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Eine lebende Legende

Hollywood-Star Kirk Douglas wird 100 Jahre alt

Er war Odysseus, Vincent van Gogh und Spartacus – Unabhängigkeit ist Kirk Douglas immer wichtig gewesen. Der Sohn russischer Einwanderer hat sich alles selbst erkämpft und wird nun 100 Jahre alt.

07.12.2016
  • EPD

Los Angeles. Ich habe den Zweiten Weltkrieg überstanden, einen Hubschrauberabsturz und zwei neue Kniegelenke“, sagt Kirk Douglas. Und er überlebte einen schweren Schlaganfall: „Er hat mich zu einem besseren Menschen gemacht.“ Am Freitag wird der Schauspieler 100 Jahre alt.

Die Hollywood-Legende lebt mit seiner zweiten Frau Anne zurückgezogen, aber für eine Herzensangelegenheit zeigte er sich kürzlich in der Öffentlichkeit: beim 95. Jubiläum des Motion Picture and Television Fund, der sich um bedürftige frühere Hollywood-Mitarbeiter kümmert.

Einen Großteil ihres gewaltigen Vermögens von rund 80 Millionen Dollar haben Kirk Douglas und seine Frau über die Jahre gespendet. Einem Kinderkrankenhaus finanzierten sie einen millionenteuren OP-Roboter, den sie „Spartacus“ tauften – nach Douglas‘ Paraderolle als aufrührerischer Sklave in Rom.

„Gegenüber meinen Kindern habe ich einen großen Vorteil: Ich kenne die Armut“, sagte Kirk Douglas einmal. Als Issur Danielovitch Demsky wurde er 1916 in Amsterdam im Bundesstaat New York geboren, Sohn eingewanderter weißrussischer Juden. Er hat sich alles selbst erkämpft – Highschool, Universität, die Schauspielausbildung an der American Academy of Dramatic Arts. Hier änderte er seinen Namen in den griffigen Kirk Douglas.

Er spielte am Broadway Theater, meldete sich 1941 zur Marine, heiratete seine erste Frau Diana Hill. Der älteste von vier Söhnen kam zur Welt, Michael Douglas, später selbst ein großer Star.

Schon sein Hollywood-Debüt als trunksüchtiger Staatsanwalt in dem Melodram „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ (1946) machte Kirk Douglas populär. Die erste von drei Oscar-Nominierungen erspielte er sich als vom Ehrgeiz zerfressener Boxer in „Zwischen Frauen und Seilen“ (1949).

Die Erfahrung, sich alles selbst erkämpfen zu müssen, hat ihn geprägt. Sie hat ihm Entschlossenheit verliehen und eine Härte, die sich auch in seinen Film-Charakteren findet: antike Figuren wie Spartacus oder Odysseus und moderne einsame Gestalten – Cops und Cowboys, Militärs, Kriminelle, Künstler und Boxer.

Tugend fand Kirk Douglas langweilig, lieber spielte er Typen, die den Nerv der Zuschauer trafen. Das waren Antihelden wie der Journalist Tatum in „Reporter des Satans“ (1951), Billys Wilders Abrechnung mit der Klatschpresse. Oder der Artist Hans Müller, ein traumatisierter Holocaust-Überlebender in Edward Dmytryks „Der Gehetzte“ (1953).

Perfekt gelingt Douglas die Mischung aus Schmerz und Härte als Vincent van Gogh in „Ein Leben in Leidenschaft“ (1956). Für die Rolle färbte er sich die Haare rot und ließ sich einen Vollbart wachsen. Van Gogh zu spielen war für Douglas „eine schmerzhafte Erfahrung“, wie er sagte: „Ich sah nicht nur so aus wie Van Gogh, ich war auch noch genau so alt wie er, als er Suizid beging.“

Unabhängigkeit war Douglas immer wichtig. An kein Studio gebunden, konnte er sich die Rollen selbst aussuchen, gründete gar eine Produktionsfirma, um alle Positionen nach seiner Vorstellung zu besetzen. Etwa für den Sandalenfilm „Spartacus“ (1960), der sein Image entscheidend geprägt hat. Er produzierte den Film und spielte den Helden, Regie führte Stanley Kubrick. Für Douglas, der sich stets gegen Ungerechtigkeiten einsetzte, war es eine besondere Befriedigung, den damals mit Berufsverbot belegten Dalton Trumbo als Drehbuchautor engagiert zu haben. Es war die Zeit der McCarthy-Ära, Trumbo stand auf der „Schwarzen Liste“ der Amerikaner, die wegen mutmaßlicher Nähe zum Kommunismus geächtet waren.

Legendär ist Kirk Douglas‘ durchdringender Blick aus leuchtend blauen Augen, die so düster wirken können, verbittert, verletzt. Douglas ist ein ausgesprochen physischer Schauspieler, sehnig, zäh, reaktionsschnell, der mit körpersprachlichen Nuancen Emotionen vermittelt.

„Der Zorn ist meine Energiequelle“, sagte er einmal, und viele seiner Helden treibt genau dieser Zorn an: den Marshal etwa, der in „Der letzte Zug von Gun Hill“ (1958) die Mörder seiner indianischen Frau jagt. Oder den französischen Colonel Dax, der in Stanley Kubricks Anti-Kriegsfilm-Klassiker „Wege zum Ruhm“ (1957, von Douglas produziert) drei Soldaten vor standrechtlicher Erschießung bewahren will.

Am 9. November, einen Monat vor seinem 100. Geburtstag, wurde Kirk Douglas vom Jüdischen Weltkongress mit dem Teddy-Kollek-Preis ausgezeichnet für seine Verdienste um die jüdische Kultur – die jüngste seiner vielen Auszeichnungen. „Unsere Welt ist eine Katastrophe, aber je älter ich werde, desto näher bin ich Gott“, sagt Douglas. „Wenn ich schlafe, spricht er zu mir. Er lacht über die Menschheit. Er wartet. Er hat viel Zeit.“ epd

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07.12.2016, 06:00 Uhr

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