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Ein Chef mit Fingerspitzengefühl

Horber Gesamtwehrkommandant Markus Megerle ist ein Jahr im Amt

Markus Megerle ist der erste hauptamtliche Kommandant und Chef der ansonsten ehrenamtlichen Horber Gesamtwehr. Diese besondere Konstellation erfordert viel Fingerspitzengefühl. Chefallüren sind dem 38-Jährigen fremd. Er weiß um den großen Schatz seiner 485 Mann starken Freiwilligen-Wehr. Megerle ist heute ein Jahr im Amt.

01.09.2010
  • Martina Lachenmaier

Horb. Megerles Dienst beginnt um 8 Uhr. In seinem Büro im Feuerwehrmagazin wartet jede Menge Arbeit auf ihn, vor allem viel Verwaltungsarbeit. Er erstellt Einsatzpläne, Ausbildunsgpläne und, ganz aktuell, den Feuerwehrbedarfsplan für den Horber Gemeinderat. Feierabend hat er um 17 Uhr. Aber das nur theoretisch, denn praktisch ist er immer im Dienst. „Um 17 Uhr wechsle ich ins Ehrenamt“, sagt er und lacht. Dann ist er wie alle seine Kameraden, deren Chef er seit einem Jahr ist, ehrenamtlich für die Sicherheit der Horber aktiv.

Megerle wusste, worauf er sich einlässt, als er sich um die hauptamtliche Stelle des Gesamtstadtkommandanten beworben hat: Jede Menge Arbeit und eine Herausforderung in einer ganz speziellen Konstellation. Denn er befehligt als einziger fest angestellter und bezahlter Feuerwehrmann 485 Feuerwehrmänner, die ehrenamtlich arbeiten und keinen Lohn erhalten. Dass er nach seiner 41-Stundenwoche nicht die Stempeluhr betätigt und sich ins Private zurückzieht, war ihm klar. Hätte er das gewollt, dann hätte er in München bei der Berufswehr der Bundeswehr bleiben können. „Da hat man nach einem 24-Stunden-Dienst richtig Feierabend und seine Ruhe.“ Als Gesamtkommandant einer Freiwilligen Feuerwehr ist das anders. „Nur weil ich hauptamtlich bin, kann ich mich nicht ausklinken.“ Megerle will keine Sonderbehandlung: „Da schwimmen wir alle auf der gleichen Wellenlänge.“ Abends will er für die Ehrenamtlichen Zeit haben, die ihre Freizeit opfern. Das ist für ihn selbstverständlich.

Wenn ein Einsatz kommt, lässt er alles stehen und liegen und fährt raus – sofern abzusehen ist, dass seien Anwesenheit notwendig ist. Bei Großbränden, Unfällen oder unklaren Lagemeldungen, oder wenn Koordinierungsarbeit mit der Polizei oder anderen Hilfsdiensten nötig ist. Es mag den ein oder anderen Feuerwehrkollegen anfangs irritiert haben, dass Megerle der erste am Einsatzort war. Dennoch gebe es kein Kompetenzgerangel. „Ich bin kein Oberbefehlshaber. Ich habe zwar die Verantwortung und bin auch Einsatzleiter, aber versuche die Leitung bei den Abteilungswehren zu lassen“, sagt er. „Ich bin da, wenn mein Rat gefragt ist. Ich will niemand bevormunden und halte gar nichts vom erhobenen Zeigefinger.“ Umso mehr hält er von Fingerspitzengefühl. Man könne ehrenamtlichen Feuerwehrleuten nicht mit einem autoritären Befehlston kommen. Das funktioniere in einer stark nach Hierarchien geordneten Berufswehr, aber nicht mit ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, deren Einsatz nicht hoch genug einzuschätzen sei.

„Klar, bei unserer Arbeit muss Zug dahinter sein, das System muss funktionieren und die Einsatzbereitschaft gewährleistet sein.“ Aber seinen Leuten will er so viel Freiheiten wie möglich lassen. „Die Feuerwehrmänner haben Spaß an der Feuerwehrarbeit und wollen sich in ihrem Hobby entfalten. Sie sollen das, was sie gelernt haben, auch umsetzen.“ Megerle möchte nicht riskieren, dass seine Männer die Lust am Feuerwehrhobby verlieren, nur weil er den falschen Ton anschlägt. „Das können wir uns gar nicht leisten.“ Eine ehrenamtliche Wehr ist auf jeden Mann angewiesen.

Megerle hält viel von Transparenz. Niemand soll an der kurzen Leine gehalten, nichts soll verheimlicht werden. Wer ehrenamtlich arbeitet, habe ein Anrecht darauf zu erfahren, was geplant ist. „Man kann’s nicht allen Recht machen“, das weiß der Gesamtkommandant auch, aber für ihn gilt: „Für mich sind alle gleich.“

Megerles erstes Jahr stand weitgehend unter dem Zeichen der Einarbeitung. Vieles war neu für ihn. Nicht die Feuerwehrtechnik, betont er. Aber die spezielle Struktur in Horb mit 17 Abteilungen, der besonderen Topografie der Stadt und Lage der Stadtteile. Sie zu kennen ist wichtig im Feuerwehrwesen. Sein verstorbener Vorgänger, Hartmut Christinger, hat ihm dabei geholfen, sich in diese Spezialität einzuarbeiten – „und mich auch davor bewahrt, als Neuling in manches Fettnäpfchen zu treten!“

Nach einem Jahr sei die Verwaltungsarbeit schon Routine, sagt Megerle. Nun will er sich verstärkt um die Abteilungswehren kümmern, den Kontakt pflegen, zu Kameradschaftsabenden kommen. Auch wenn ein simples Rechenexempel zeigt, dass bei 17 Abteilungen mit je einer Jugend-, Alters- und Aktivenwehr eine Terminflut auf den Gesamtkommandanten zukommen wird.

Er schätzt an seinen Horbern Feuerwehrfrauen und -männern ihr „unheimliches Engagement“, ihre Bereitschaft, Neues umzusetzen. Ihn, den Neuen, habe man schnell aufgenommen und ihm den Anfang leicht gemacht. Auch das große Pflichtbewusstsein beeindruckt ihn. „Die Leute kommen und sagen für einen Einsatz sogar einen geplanten Familienausflug ab – das ist nicht selbstverständlich.“ Eine Freiwilligenwehr lebe von solch einer Arbeitseinstellung. Es ist quasi eine Art Überlebensgarantie. Megerle ist froh, dass er auf viele Feuerwehrmitglieder zurückgreifen kann. Denn wenn alarmiert wird, ist nicht sicher, dass jeder zum Einsatz kommen kann. Horb hat da keine Probleme. Auch genügend Nachwuchs gibt es. Das ist beruhigend für den Gesamtkommandanten. „Ich habe bis jetzt immer zur richtigen Zeit auch die notwendige Zahl an Einsatzleuten gehabt.“

Den Sparplänen der Haushaltsstrukturkommission des Gemeinderats ist die Feuerwehr erst einmal entkommen. Die Kommission habe eingesehen, dass da nicht allzu viel zu holen ist. Auch das Zusammenlegen von Abteilungswehren scheint vom Tisch zu sein. Megerle sieht das ähnlich. Allein die Hilfsfrist von zehn Minuten bedeute, dass Abteilungswehren in den weit außerhalb gelegen Stadtteilen unabdingbar sind. Fünf Minuten braucht die Feuerwehr, um beim Stützpunkt einzutreffen und sich umzuziehen. Wie weit man in fünf weiteren Minuten mit einem Lkw durch die Stadt kommt, könne sich jeder selbst ausrechnen. Die Horber Topografie erfordere viele Abteilungswehren, so Megerle.

Auch vom Zusammenlegen von Abteilungen hält er nichts – zumindest solange keine Investitionen anstehen, wie ein Neubau oder Geräteneuanschaffungen. Die Wehr spare ohnehin wo sie könne. Es wurde eine Tauschbörse für gebrauchte Bekleidung und Geräte eingerichtet. Die Gerätewartung übernehmen jetzt eigene Leute, weil eine Schulung langfristig billiger als eine Fremdvergabe kommt. Allerdings sei man an einer Grenze angekommen. „Man kann nicht alles aufs Ehrenamt abwälzen“ ist sich Megerle sicher.

Horber Gesamtwehrkommandant Markus Megerle ist ein Jahr im Amt
Hauptamtlicher Kommandant einer ehrenamtlichen Feuerwehr zu werden, war für Markus Megerle die richtige Entscheidung. Das hat sich in seinem ersten Jahr als Horber Gesamtkommandant bestätigt. Bild: la

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01.09.2010, 12:00 Uhr

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