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Ein freudiges Ereignis

Horb hat zwar keine Geburtsklinik mehr, aber dafür bald ein Geburtshaus

Die Hebamme Dorothea Fritz eröffnet auf Hohendießen das erste Horber Geburtshaus. Zehn Kinder, so die erste Planung, können dort jährlich zur Welt kommen.

25.09.2010

Von Martina Lachenmaier

Dießen. Die Idee, in Horb ein Geburtshaus zu eröffnen, wurde schon vor sechseinhalb Jahren geboren, sagt die Hebamme Dorothea Fritz. Als erste Gerüchte von der Schließung der Geburtenabteilung am Horber Krankenhaus die Runde machten, dachten freiberufliche Hebammen über ein Geburtshaus nach. Das Projekt scheiterte, weil das Hebammen-Konzept nicht ins Konzept der Krankenhausleitung passte.

Die Hebammen ließen sich nicht entmutigen. Sie hielten an ihrer Idee fest. Es wurde sogar über einen Geburtshausneubau im Industriegebiet „Rauher Grund? nachgedacht. Doch „weil es da um richtig viel Geld gegangen ist?, so die Hebamme Dorothea Fritz, fanden sich nicht genügend Mitstreiterinnen. Umso mehr freut sich das Geburtshaus-Team auf die bevorstehende Eröffnung. „Das Geburtshaus ist für die Region eine absolute Bereicherung?, sagt die Hebamme. „Hier können Frauen ihre Kinder in Ruhe gebären.? Abgeschottet von der Geschäftigkeit eines Krankenhauses und der dort herrschenden Routine können sie in einer entspannten und ruhigen Atmosphäre nach ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen ihr Kind auf die Welt kommen zu lassen.

Schwangere Frauen befassen sich früh mit der Frage wo das Kind geboren werden soll. Im Krankenhaus, Zuhause oder im Geburtshaus? Im Krankenhaus laufe die Geburt vornehmlich unter ärztlicher Leitung ab, sagte Dorothea Fritz. Gebärende müssten sich dort zunehmend der Routine des Krankenhausalltags und des Hebammendienstplans unterordnen. Die Geburt in aller Ausführlichkeit mit einer Hebamme zu planen sei dort kaum möglich.

Im Geburtshaus hingegen beginnt die Begleitung der Hebammen schon früh. Sie kann eine Schwangerschaft feststellen, den Mutterpass ausstellen und auch die Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Allerdings macht sie keine Ultraschalluntersuchung.

„Hebammen arbeiten zurückhaltend und weniger invasiv?, sagt Fritz. Sie sehen eine Geburt nicht als Krankheit. Vielmehr als einen natürlichen Vorgang, der einer kompetenten und einfühlsamen Begleitung und nicht zwingend einer ärztlichen Behandlung bedarf. Umso wichtiger sei das persönliche Kennenlernen vor der Geburt und das Schaffen eines vertrauensvollen Verhältnisses während der Vorbereitungszeit.

Hausgeburten, und eine Geburtshaus-Geburt zählt als solche, werden ausschließlich von Hebammen geleitet. Sie betreuen die werdende Mutter von Anfang der Schwangerschaft bis zur Geburt und darüber hinaus auch im Wochenbett zuhause. Im Geburtshaus gibt es keinen Hebammenwechsel wegen des Schichtdienstes. Mutter und Kind haben viel Zeit, sie bestimmen das Tempo der Geburt.

Doch nicht jede Geburt kann im Geburtshaus erfolgen, so Dorothea Fritz. Geburten, bei denen sich Risiken abzeichnen, etwa bei Früh- und Mehrlingsgeburten, bei Steißlagen oder bei einer Dauermedikamentierung der Mutter lehnt auch das Dießener Hebammen-Team eine Hausgeburt ab. „Dann ist es wichtig ärztliche Hilfe zu haben?, so Fritz.

Die Geburtshausgeburt biete im Gegensatz zur Hausgeburt mehr Ruhe, erklärt die Hebamme. Manche Wohnungen seien doch sehr beengt. Im Geburtsraum des Geburtshauses gibt es hingegen viel Platz. Und die Frauen bräuchten keine Angst zu haben, während der Geburt „zu laut? zu sein.

Der Geburtsraum hat eine behagliche Atmosphäre. Ein großes stabiles Bett ist notwendig, denn „Frauen entwickeln bei der Geburt Kräfte zum Bäume ausreißen?, so Fritz. Es gibt eine Sprossenleiter, an der die Gebärende in die tiefe Hocke gehen kann, einen Geburtsstuhl und an der Decke befestigte Tücher zum Festhalten. Auch eine große Geburtswanne steht zur Verfügung. Eine Fußbodenheizung sorgt für eine wohlige Wärme und mehrere Heizstrahler schützen das Neugeborene vor dem Auskühlen. Zudem gibt es Überwachungsgeräte (CTG) und ein Notfallset (Sauerstoff) für das Baby. Zehn Hausgeburten hat das Hebammen-Team jährlich geplant. Doch die Erfahrung an anderen Geburtshäusern habe gezeigt, dass die ursprüngliche Planung von der Nachfrage schnell überholt wurde. Geburtshäuser liegen im Trend, sagt Dorothea Fritz. Von jährlich 70 000 Babys werden zwei Prozent absichtlich und geplant außerhalb der Klinik geboren. Die Hohendiessener Hebamme sieht das als klare Gegenbewegung zu den Sparmaßnahmen an Kliniken und dem dort zunehmenden Druck und Stress. Frauen und Eltern, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, täten dies sehr selbstbewusst. Es gebe keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob eine Haus- oder Klinikgeburt sicherer ist, erklärt Fritz. Da werde viel Angst geschürt. „Hebammen begleiten die Hausgeburt sehr vorausschauend. Da wird nicht spitz auf Knopf reagiert?, sagt Fritz. Sollte es Komplikationen geben, werde ausreichend früh in die Klinik verlegt. Mit der Freudenstädter Kinderklinik bestehe zudem eine hervorragende Kooperation. Und auch die Hebammen im Geburtshaus machen regelmäßige Fortbildungen in der Notversorgung von Neugeborenen.

Das Geburtshaus-Team mit den Hebammen Dorothea Fritz und Anna Schaller sowie Martina Kreidler, die das Büro organisiert, lädt am Sonntag, 10. Oktober, von 10.10 bis 15.15 Uhr zur Geburtshaus-Eröffnung nach Hohendiessen ein. Der Verein Mittelpunkt gestaltet das Fest. Von 11.30 bis 13.30 Uhr gibt es Kinderschminken gratis. Außerdem wird eine Tombola geboten. Zum Essen gibt es heiße Saiten und Weckle sowie Kaffee und Kuchen. Mitgebrachte Leckereien sind willkommen. Infos zum Geburtshaus und den Hebammen gibt es unter www.hebamme-fritz.de.

Das erste Horber Geburtshaus wird eröffnet

Für eine Wassergeburt steht im Geburtshaus eine Geburtswanne bereit. Martina Kreidler und die Hebammen Anna Schaller und Dorothea Fritz (von links) demonstrieren schon mal wie viel Platz darin ist. Privatbild

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Erstellt:
25. September 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. September 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. September 2010, 12:00 Uhr

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