In kleinen Schritten zum großen Ziel

Horber sammelten bei der 3. Klimaschutzkonferenz Ideen für den Weg zu einer klimaneutralen Stadt

Bei der 3. Klimaschutzkonferenz am Mittwochabend in der Dualen Hochschule sammelten gut 50 Horber Bürger Ideen, wie die Stadt ihr ehrgeiziges Ziel umsetzen kann: Bis 2050 will Horb eine CO2-neutrale Kommune sein.

24.01.2014

Von Dunja Bernhard

Horb. „Als wir uns dieses Ziel vor vier Jahren setzten, haben wir nicht gewusst, worauf wir uns einlassen?, sagte Oberbürgermeister Peter Rosenberger. Einiges konnte die Stadt auf ihrem Weg zu einer CO2-neutralen Bilanz schon umsetzen. CO2 ist die Abkürzung für das Treibstoffgas Kohlenstoffdioxid.

Die Energieagentur nahm ihre Arbeit auf, ein Solarpark wurde eingerichtet und das Wärmenetz ausgebaut. Über 1000 Straßenlaternen sind mit LED-Leuchten bestückt. Mit diesen städtischen Maßnahmen habe man schon über 10 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart, sagte Rosenberger. Aber es habe auch Streit gegeben, räumte der Oberbürgermeister ein. Die Windradpläne auf dem „Großen Hau? musste die Verwaltung begraben. Ein großer Posten für die Einsparung von Kohlendioxid fiel damit weg. 17 000 Tonnen dieses klimawirksamen Gases wollte die Stadt jährlich mit den Windrädern einsparen. Zum Vergleich: Mit dem Austausch der Straßenbeleuchtung lassen sich nur rund 200 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Ihre ursprünglichen Pläne muss die Verwaltung neu überdenken, dafür holt sie die Bürger mit ins Boot. Und da 2050 sehr weit weg ist und sich Entwicklungen bis dahin nicht abschätzen lassen, formulierte sie als Nahziel: Bis 2020 soll die CO2-Bilanz um mindestens 40 Prozent gesenkt werden.

2009 lag der Energieverbrauch in Horb bei 674 000 Megawattstunden, das entspricht einer Kohlendioxidbilanz von 222 500 Tonnen und Kosten von rund 75 Millionen Euro. Auf die Fläche bezogen liegt Horb damit im Bundesdurchschnitt. Obwohl die Stadt schon einiges getan hat, um Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen und die Öffentlichkeit unter anderem in Schulen für dieses Thema zu sensibilisiert, seien sie noch nicht so weit voran gekommen wie geplant, sagte Eckhardt Huber, Geschäftsführer Energie Horb.

Thematischer Austausch in kleinen Gruppen

Um neue Impulse zu erhalten, möchte die Stadt mit den Bürgern zusammenarbeiten. Zu den vier Themengebieten „Erneuerbare Energien?, „Mobilität?, „Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit? und „CO2-Effizienz? tauschten sich die Teilnehmer der Klimaschutzkonferenz in kleinen Gruppen aus. Dort kam es mitunter zu sehr kontroversen Diskussionen. Anschließend stellten Vertreter der einzelnen „Thementische? die Ergebnisse im Plenum vor.

Da das Einsparpotenzial von Kohlendioxid bei der Windenergie sehr groß ist, sprachen sich einige Teilnehmer dafür aus, Standorte für Einzelanlagen zu suchen. Wenn sie als Bürgeranlagen errichtet würden, sei auch die Akzeptanz höher. Wichtig sei, dass die Anlagen landschaftsverträglich, zum Beispiel auf freien Flächen, errichtet würden. Außerdem solle der Naturschutz beachtet werden. Andere sprachen sich für Beteiligungen an Off-Shore-Anlagen aus. In einer globalisierten Welt solle die Energie aus Wind dort produziert werden, wo er auch weht, sagte ein Teilnehmer.

Für Photovoltaikanlagen kam die Forderung nach Aufklärung der Bevölkerung, welche Modelle die höchste Effizienz hätten. Außerdem würden Sammelbestellungen über die Energieagentur die Kosten senken. Michael Laschinger schlug eine Exkursion in die „Solarhauptstadt Freiburg? vor, um sich über die neuesten technischen Entwicklungen zu informieren.

Wenn die Stadt die insolvente Biogasanlage auf dem Hohenberg kauft, solle diese mit alternativer Biomasse wie dem Ertrag von Kräuterwiesen, die zur Landschaftspflege dienen, betrieben werden, forderte eine Teilnehmerin. Biogasanlagen dürften nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen.

Markus Pagel wies für die Gruppe „Mobilität? darauf hin, dass neben einem Car-Sharing auch ein E-Bike-Sharing eingerichtet werden könnte. Diese Angebote sollten jedoch kein Ersatz für den öffentlichen Nahverkehr sein. Der könnte mit einem Jobticket noch attraktiver gemacht werden.

Die Gruppe zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit? bekam die Frage mit, ob sie sich eine kommunale Klimaschutzpartnerschaft mit Afrika vorstellen könne. Mehrheitlich fanden die Teilnehmer diese Idee gut, „damit dort nicht die gleichen Fehler wie bei uns gemacht werden?, sagte ihr Sprecher. Außerdem sprachen sie sich dafür aus, den Klimaschutz ins Leitbild der Stadt aufzunehmen.

Weitere Zusammenarbeit ist geplant

Die vierte Gruppe lobte die Artikel zum Energiesparen in der örtlichen Presse. Ältere Menschen müssten jedoch persönlich angesprochen werden, von Menschen, „die ihre Sprache sprächen.? CO2-Zertifikate diskutierten die Teilnehmer kontrovers. Während einige sie befürworteten, fanden andere, dass der Handel mit Bilanzen keine Verbesserung für die Region bringe. Auch ein „Verzocken? sei möglich, warnte ein Teilnehmer. Da ginge es dann um Steuergelder.

Horber Betriebe sollten durch Anreize dazu motiviert werden, die Energieeffizienzrichtlinien zu erfüllen. Sanktionen könnten dazu führen, dass die Firmen abwanderten. Die Stadt könnte doch den Wettbewerb „Sparer des Monats? für Betriebe ausschreiben, schlug die Gruppe vor. Der Gewinner bekäme dann die Möglichkeit, sich im Gemeindeblatt darzustellen.

Für vieles, was die Teilnehmer der Konferenz noch gern besprochen hätten, blieb keine Zeit mehr.

Die dritte Klimaschutzkonferenz stelle nur die Auftaktveranstaltung zu weiteren Treffen dar, sagte Klimaschutzmanager Martin Heer. Sie solle eine Veranstaltung von Bürgern für Bürger sein. Mit den Gruppen soll es weitere Treffen geben. Interessierte können sich per Mail bei Klimaschutzmanager Heer melden: m-heer@horb.de.

Bei der Klimaschutzkonferenz stellten Vertreter der einzelnen Thementische ihre Ideen vor, wie Horb bis 2050 CO2- neutrale Kommune werden kann. Bild: dun

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Erstellt:
24. Januar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Januar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2014, 12:00 Uhr

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