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Hohes handwerkliches Können
Zwischen alten Buchrücken machen sich Hedwig Gollers Scherenschnitte besonders gut. Bild: Albers
Hesse-Kabinett

Hohes handwerkliches Können

Das Tübinger Stadtmuseum zeigt zur Zeit Werke der Scherenschnitt-Künstlerin Hedwig Goller.

06.12.2016
  • alb

Tübingen. „Es war in des Maien linden Glanz, da hielten die Jungfern in Tübingen Tanz“, dichtete einst Justinus Kerner. Und wie. Wehende Haare, ein herausfordernder Blick, und selbst die Neckarfront scheint ins Schwingen gekommen zu sein. Auf einem Scherenschnitt von Hedwig Goller.

Im letzten Jahr ist diese Künstlerin 94-jährig in ihrem Heimatort Korntal-Münchingen gestorben. Sie hat Kunsterziehung und textiles Werken unterrichtet und sich als Künstlerin dem Scherenschnitt verschrieben. Über 400 Werke umfasste der Nachlass, den ihre Tochter Barbara Stamer größtenteils stiftete. Dem Marbacher Literaturarchiv, aber auch, weil Barbara Stamer in Dettenhausen lebt, dem Tübinger Stadtmuseum.

25 Scherenschnitte hat es nun in seiner Sammlung, und einen Teil dieser Werke zeigt das Museum nun drei Monate lang im Hesse-Kabinett als seiner Außenstelle.

An den hohen Bücherregalen voller antiquarischer Bücher hängen nun diese Scherenschnitte, und das ist nicht nur optisch eine gelungene Kombination, sondern passt auch inhaltlich. Illustrieren diese Bilder doch Werke von Hölderlin, Mörike und Kerner.

„Hedwig Gollers Schaffen war stark geprägt von der Literatur“, führte Evamarie Blattner vom Stadtmuseum am Sonntagmorgen in die Ausstellung ein. Text und Bild seien bei ihr besonders eng verwoben: „Für die Inhalte, Sehnsüchte, aber auch für Bewegung, Werden und Vergehen, selbst für metaphorische Prozesse und Farben konnte sie durch ihr hohes handwerkliches Können mit der Schere eine Form finden.“

Evamarie Blattner hob die breite formale Vielfalt hervor: „Neben der realistischen Darstellungsweise nahm Hedwig Goller an den Schnitten starke formale Verflechtungen und expressive Verformungen vor und verlieh ihren Arbeiten dadurch einen symbolisch-interpretativen Gehalt bis hin zur abstrahierten kristallinen Form als Abbild der zum Kristall erstarrten Gedanken.“

Welche Gedanken da ins Bild gesetzt wurden, das las Barbara Stamer vor, mit Passagen von Hesse bis Hölderlin. Sie war das künstlerische Alter Ego ihrer Mutter - die beiden haben eng zusammengearbeitet zum Beispiel in der vielbändigen Märchen-Reihe des Fischer Taschenbuch Verlages, in der Barbara Stamer etliche Bücher herausgegeben hat.

Ihre Schenkung ist für das Stadtmuseum gleich zweifach besonders interessant. Es ergänzt die Lotte-Reiniger-Sammlung des Stadtmuseums, und es erhält neue Facetten der Tübinger Stadtansichten. Und es hat die passenden Objekte, die es ermöglichen, das (von vielen vielleicht noch nie besuchte) Hesse-Kabinett ein bisschen bekannter zu machen.

Info Die Ausstellung „Literarische Scherenschnitte“ ist bis zum 3. März 2017 zu sehen, Freitag und Samstag von 12 bis 17 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr, Eintritt frei.

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06.12.2016, 01:00 Uhr

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