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Schwerstes Erdbeben seit 1979 - Badeort Pedernales fast völlig zerstört

Hunderte Tote in Ecuador

Bei einem Erdbeben in Ecuador sind mindestens 233 Menschen getötet und hunderte verletzt worden. Das Beben der Stärke 7,8 ereignete sich am Samstagabend vor der Küste und gilt als das stärkste seit 1979.

18.04.2016
  • SANDRA WEISS

Puebla. Victor Manuel Burgos steht vor dem, was von seinem Haus übrig ist: ein paar verbogene Stahlträger, einzelne Zementbrocken und ein Haufen Schutt. "Hier lebten wir zu acht. Dieses Haus habe ich mit eigenen Händen gebaut", sagte der 58jährige aus dem Ort Babahoyo in der Nacht zum Sonntag der ecuadorianischen Zeitung "El Comercio". 30 Jahre hat der zweistöckige Bau stand gehalten, doch am Samstag machte ihm kurz vor 19 Uhr ein Erdbeben der Stärke 7,8 den Garaus.

Das 40 Sekunden dauernde Beben mit Epizentrum in der Küstenprovinz von Manabí legte zahlreiche Dörfer und Städte in Schutt und Asche. Besonders betroffen sind ersten Berichten zufolge Manta, Pedernales und Portoviejo.

Im Touristenort Pedernales sind ersten Angaben zufolge 80 Prozent der 50000 Einwohner obdachlos. "Hier ist nicht nur ein Gebäude eingestürzt, sondern die ganze Stadt kollabiert", sagte Bürgermeister Gabriel Alcívar. "Es gibt keinen Strom und Dutzende Menschen liegen noch unter den Trümmern."

Noch in der Nacht verhängte Vizepräsident Jorge Glas den Ausnahmezustand in sechs Provinzen. Er stellte 300 Millionen US-Dollar für die Soforthilfe bereit. Es sei das schlimmste Beben seit 1979, erklärte Glas und bat die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. Auch Präsident Rafael Correa, der während des Unglücks gerade im Vatikan weilte, meldete sich mehrfach per Twitter mit Informationen und Beileidsbekundungen. Er aktivierte außerdem einen Sonderkredit über 600 Millionen US-Dollar der Interamerikanischen Entwicklungsbank und flog am Sonntag morgen zurück. Bislang habe es 233 Tote gegeben, twitterte Correa von unterwegs.

Die ganze Nacht über waren bereits Katastrophenhelfer, Ärzte und rund 10000 Soldaten im Einsatz, evakuierten Dörfer, brachten Nahrungsmittel und Decken, richteten Notunterkünfte ein, reparierten Straßen, stellten die Stromversorgung wieder her, bargen Tote und befreiten Verletzte aus den Trümmern. Auch Venezuela und Mexiko entsandten spezialisierte Einsatzkommandos. Brücken und Strommasten waren eingestürzt, Straßen unpassierbar geworden. In der Nacht fing es auch noch an zu regnen. Wegen der zahlreichen Nachbeben verbrachten Tausende die Nacht auf den Straßen. "Ich habe meine Kinder im Garten schlafen gelegt, damit sie sich etwas ausruhen, und wir morgen früh gemeinsam bergen, was noch zu retten ist. So lange wir leben, gibt es Hoffnung", sagte Burgos.

"Wir können nicht schlafen. Meine Haustür schließt nicht, und ich muss auf unsere Sachen aufpassen", erzählte ein paar Straßen weiter Petita de Lucca, die die Nacht in einem roten Zelt des Katastrophenschutzes verbrachte.

In der Wirtschaftsmetropole Guayaquil stürzten Dächer von Einkaufszentren und eine Fußgängerbrücke ein, die ein Auto unter sich begrub und den Fahrer tötete. Am Flughafen rannten Passagiere in Panik aus dem Terminal, Deckenleuchten und Anzeigetafeln stürzten zu Boden. In Manta kollabierte der Kontrollturm des Flughafens. In der Hauptstadt Quito in den Anden - 170 Kilometer vom Epizentrum entfernt - vermeldeten die Behörden sechs eingestürzte Häuser. Auch dort rannten die Menschen panisch auf die Straßen, als die Häuser zu tanzen begannen.

Enorme Schäden auch in Japan

Vermisstensuche Starke Erdbeben haben in den vergangenen Tagen im Südwesten Japans mindestens 41 Menschen in den Tod gerissen und enorme Schäden verursacht. Rettungstrupps setzten gestern ihre Suche nach Vermissten fort. Fast 200000 Menschen in den betroffenen Provinzen Kumamoto und Oita auf Japans südlicher Hauptinsel Kyushu harren in Notunterkünften aus. Tausende wurden mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäusern behandelt.

Pazifischer Feuerring

Umgibt den Pazifischen Ozean von drei Seiten: der größte Vulkangürtel der Erde ist für die meisten Beben verantwortlich.

Online-Kontakt Viele Verschüttete sind so lange online in Kontakt mit der Außenwelt geblieben, bis Hilfe eintraf. Er habe sofort über den Kurzbotschaftendienst Line verbreitet, dass seine ganze Familie unter den Trümmern des elterlichen Hauses eingeschlossen sei, erzählte der 19-jährige Hiroki Nishimura der Tageszeitung „Sports Nippon“ vom Sonntag. „Alle haben das über andere Netzwerke weitergeleitet - und wir erhielten Antworten, die uns dort unten Mut machten.“ Eine Stunde später war die siebenköpfige Familie aus Mashiki in Sicherheit. Den Angestellten des durch einen Erdrutsch von der Außenwelt abgeschnittenen Seifusou-Hotels in Minami Aso gelang es, die Facebook-Seite des Unternehmens mit Informationen über den Verbleib von 50 Hotelgästen und Bediensteten zu bestücken. „Unsere Vorräte an Wasser und Lebensmitteln reichen nur noch einen Tag“, hieß es. Ein Rettungshubschrauber brachte daraufhin Hilfe. dpa, afp

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18.04.2016, 06:00 Uhr

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