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Mit Engelszungen

IG Metall diskutiert klammheimlich

Die IG Metall stellt sich derzeit für die neue Tarifrunde auf. Am Mittwochabend haben die Delegierten der Reutlinger und Tübinger Verwaltungsstelle in der Rommelsbacher Wittumhalle eine Resolution zu ihrer Tarifforderung verabschieden, die dann in die Position der Gewerkschaft einfließen wird.

07.11.2014
  • Matthias Reichert

Wie die Reutlinger Forderung aussieht, wie die Rommelsbacher Debatte verlief und wie die Stimmung an der Basis über die Tarif-Vorschläge der Gewerkschaftsspitze ist, darüber hätten wir gerne berichtet. Hätten. Denn die Presse wurde vor Beginn der Versammlung (zu der die Medien eingeladen waren) vom Zweiten Bevollmächtigten Ernst Blinzinger freundlich hinauskomplimentiert. Wir wurden gebeten, nicht über die Debatte und die Resolution zu berichten. Und zwar auf Wunsch der Stuttgarter Bezirksleitung, so Blinzinger. Er ist designierter Nachfolger des scheidenden Ersten Bevollmächtigten Gert Bauer (wir berichteten).

Die Gewerkschaft habe schlechte Erfahrungen gemacht – das letzte Mal habe es in den Medien geheißen, die IG Metall sei uneins, erklärte Blinzinger. Öffentlichkeitsmann Michael Bidmon präzisiert: „Da sind einzelne Zahlen durch die ganze Republik gegeistert.“ Dieses Jahr wurden die Tarifforderungen der Verwaltungsstellen deshalb nichtöffentlich festgelegt. Am heutigen Freitag werden sie von der bundesweiten Tarifkommission diskutiert, die sich dann auf eine einheitliche Zahl festlegt. „Die Einladungen an die Presse hätten nie rausgehen dürfen“, sagte Bidmon, der vorher im Urlaub war, gestern. Aber warum eigentlich? Einerseits ist die IG Metall auf Öffentlichkeit angewiesen – wenn Betriebe Mitarbeiter entlassen, wenn Schließungen drohen, sind Schlagzeilen willkommen. Andererseits will sich die Gewerkschaft nun möglichst nichtöffentlich auf ihre Tarifpositionen verständigen. Als ob es nicht von Belang wäre, wie diese an der Basis diskutiert werden.

Das zeugt von einem seltsamen Demokratieverständnis der Stuttgarter Gewerkschaftsspitze um den neuen Landeschef Roman Zitzelsberger. Zwar hat man nichts dagegen, wenn über qualitative Tarifforderungen wie eine neue Alters- und Bildungsteilzeit berichtet wird. Diese hatte die Gewerkschaft aus einer Mitgliederbefragung gewonnen – vor allem Nachwuchsleute drängten auf die Bildungsteilzeit. Aber was die örtlichen Delegierten dazu zu sagen haben, darüber soll nun bitte nicht geschrieben werden.

Eine Gewerkschaft lebt von unterschiedlichen Positionen. Die sind von öffentlichem Interesse. Zur Demokratie gehören Debatten – und diese Debatten braucht gerade eine starke, derzeit kraftstrotzende Gewerkschaft wie die IG Metall mit ihren 420 000 Mitgliedern im Südwesten nicht zu verheimlichen.

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07.11.2014, 12:00 Uhr

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