eberle, der das Ganze managt, hat mich darum gebeten, und Benjamin Adrion kenne ich durch seinen Vater sehr gut, habe ihn selbst schon trainiert. Darüberhinaus war „Viva con Agua“ auch mal bei Hertha BSC damals auf dem Trainingsgelände. Dadurch habe ich Verbindung zu diesem Hilfsprojekt.

Und zum SSC Tübingen?

Da habe ich weniger Verbindung… Ich fange jetzt auch nicht an zu sagen, ich coache die Mannschaft – ich kenne ja die Spieler nicht. Es ist auf jeden Fall ein guter Zweck, da bin ich vor Ort, auch wenn ich sonst ein freies Wochenende gehabt hätte. Und darüber hinaus sehe ich meine alten Kameraden vom VfB.

Sie waren beim VfB II und beim Bundesligateam der Stuttgarter Co-Trainer. Haben Sie immer noch eine besondere Beziehung zum VfB?

Klar. Wenn einer in der Region aufwächst, als Amateur dort gespielt, im Trainerbereich gearbeitet, Champions-League-Qualifikation geschafft und gespielt hat – das kannst du nicht einfach ablegen und sagen, das interessiert mich nicht mehr!

In der Champions-League-Saison wurden Cheftrainer Markus Babbel und Sie beim VfB auch entlassen. Schmerzt das noch?

Nein. Im Profifußball ist es halt so: Wenn du heute einen Vertrag unterschreibst, egal ob bei Hertha oder in Hoffenheim oder beim VfB, unterschreibst du irgendwo auch deine Freistellung. Es ist so ein schnelllebiges Geschäft, da kann man nicht davon ausgehen, dass man immer die ganze Laufzeit übersteht. Es wird immer schwieriger, wenn man zwei oder drei Spiele verlierst. Dann werden oft Schnellschüsse gefahren und ein neuer Trainer geholt. Es steht eben so viel Geld auf dem Spiel. Deshalb musst du immer mit einer Entlassung rechnen – auch wenn du, aus deiner Sicht, gute Arbeit machst. Es zählt eben meist nur das nackte Ergebnis im Profisport.

Bei Ihrem Ex-Klub in Stuttgart wird gerade heftig diskutiert, wie und ob Trainer Bruno Labbadia mehr junge Spieler einsetzen soll. Wie sehen Sie die Situation als Ehemaliger dort?

Eines ist auch klar: Wenn man im In- und Ausland fragt, wie der VfB aufgestellt sei, kommt immer der Slogan „Junge Wilde“. Und diesen Weg muss der VfB auch weiter gehen. Ich kann mir aus der Ferne aber kein Urteil erlauben, wie stark die Spieler der U 23 oder U 19 sind, damit die auch die Chance bekommen sollten.

Auch die TSG 1899 Hoffenheim prägte das Leitbild, auf junge, talentierte Spieler zu setzen. Geht sie mit den Verpflichtungen von Tim Wiese oder Mathieu Delpierre von ihrem Weg ab?

Das sehe ich nicht so. Entscheidend ist ja, wer spielt: Wenn Sie mal die Zeit nehmen und den Altersschnitt des Teams, das jetzt in München gespielt hat, ausrechnen – im Tor stand Casteels, ein 20-jähriger Belgier, Firminho ist 22, Joselu ist um die 22, Osami ist jung, Volland kommt rein, ein U 21-Nationalspieler, Rudy, U 21-Nationalspieler, Williams ist noch ganz jung, auf der Bank war Streker aus der eigenen Jugend… Die Mischung macht’s. Auf den wichtigsten Positionen in einer Achse gehört auch Erfahrung.

Sie assistieren Markus Babbel seit dieser in Stuttgart vom Co- zum Cheftrainer befördert wurde. Können Sie sich auch als Assistent eines anderen Cheftrainers vorstellen? Oder gar selbst als hauptverantwortlicher Trainer?

Es funktioniert wirklich hervorragend mit Markus. Wenn das mal nicht mehr so wäre und jemand anders eingestellt werden würde, weiß ich nicht, ob ich das machen könnte. Dann könnte es sein, dass ich irgendwo vielleicht auch mal was alleine machen würde.

Was macht für Sie die Zusammenarbeit mit Markus Babbel aus?

Vor allem die Auffassung über Fußball, die ist extrem deckungsgleich. Und den Spielraum, den du bei ihm als Assistenztrainer hast. Du kannst dich verwirklichen auf dem Trainingsplatz. Den hast du nicht überall.

Was ist Ihre gemeinsame Auffassung vom Fußball?

Offensiv zu verteidigen und darüber hinaus einen guten Ballbesitz zu haben – nicht nur über Konter nach vorne zu kommen. Und, das ist das wesentlich Schwierigere, da müssen wir uns auch in Hoffenheim verbessern: Entlastung zu schaffen bei eigenem Ballbesitz, ohne dass der Gegner eine Chance hat, zu pressen.

Ein größeres Thema bei der TSG 1899 Hoffenheim ist der schwere Unfall des Spielers Boris Vukcevic, der seither im Koma liegt. Wie verläuft derzeit der Trainings- und Spiel-Alltag?

Nachdem die Signale eher in die positive Richtung gehen – das heißt aber noch lange nicht, dass er die kritische Phase überstanden hat – ist wieder ein ganz normaler Ablauf im Training vorhanden. Das ist auch sehr wichtig. Boris ist ein brutal geschätzter Spieler bei uns, ein super Typ. Auf der anderen Seite müssen wir einfach auch für ihn, für seine Familie, weiter an einem Strang ziehen und in der Bundesliga kein einziges Prozent weniger nachlassen.

Haben Sie Kontakte zur Familie von Vukcevic?

Das übernehmen bei uns die Führungsleute. Die Spieler warten nur auf das Signal, dass man ihn dann hoffentlich bald besuchen kann.

Hoffenheims Co-Trainer Widmayer kommt am Samstag
Seit vier Jahren ein Team: Rainer Widmayer (links) und Markus Babbel.

Der gebürtige Sindelfinger Rainer Widmayer ist seit 2008 Co-Trainer von Markus Babbel und war nach dessen Entlassung 2011 beim damaligen Bundesligisten Hertha BSC Berlin sogar für ein Spiel Cheftrainer (3:1 im DFB-Pokal gegen FC Kaiserslautern). 2012 folgte er Babbel nach Hoffenheim. Mit dem Mössinger Spielerberater Karl-Heinz Eberle pflegt Widmayer eine langjährige Freundschaft, seit seiner Aktiven-Zeit bei der Spvgg Ludwigsburg vor 17 Jahren. „Karl-Heinz ist einer der wenigen Berater, bei dem gilt: ein Mann, ein Wort“, sagt Widmayer, „und das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball