Kommentar

Hoher Preis für perfekte Welle

Gerold Knehr über die Idee, bei den Sommerspielen 2024 auf Tahiti zu surfen

21.12.2019

Von Gerold Knehr

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekennt sich in seiner Agenda 2020 zur Nachhaltigkeit. Alle Maßnahmen, so heißt es darin, müssen so durchgeführt werden, dass negative Auswirkungen auf Menschen und Umwelt vermieden werden. Die Anreise der Olympiamannschaften per Flugzeug beispielsweise verlange einen CO2-Ausgleich, die Eier im olympischen Dorf sollen von freilaufenden Hühnern kommen.

Vor kurzem aber haben die Organisatoren der Sommerspiele 2024 in Paris entschieden, dass der nach seiner Premiere 2020 in Tokio zum zweiten Mal ausgetragene Surf-Wettbewerb auf der Pazifik-Insel Tahiti ausgetragen werden soll, 15?760 Kilometer Luftlinie von der Pariser Hauptstadt entfernt. Dabei hat Frankreich an der Atlantikküste durchaus einige gute Surf-Reviere wie Lacanau, Hossegor, La Torche oder Biarritz. Doch nirgendwo sonst gibt es die in Surferkreisen gepriesene, mythische Teahupoo-Welle.

Begründet wird die Wahl Tahitis unter anderem mit der größeren Wahrscheinlichkeit auf die „perfekte Welle“ und aus Werbegründen. Dass die 48 Surfer, sollten sie nach der Eröffnungsfeier nach Tahiti und zur Schlussfeier wieder zurückfliegen, 264 Tonnen CO2 verursachen – geschenkt? Anfang Januar muss das Exekutivkomitee des IOC über den Austragungsort entscheiden: Nachhaltigkeit oder Spektakel?

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Erstellt:
21.12.2019, 06:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 21.12.2019, 06:00 Uhr

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