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Endlich hochwassersicher

Hunderte kamen zur Inbetriebnahme des Hemmendorfer Damms

Für Hemmendorf war gestern ein Freudentag. Nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, weil mit dem neuen Hochwasserrückhaltebecken endlich die eine Hauptgefahr für den Ort gebannt scheint. Deshalb wurde nach der offiziellen Inbetriebnahme auch ordentlich gefestet.

22.10.2012
  • Ulrich Eisele

Hemmendorf. Der grasbewachsene Damm – hoch genug für ein „Jahrhundert-Hochwasser“ – fügt sich gut ins weitläufige Krebsbachtal ein. Nur das mächtige, rund sieben Meter hohe Durchlassbauwerk mit der stählernen Schützanlage in der Mitte lässt erkennen, wozu dieser Wall in den vergangenen 20 Monaten aufgetürmt wurde. 26.000 Kubikmeter Erdmaterial, mehr als 2000 Lastwagenladungen, wurden dort hingekarrt und 630 Kubikmeter Beton verbaut. 2,8 Millionen Euro kostete der Damm samt Grunderwerb, die Hälfte davon trägt die Stadt Rottenburg, die andere Hälfte das Land.

Zwei, drei Hochwasser kurz hintereinander

Mucksmäuschenstill wurde es im 300 Gäste fassenden Festzelt an der Landesstraße 389, als Ortsvorsteher Hans Saile – nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Stephan Neher und dem Musikverein Hemmendorf – an die Vorgeschichte des Hochwasserschutzes erinnerte. Wie im August 2002 das harmlos gluckernde Krebsbächlein nach starkem Regen unerwartet schnell zu einem reißenden Strom anschwoll, der in Hemmendorf mehrere Keller unter Wasser setzte. An die „Berge von Möbeln und defekten Elektrogeräten“, die danach am Straßenrand standen, konnte er sich noch gut erinnern.

Kaum ein Jahr später – die Stadt Rottenburg war schon am Austüfteln eines Hochwasserschutzkonzeptes – versetzte ein weiteres Sommerunwetter die Hemmendorfer in Angst und Schrecken. Gar nichts allerdings gegen das Hochwasser vom 2. Juni 2008, bei dem die Brühe in Keller und Erdgeschosse drang, Öltanks auftrieb, Hühner und Hasen ertränkte. Glück, dass kein Menschenleben zu beklagen war. Danach drückte die Stadt aufs Tempo, um das neue Hochwasserschutzkonzept umzusetzen: ein Damm in Hemmendorf, ein weiterer in Dettingen, und der bereits bestehende im Katzenbachtal oberhalb Bad Niedernaus soll vergrößert werden.

Immerhin ein Teil davon ist mit dem Hemmendorfer Hochwasserrückhaltebecken nun fertig. Von dem maximal 230.000 Kubikmeter Wasser fassenden Bauwerk profitiert nicht nur die Hemmendorfer, sondern auch die Niedernauer, denn der bei Starkregen die dortigen Keller bedrohende Katzenbach wird vom Krebsbach und Aischbach (Dettinger Täle) gespeist. So wird durch das neue Rückhaltebecken ein Drittel bis die Hälfte des Oberlaufs auf die Abflussmenge von fünf Kubikmeter pro Sekunde herunter gedrosselt.

Gereimter Dank und Gottes Segen

Gestern nun war der Tag des Dankens: OB Neher und Ortsvorsteher Saile dankten dem Ingenieurbüro und den Bauleuten, dem Tiefbauamt der Stadt sowie den Vertretern des Regierungspräsidiums und Landratsamtes. Spontan auf die Rednerliste setzte sich auch ein mehrfach hochwassergeschädigter Hemmendorfer, dem regelmäßig „anders“ wird bei Wolkenbrüchen und der Gedanke „O Herr, lass‘ au‘ o’mez anders na!“ in den Kopf schießt. Wer einmal wie er „in der Pampe“ gestanden habe, könne ihn verstehen. In Reimform stattete Max Reichle sodann Dank ab, stimmte sogar einen Lobgesang an.

Viel wurde auch über den Klimawandel spekuliert: ob „Jahrhundert“-Hochwasser häufiger werden, man mit neuem Schutzdamm wirklich davor gefeit sei. Ingenieur Markus Heberle gab darauf eine wissenschaftliche Antwort, der evangelische Pfarrer Jürgen Ebert und sein katholischer Kollege, Diakon Godehard König, baten um Gottes Segen – nicht für das Bauwerk, sondern für die Menschen, die den Klimawandel machen und mit Vernunft vielleicht verlangsamen.

Anschließend erklärten Ingenieur Heberle und Jürgen Klein vom Rottenburger Tiefbauamt vielen Interessierten die Funktionsweise der elektronisch gesteuerten Schützanlage. Für die Gäste gab‘s Kaffee und Kuchen, Bier und Erfrischungsgetränke.

Hunderte kamen zur Inbetriebnahme des Hemmendorfer Damms
Nicht „Wasser marsch!“, sondern „Wasser stopp!“ hieß es bei der Inbetriebnahme des Hemmendorfer Hochwasserschutzdamms. Bürgermeister Stephan Neher drehte am großen Rad und ließ damit die Schützen herab, die Schieber, die den Auslass des Damms verschließen.Bild: Metz

Der Damm des neuen Rückhaltebeckens liegt zirka 650 Meter oberhalb Hemmendorfs. Die Länge der Dammkrone beträgt 270 , die maximale Dammhöhe sieben Meter. Das Becken fasst maximal 230 000 Kubikmeter und nimmt Wasser aus einem Einzugsgebiet von 17 Quadratkilometern auf. Wenn das Becken ganz voll ist, sind 16 Hektar mit Wasser bedeckt. Der Ablass in der Mitte des Damms hat zwei Schieber, sogenannte Schütze. Der eine wird bei Hochwasser geschlossen, über den anderen laufen kontrolliert fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Bei einem „Jahrhunderthochwasser“ führt der Krebsbach 32 Kubikmeter pro Sekunde.

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22.10.2012, 12:00 Uhr

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