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Horb · Rettungskette

Horb hofft auf den Landkreis

Fast 100 Teilnehmer zählte Initiator Michael Widmann am Samstag zwischen Flößerwasen und Kreissparkassenkreuzung. CDU, FDP und ULH fehlten.

18.05.2020

Von Willy Bernhard

Über einhundert Menschen bildeten eine Kette, indem sie sich über bunte Tücher miteinander verbanden. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Auf knapp 100 Teilnehmer bezifferte der Horber Initiator Michael Widmann die Zahl derer, die sich am Samstag zwischen 10 und 12Uhr an der „Rettungskette 2020“ in der Horber Unterstadt zwischen Flößerwasen und Kreissparkassenkreuzung beteiligten. Die Menschen standen mit respektvollem Abstand zum Nachbarn und hielten statt die Hand des anderen ein gelbes oder rotes Tuch am Zipfel. So formte sich eine Menschen-Kette über den Flößersteg entlang der Platanenallee bis zur Kreuzung beim Einkaufszentrum.

Unter den Teilnehmern waren einige Mitglieder des Horber Gemeinderats aus den Fraktionen von SPD, OGL und „BiM“ (Bürger im Mittelpunkt). Nicht vertreten waren Mitglieder der ULH, der FD/FW und der CDU, die im Gemeinderat mehrheitlich gegen den Antrag gestimmt hatte, dass Horb dem Bündnis „Sichere Häfen“ beitritt.

SPD-Gemeinderätin Viviana Weschenmoser sprach nach einführenden Worten von Widmann über den Sinn dieser „Rettungsketten“-Aktion und deren Bedeutung gerade für Horb. Sie wies darauf hin, dass sich das nahe Rottenburg dem Bündnis „Sichere Häfen“ angeschlossen hat.

Gemeinderat Wolf Hoffmann (OGL) berichtete von einer Besprechung der Fraktionsvorsitzenden des Freudenstädter Kreistags. Landrat Klaus-Michael Rückert (CDU) habe dort mitgeteilt, dass er „seinen“ Landkreis und damit auch die Stadt Horb zum „Sicheren Hafen“ entwickeln wolle. Etliche Teilnehmer der Menschenkette deuteten das als deutliche Abgrenzung des Landrats gegenüber dem jüngsten Beschluss des Horber Gemeinderates. Dezidiert habe Landrat Rückert in dem Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden erläutert, so Hoffmann, warum er den Antrag der Frauenliste, deren Vertreterin Christina Nuss ebenfalls bei der Aktion am Samstag dabei war, einen „Sicheren Hafen“ für unbegleitete Flüchtlingskinder im Landkreis Freudenstadt zu schaffen, unterstütze. Rückert wolle die eingegangenen Anträge „bedeutungsgleich behandeln“, berichtete Hoffmann.

Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE sagte er, dass sich der Landrat bei bestimmten Themen immer deutlich positioniert habe, schon aus seiner christlichen Verantwortung heraus. Eine ähnliche Überzeugung vermisst Hoffmann bei Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU) und bei FD/FW-Fraktionssprecherin Margarete Rebholz. „Dabei waren die während der Flüchtlingskrise noch überaus engagiert mit dabei“, sagte Hoffmann.

Bei der „Rettungskette 2020“ am Samstag waren zudem Aktivisten vom „Projekt Zukunft“, der Katholischen Erwachsenenbildung sowie von der Horber Arbeiterwohlfahrt vertreten.

Widmann sprach zum Abschluss der „Rettungskette“ von einer „kleinen und menschlichen Demonstration, mit der wir erreicht haben, was wir wollen“: Den Fokus auf die Flüchtlingssituation insgesamt und deren Auswirkungen auf Horb zu legen. Zugleich wollten sie ihr Bedauern zum Ausdruck zu bringen, dass der Horber Gemeinderat jüngst gegen Horb als ‚Sicheren Hafen‘ gestimmt hatte.

Dabei erinnerte Widmann unserer Zeitung gegenüber daran, dass OB Rosenberger in seinem Jahresrück- und Ausblick auf diese Probleme eingegangen sei und die Verrohung der Sprache und der Umgangsformen in der Gesellschaft gegeißelt habe. Horb jedenfalls, so Widmann, habe mit dieser Demonstration einmal mehr deutlich gemacht, wie
gastfreundlich die Stadt sei.
„Ganz genau entsprechend unserem früheren Werbespruch: Bist du Gast in Horb, bist du Hahn
im Korb.“

Michael Widmann hatte zur Menschenkette aufgerufen.

Mutter und Tochter: Eine Demonstration über Generationen hinweg.

Die Polizei kontrollierte, ob die Menschen den vorgeschriebenen Mindestabstand einhielten.

Seebrücke und Hafen

Mit der Rettungskette am Samstag demonstrierten die Menschen dafür, dass Horb dem Bündnis „Seebrücke“, auch „Sichere Häfen“ genannt, beitritt. „Seebrücke“ ist eine internationale Bewegung, die sich dafür einsetzt, Flüchtlinge aus Auffanglagern in Südeuropa in mitteleuropäische Länder zu bringen. Sie kritisiert zudem, die Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer zu kriminalisieren.

Kommunen, die sich dem Bündnis „Sichere Häfen“ anschließen, erklären sich bereit „aus Seenot gerettete Flüchtlinge zusätzlich zu den nach dem Königsteiner Schlüssel verteilten Geflüchteten aufzunehmen. Ende 2019 hatten sich 41 Kommunen dem Bündnis angeschlossen. dun

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Erstellt:
18. Mai 2020, 11:40 Uhr
Aktualisiert:
18. Mai 2020, 11:40 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2020, 11:40 Uhr

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