Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Hoffnung auf das Comeback
FDP-Chef Christian Lindner impft seiner Partei Optimismus ein, blickt aber auch kritisch zurück. Foto: dpa
FDP gibt sich auf Parteitag zuversichtlich - Suche nach neuen Themen

Hoffnung auf das Comeback

Der Wiedereinzug in den Bundestag ist für die FDP wieder ein realistisches Ziel. Parteichef Christian Lindner müht sich auf dem Bundesparteitag, alte Fehler zu vermeiden und die Partei breiter aufzustellen.

25.04.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Die FDP hat die Trendwende geschafft. Noch sagt es Parteichef Christian Lindner "leise, aber mit Überzeugung". Auf dem Bundesparteitag am Wochenende in Berlin machte er den Erfolg an einem Datum fest: dem 13. März, als die Liberalen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz den Wiedereinzug in die Landtage schafften und in Sachsen-Anhalt nur knapp verpassten, obwohl sie im AfD-Hype und der Flüchtlingspolitik unterzugehen drohten.

Nicht nur Lindner, auch die 660 Delegierten atmeten unüberhörbar auf. Das Tal der Tränen nach der Pleite bei der Bundestagswahl 2013, als sie kübelweise mit Häme überschüttet wurden, scheint verlassen zu sein. In Umfragen steht die FDP auf Bundesebene wieder recht stabil bei sieben Prozent. Aber gerade Lindner ist sehr wohl bewusst, dass bis zur Wahl im Herbst 2017 noch eine lange Durststrecke bevorsteht. Dann soll der Erneuerungsprozess mit dem Wiedereinzug in den Bundestag gekrönt werden. Schon scharren viele, die gerne kandidieren würden, heftig mit den Hufen, insbesondere Liberale, die schon einmal im Parlament saßen.

Trotz dieser Zuversicht drohte der Tod von Hans-Dietrich Genscher und Guido Westerwelle vor wenigen Wochen den Parteitag zu überschatten. Als geschickter Schachzug erwies sich, eine Würdigung der liberalen Vorkämpfer durch Lindner voranzustellen. Dabei fiel auf, dass er eher die Nähe zu Genscher suchte als zu Westerwelle. Bei dem konnten die Delegierten grübeln, ob auch auf ihn Lindners Bemerkung gemünzt war, die FDP habe "zeitweise die politische Orientierung verloren", und das Teamwork habe nicht funktioniert.

Unübersehbar ist, dass die FDP - eigentlich eine Partei der Individualisten, wie Lindner weiß - nicht nur aus diesen Fehlern gelernt hat: Sie will sich auch nicht mehr auf nur ein Thema reduzieren lassen. Das Wort Steuersenkung nimmt der Parteichef kaum in den Mund. Und sie will sich keinesfalls zu sehr an einen Koalitionspartner binden. "Es darf nie wieder eine Anlehnung an die CDU bis zur Unkenntlichkeit geben nach dem Motto: Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Merkel selber", brachte der baden-württembergische Landesvorsitzende Michael Theurer die allgemeine Stimmung zum Ausdruck. Und der Europaabgeordnete warf einen Stein ins Wasser: Man müsse nachdenken, "ob es nicht Konstellationen jenseits der herkömmlichen Koalitionsformierungen unter Beteiligung der Freien Demokraten denken muss."

Altersvorsorge, Bildung, Stillstand der Regierung - viele aktuelle Themen bieten sich für die Profilierung der Liberalen an. Besonders lange diskutierten sie über die Digitalisierung unter dem etwas störrischen Parteitagsmotto "Beta Republik Deutschland". Was sich als Aufforderung übersetzen lässt, neue Wege zu wagen, auch wenn sie noch nicht erprobt sind. "Risikofreude und Offenheit" statt "keine Experimente" wie bei der Koalition.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball