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Mobilität

Hoffnungsträger Wasserstoff

Seit Jahrzehnten forschen die Autobauer weltweit an der Brennstoffzelle. Doch hat das Fahren mit dieser Antriebstechnik wirklich eine Zukunft? Experten sagen Ja.

19.01.2017
  • DPA

Davos. Diese Firmenbosse sind mit einem klaren Ziel in den Schweizer Nobel-Skiort Davos gekommen: die Chefs der Ölmultis Shell und Total, des Autoherstellers Hyundai, der Gaseproduzenten Linde und Air Liquide und der Verwaltungsratsvorsitzende von Toyota. Sie alle haben sich die große Bühne des Weltwirtschaftsforums ausgesucht, um einer uralten und fast schon vergessenen Technik neues Leben einzuhauchen. Die Brennstoffzelle – und damit Wasserstoff – soll der Autoantrieb der Zukunft werden.

„Das ist ein weltweiter Vorstoß“, sagt Air-Liquide-Chef Benoît Potier und macht die Tragweite der Wasserstoff-Initiative (Hydrogen Council) deutlich. Aus Wasserstoff erzeugt die Brennstoffzelle emissionsfrei Strom – und hält dabei länger durch als eine Batterie. Zudem geht das Auftanken viel schneller.

Wasserstoff ist der große Hoffnungsträger der Autobranche. In einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 1000 Managern weltweit schlossen sich 78 Prozent der Meinung an, dass Brennstoffzellen-Autos den wahren Durchbruch für Elektromobilität bringen würden. Dazu passt, dass 62 Prozent glauben, dass normale batterie-elektrische Fahrzeuge an der Infrastruktur scheitern werden – also an der oft noch fehlenden Möglichkeit des schnellen Ladens.

„In der Branche herrscht Einigkeit, dass die Brennstoffzelle die einzig sinnvolle Lösung ist“, sagt Autoexperte Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Bei der aktuellen Technik treibt die Brennstoffzelle den Elektromotor aber nicht direkt an, sondern lädt zunächst eine Batterie als Zwischenspeicher auf. „Die Technologie ist bequemer als der reine Batteriebetrieb“, sagt Fuß. So dauert das Tanken nur wenige Minuten.

Allerdings ist die Infrastruktur kostspielig. „Eine Wasserstofftankstelle kostet 1 Million Euro“, rechnet Fuß vor. Auch die Technologie im Auto sei noch relativ teuer angesichts der niedrigen Stückzahlen. Zudem wird in der Brennstoffzelle der aktuellen Generation das teure Edelmetall Platin verbaut.

Bisher ist das Angebot an Wasserstoffautos entsprechend überschaubar. Toyota und Hyundai haben als einzige Hersteller Autos mit Brennstoffzelle in Großserie. Daimler will in diesem Jahr einen sportlichen Geländewagen mit Wasserstofftechnik auf den Markt bringen – allerdings als Plug-in-Hybrid. Das Auto hat eine Batterie, die an der Steckdose aufgeladen wird, aber auch einen Wasserstofftank.

Die Bundesregierung fördert den Aufbau von Tankstellen und auch die Initiative „H2 Mobility“, zu der sich unter anderem Daimler, Air Liquide und Linde sowie die Ölkonzerne OMV, Shell und Total zusammengeschlossen haben. Sie wollen bis 2023 bundesweit 400 Wasserstofftankstellen aufbauen. Bisher gibt es in Deutschland noch weniger als 30 Stück – dem stehen schon knapp 3000 Ladestationen und gut 14 000 Tankstellen für fossile Kraftstoffe gegenüber.

Doch zumindest ein Problem gibt es bei der Brennstoffzelle nicht. „Bei den Tankstellen hat man sich sehr früh auf internationale Standards geeinigt“, sagt Ulf Groos vom Fraunhofer ISE in Freiburg. Sprich: Es gibt ein einheitliches Tanksystem. „Man geht davon aus, dass es in Deutschland etwa 1000 Tankstellen braucht bis zu einer guten Abdeckung.“

Dabei hängt den Brennstoffzellen-Autos auch noch der Ruf an, gefährlich zu sein. „Wasserstoff selbst ist zwar explosiv, aber leicht und flüchtig“, so Groos. Im Vergleich zu flüssigen Brennstoffen oder auch Batterien stelle das Gas daher keine grundsätzlich höhere Gefahr dar.

Auch die Energiebilanz führen Kritiker ins Feld. Denn solange wenig Strom aus erneuerbaren Ressourcen zur Verfügung steht, wird für die Produktion von elementarem Wasserstoff viel CO2 freigesetzt. Das räumt in Davos auch Linde-Chef Aldo Belloni ein: „Wir müssen Wege finden, das mit erneuerbaren Energien zu tun.“

Der frühere Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber hält das Rennen für offen. Ein Meilenstein sind laut Weber die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. „Da haben die asiatischen Hersteller bereits angekündigt, der Welt zu zeigen, wie gut Elektromobilität mit Brennstoffzelle funktionieren kann.“ dpa

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19.01.2017, 06:00 Uhr

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