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Im Wagen vor mir gibt‘s Kultur

Hunderte kamen zu den Wagenburg-Kulturtagen

Die Wagenburg-Kulturtage lockten am Wochenende vor allem am Samstagabend mehrere Hundert Besucher aufs Gelände: Es spielten die Tübinger Bands The Neros und Pantasonics.

21.07.2014
  • Michael Sturm

Tübingen. „Die Bäume sind in den letzten Jahren ganz schön gewachsen“, begeisterte sich Patrick Zander. Der ehemalige Tübinger Student war am Samstag erstmals nach einigen Jahren wieder bei den Wagenburg-Kulturtagen. Er staunte, denn das Gelände oberhalb des Französischen Viertels, auf dem sich die beiden Tübinger Wagenburgen Kuntabunt und Bambule befinden, ist in der letzten Dekade zu einem lauschig-grünen Märchen-Labyrinth zusammengewachsen. Wohin man schaut, überall finden sich kleine Nischen, wie gemacht für die Vielfalt, der Wagenburg-Kulturtage, die an diesem Wochenende vom Freitag bis zum Sonntag stattfanden.

Die finden jedes Jahr im Sommer statt. Traditionell gibt es viel Programm für Kinder. An diesem Wochenende bot Heike Kammer mexikanisches Puppentheater mit den Stücken „Die Karotte der Feundschaft“ und „Der Hase im Mond. Ina Z lockte am Samstag über Hundert große und kleine Zuschauer zu Clownereien mit Musik auf die Freifläche bei den Ställen. Über ein tragbares Musikabspielgerät ließ sie den Sound eines Traktoren laufen, begleitete diesen Rhythmus mit dem Akkordeon und sang: „Mein Trecker fährt so schnell, wenn andere laufen.“ Ihre Erzählung „Die Reise ins Monstertal“ begann sie erst, als die Zuschauer Laute von sich gabe, als würden sie sich gar schrecklich gruseln.

Ein paar Meter weiter saßen bereist die ersten bei Kaffee und Kuchen im Kunstcafé. Aufgrund des heißen Wetters war es tagsüber insgesamt ziemlich ruhig. So zog der Bedarf an Nahrung erst gegen Abend an. Es gab vegane Pfannkuchen, türkische Gerichte und Pizza aus dem Lehmofen.

Mitmachprogramm gab es auch für Erwachsene – auf mehreren Plätzen, um den Festivalcharakter zu unterstreichen, betonte die Künstlerin Ava Smitmans: „Wir wollten Workshops, bei denen man etwas lernen kann.“ Sie selbst öffnete ihr Atelier und leitete Vormittags einen kleinen Skizzier-Kurs an, in dem die Teilnehmer vor allem etwas über Perspektive lernten. Die Gäste schlenderten durch einen kleinen Kunsthandwerksmarkt, sie setzten sich zum Kaffee und Kuchen in das Kunstcafé, oder hörten Rob Mens Vortrag „Das Gesetz der Zeit“ zu. Es gab einen von Anja Mildner geleiteten Pantomime-Workshop und das „Unsichtbare Theater“, das äußerst lustige Szenen produzierte: „Stelle etwas dar, was Du jeden Tag machst“, lautete eine Anweisung. Eine Teilnehmerin ging daraufhin in die Hocke. Unter dem Lachen der Anderen ging eine weitere Akteurin hinter der ersten zu Boden: „Ich bin die Kloschüssel.“ Andere verwandelten sich in eine Klorolle beziehungsweise in einen Wasserhahn.

Die meisten Leute kamen wegen des Abendprogramms. Weniger am Freitag, als vor allem Wagenburgler aus anderen Städten, etwa aus Freiburg und Leipzig da waren. Die bekamen Heavy Metal von den Bands Doggod und Coogreed geboten. Ava Smitmans registrierte geteilte Meinungen: „Ein paar Leute waren völlig begeistert, weil man das heute nicht mehr so häufig zu hören bekommt. Andere konnten damit gar nichts anfangen.“ Wesentlich mehr war am Samstag los. gegen halb neun kamen The Neros auf die Bühne. Im Lauf der nächsten eineinhalb Stunden dominierte der Farfisa-Sound von Organist Frank Allmendinger die Mischung aus Surfsound und sehr frühem Punk. Die Zuhörer waren schon bald auf den Beinen und tanzten. Die Stimmung war hinterher so gut, dass Gitarrist Alex Gonschior mit den Worten: „Jetzt hol’ ich mir Ruhm ab“ ins Getränkezelt einzog.

Die Pantasonics, Hauptband an diesem Abend, sind ebenfalls aus Tübingen – abgesehen davon, dass Sänger und Rapper Leo Molina mittlerweile zu jedem der Konzerte von weit her anreisen muss. Die sechs Musiker hauten mit ihrer Mischung aus Balkan-Polka, Funk und den Trompetenklängen von „Soul Mariachi“ Timo Wetzel so nachhaltig rein, dass die Wiese für die Tanzenden kaum noch ausreichte.

Hunderte kamen zu den Wagenburg-Kulturtagen
Die Pantasonics sorgen bei den Wagenburg-Kulturtagen für Stimmung auf der Bühne und im Publikum. Bild: Faden

Die Tübinger Wagenburg entstand zu Beginn der 90er Jahre in der Nähe des Tübinger Tierheims. 1992/93 mussten die Bauwagen dort weg und wurden auf das Gelände oberhalb des Französischen Viertels gebracht. Dort gibt es mittlerweile zwei Gemeinschaften, die sich Bambule und Kuntabunt nennen. „Wir sind mittlerweile so etwas wie eine Dorfggemeinschaft. man trifft sich meist beim Wasser holen am Brunnen“, stellte Ava Smitmans fest, die zu den ganz frühen Wagenburg-bewohnern zählt.

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21.07.2014, 12:00 Uhr

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