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Streetworker

Horbs Jugend hat zwei neue „Anwälte“

Seit September ziehen Manuel Trick und Rüdiger Holderried durch die Straßen und kümmern sich um die Anliegen von Jugendlichen.

18.11.2016
  • Benjamin Breitmaier

Es ist Freitagabend. Die Sonne verzieht sich im Oktober schon relativ früh hinter den Schütteturm. Es ist kühl, aber in jungen Jahren spielt Außentemperatur beim Feiern noch eine untergeordnete Rolle. Auf dem Parkplatz am Flößerwasen steht ein BMW. Offener Kofferraum, der Bass wummert über den Parkplatz. Schon während des Sommers trafen sich hier Jugendliche regelmäßig, um zu trinken, um Musik zu hören, um jung zu sein.

Das gefällt nicht jedem, vor allem Anwohner beschwerten sich vereinzelt über Lärm und Müll. Der Samstagmorgen zeigt oft ein Panorama aus leeren Wodkaflaschen und Pizzaschachteln, welches früher eher das Bild des Bahnhofs geprägt hat.

Flößerwasen, Bahnhofsplatz, Neckarufer, das DB-Parkhaus, die Rundhalle – es sind die neuen Arbeitsplätze von Rüdiger Holderried (38) und Manuel Trick (25). Seit September teilen sich die beiden Sozialarbeiter eine 50 Prozentstelle in der Mobilen Jugendarbeit des Jugendreferats.

Spaziergang am Neckarufer – Müll gibt es hier keinen. Die beiden machen im Gespräch schnell deutlich, dass sie ihre Rolle nicht als Ordnungsinstanz verstehen. „Wir bieten unsere Unterstützung an. Wir wollen Anwälte der Jugendlichen sein“, erklärt Trick. Mobile Jugendarbeit könne nur erfolgreich sein, wenn die beiden es schaffen, eine Vertrauensbasis zu ihren „Klienten“ aufzubauen. Dafür gehen sie an zwei Nachmittagen in der Woche und freitagabends auf Tour.

Die zwei sind ein eingespieltes Team. Vor dem Arbeitsantritt in Horb Anfang September, arbeiteten sie schon zwei Jahre in Freudenstadt zusammen. Trick ist bei der Erlacher Höhe angestellt und hauptsächlich in der Wohnungslosenhilfe tätig. Rüdiger Holderrieds Arbeitgeber ist die Caritas. Er trat die Nachfolge von Erwin Reck an und hat jahrelange Erfahrung in der Suchtberatung von Jugendlichen. Das Jugendreferat kaufe quasi die Dienstleistung von den beiden Einrichtungen ein, erklärt Jugendreferatsleiter Markus Guse. Das Konzept wurde bewusst gewählt, da sich Guse Synergien bei der Arbeit der beiden verspricht. Trick hatte schon bei der Wohnungslosenhilfe häufig mit jungen Menschen zu tun. Die Caritas hat einige Angebote für Jugendliche mit Problemen, die Holderried durch das aktive „Streetwork“ jetzt besser vermitteln kann. Beide haben ihren Wohnsitz in Horb.

Nach ihren zwei Monaten als „Streetworker“ in der Neckarstadt zeichnen die beiden ein entspanntes Bild vom Verhalten ihrer neuen Klienten. „Es gibt hier keine Brennpunkte“, stellt Holderried klar. Man müsse verstehen, dass Jugendliche auch in den öffentlichen Raum gehören. Als Streetworker „sieht man die Stadt mit anderen Augen“, ergänzt Trick. Grundsätzlich wären die bisherigen Kontakte mit Horber Jugendlichen überwiegend offen, freundlich und höflich gewesen, betonen beide. „Bisher haben wir noch keine Abfuhr gekriegt“ – Trick lacht. Es sei völlig normal, dass auch in der Öffentlichkeit gefeiert werde. „Es gibt in Horb ja sehr viele schöne Plätze“, sagt Holderried.

Zu ihren Klienten zählen die beiden „junge Menschen, die durch das Hilfesystem gerutscht sind“. „Beispielsweise, jemand der zuhause rausgeflogen ist“, erklärt Trick. Jugendliche mit finanziellen Problemen, Schwierigkeiten mit Drogen oder Alkohol – dafür seien die beiden der richtige Ansprechpartner. Hier kommt Holderried seine jahrelange Erfahrung in der Suchberatung zugute. Etwa sechs Stunden in der Woche sind die beiden auf ihrer Tour.

Doch mobile Jugendarbeit besteht nicht nur aus Streetwork. Daneben kümmern sich Trick und Holderried um Einzelfallhilfe. Wenn ein junger Mensch mit seinen Schulden nicht mehr klarkommt, wenn er Schwierigkeiten mit der Familie hat, dann seien sie da. Außerdem wollen sich die Sozialarbeiter auch mit den anderen Angeboten der Jugendarbeit in Horb vernetzen – beispielsweise sind sie an Projekten wie dem Mitternachtssport beteiligt, bei dem mittlerweile bis zu 80 Jugendliche teilnehmen.

Bis sich Jugendliche aktiv Hilfe bei ihren „Streetworkern“ suchen, sei es jedoch ein weiter Weg. Die ersten Monate seien geprägt von Beziehungsarbeit. „Richtig drin, war ich in Freudenstadt erst nach fünf Jahren“, erklärt Holderried. Deswegen heißt es für die beiden am heutigen Freitagabend wie in den kommenden Wochen eher mit den jungen Horbern, die um den lauten BMW stehen, das Gespräch zu suchen, anstatt den Zeigefinger zu erheben.

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18.11.2016, 01:00 Uhr

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