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Betriebsräte als Rückgrat

IG Metall wählt neue Spitze / Stehende Ovation für Gert Bauer

Die IG Metall Reutlingen-Tübingen hat am Mittwochabend in der Rommelsbacher Wittumhalle mit klaren Mehrheiten ihre neue Spitze gewählt – und den bisherigen Chef Gert Bauer in den Ruhestand verabschiedet.

10.12.2014
  • mre

Reutlingen. Ernst Blinzinger, 62, ist neuer Erster Bevollmächtigter der IG Metall. Er erhielt 90 von 104 Stimmen – zwei Delegierte kreuzten Nein an, zwölf enthielten sich. Seine Nachfolgerin und damit neue Zweite Bevollmächtigte wird Tanja Silvana Grzesch. Die 41-Jährige erhielt 92 von 103 Stimmen und wird auch Kassiererin. Wir haben das neue Spitzenduo bereits vorgestellt.

Im Mittelpunkt stand die bewegende Abschiedsrede von Gert Bauer, der nach 30 Jahren bei der Gewerkschaft, davon 15 Jahre an der Spitze, zum Jahresende in den Ruhestand geht. Am Ende erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen. Bauer blickte auf Arbeitskämpfe von Kion bis Wafios zurück: „Kämpfe können auch zu Niederlagen führen. Aber Kämpfe müssen stattfinden.“

Die Arbeit in den Betrieben sei die Grundlage für den Reichtum der Reichen. Und diese Arbeit sei das einzige, was in dieser Gesellschaft Werte schaffe, sagte Bauer. „Wir müssen klar bleiben und dem Populismus nicht nachgeben“, wandte er sich gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.

Die Rolle der Betriebsräte sei in den 70ern und 80ern einfacher gewesen. Damals habe man alle Instrumente genutzt, um möglichst viel für die Arbeiter herauszuholen. Heute stünden stärker Beschäftigungs- und Arbeitsplatzsicherung im Fokus. „Unsere Stärke liegt in der Verankerung im Betrieb“, sagte der 65-Jährige. Die Betriebsräte seien das Rückgrat der IG Metall. Er rief zur Einigkeit auf: „Alles, was die Menschen heute haben, haben sie den Gewerkschaften zu verdanken. Je stärker wir sind, desto eher können wir Einfluss auf die Politik nehmen“.

Mit bisher 740 Neueintritten hat die regionale IG Metall dieses Jahr erstmals wieder an Mitgliedern zugelegt. Die aktuelle Tarifrunde kommentierte Ernst Blinzinger. „Der Wolf ist ein schlauer Fuchs im Schafspelz“, sagte er zu den Äußerungen des Arbeitgeberchefs Stefan Wolf vom Vortag. Eine neue Altersteilzeit sei „eine Verhandlungsnotwendigkeit“. Blinzinger forderte Mitbestimmung der Betriebsräte, wer gehen dürfe und welche Arbeitsplätze besonders belastet seien.

Auch bei der geforderten Bildungsteilzeit wollten die Arbeitgeber aber „nach Gutsherrenart entscheiden“, sagte der neue IG-Metall-Chef. Zudem polemisierten die Unternehmer und schürten Ängste um die Arbeitsplätze. „So nicht, so nicht mit uns.“ Sein Argument: Eigentlich müssten auch die Arbeitgeber an gut ausgebildeten Fachkräften interessiert sein. 5,5 Prozent Lohnerhöhung seien ebenfalls eine berechtigte Forderung. „Wenn wir das wirklich wollen, kriegen wir das auch hin.“

IG Metall wählt neue Spitze / Stehende Ovation für Gert Bauer
Abschied und Neuanfang mit Blumen: Ernst Blinzinger, Tanja Silvana Grzesch und Gert Bauer (von links). Bild: Haas

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10.12.2014, 12:00 Uhr

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