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Schau über Wirtschaftswunderjahre im Schloss

Hunger auf Rock’n’Roll

Gomaringen. Es war fast zu viel am Schluss: Die Gomaringer haben ihre Dachböden gründlich leergeräumt für die neuste Ausstellung im Schloss, die 28., wie Willi Kemmler, Vorsitzender des Geschichts- und Altertumsvereins, erzählte.

22.05.2010
  • Gabi Schweizer

Einen alten Puppenwagen mit weißem Korbgeflecht hat jemand verliehen, ebenso ein Nierentischchen und Sektgläser, ein Hohner-Knopfakkordeon, Micky Maus-Comics und herrlich kitschige Urlaubsmitbringsel. „Bauboom, BHs, Bilderflimmern – Wirtschaftswunderjahre in Gomaringen“ ist die Schau betitelt, die am Mittwochabend eröffnet wurde.

Jemand hat ein handgeschriebenes Kochbuch abgeliefert, mit Rezepten für russische Eier und Fleisch-Eierkuchen. Zutaten, die einen gewissen Wohlstand verraten. Doch in einer Vitrine sind auch noch Lebensmittelkarten zu sehen und die Waage, auf die Schüler sich stellen mussten – nur wenige wogen in der Nachkriegszeit so viel, dass sie kein Schulessen bekamen.

Der Schweinebraten war „nur richtig gut, wenn er fett war“, erinnerte sich Bürgermeister Manfred Schmiderer im Grußwort; das Eis kostete 10 Pfennig, und mit Rock’n’Roll verbindet der Schultes die Epoche auch: „Da war Hunger da, das alles zu erleben, und bewusst zu erleben.“

Gomaringen kannte Schmiderer damals noch nicht – aber viele der 60 Vernissage-Besuchern wohnten in den 50ern und 60ern schon im Flecken. Und mancher erkannte sich prompt auf einem Foto wieder. Überhaupt: diese Wiederentdeckungen. Eine Ausstellung als Suchspiel, das hat einen ganz eigenen Reiz.

Eine ältere Frau studierte begeistert das Foto ihres Abschlussballs, aufgehängt zwischen sommerlichen Kleidern und dem damals modischen Petticoat, der die Röcke glockenförmig aufbauschte.

Ausstellungsmacherin Birgit Walliser-Nuber ist zu jung, um diese Epoche selbst erlebt zu haben. Vertraut ist sie ihr trotzdem – erstens, weil sie akribisch die alten Gemeindeboten und die Briefe des damaligen Bürgermeisters untersucht hat; zweitens, weil ihre Eltern in den 50ern geheiratet haben: „Ihr Haushalt ist heute noch ein Relikt aus der Zeit.“

So sieht eine Musicbox aus den 50er-Jahren aus, mit Plattenwechsler: Für die Ausstellung hat Grammofon-Sammler Rolf Geigle aus Bad Urach (links) sie nach Gomaringen gebracht.

Hunger auf Rock’n’Roll
Die Musicbox aus den 50er-Jahren - mit Plattenwechsler.

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22.05.2010, 12:00 Uhr

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