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Gewerkschaft warnt vor Arbeitsplatzverlust

IG Metall warnt vor zu schnellem Umstieg auf E-Autos

Bei einem raschen Aus für Benzinmotoren stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Verbände wollen mit einem Zukunftsplan gegensteuern.

23.11.2016
  • DIETER KELLER

Hunderttausende von Beschäftigten in der Automobilindustrie drohen ihre Arbeit zu verlieren, wenn der Übergang von Benzin- und Dieselmotoren zum Elektroantrieb zu schnell und ungeplant verläuft, befürchtet der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Metall, Jörg Hofmann. Daher hat die größte deutsche Gewerkschaft zusammen mit den Betriebsräten der Branche ein eigenes Zukunftskonzept entwickelt. „Wir wollen nicht abwarten, bis die Politik neue Regulationsziele vorgibt“, nennt Hofmann als Motivation. Die Klimapolitik müsse für die Mitarbeiter sozialverträglich gestaltet werden.

Das Schreckensbild ist die Forderung der Grünen, ab 2030 Neuwagen mit Verbrennungsmotor zu verbieten. Hofmann hält das gleich aus drei Gründen für unrealistisch: Es scheitere an den Kunden, die nicht so viele Elektroautos kauften, und an der fehlenden Infrastruktur, also Schnellladestationen und der erforderlichen Stromversorgung. Zudem könne die Autoindustrie die Umstellung nicht so schnell bewältigen, ohne dass es zu großen Verwerfungen bei ihren Beschäftigten komme.

Es geht um viel: Autohersteller und -zulieferer haben in Deutschland 880 000 Mitarbeiter. Davon beschäftigen sich allein 250 000 mit dem Antriebsstrang, also dem Verbrennungsmotor samt Kupplung und Getriebe. Ein Großteil von ihnen droht überflüssig zu werden, weil Elektroautos mit viel weniger Teilen auskommen. Für sie müssen mittel- bis langfristig neue Beschäftigungsmöglichkeiten gefunden werden.

Fünf Punkte umfasst der Vorschlag der IG Metall, damit die Branche insbesondere in Deutschland nach der VW-Dieselaffäre und unrealistischen Verbrauchswerten das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Politik zurückgewinnt. Die wichtigsten:

Gas geben bei Elektroautos: Bis 2030 könnte ihr Anteil an den Neuzulassungen 20 bis 30 Prozent erreichen. Die Hersteller sollen sich verpflichten, ab 2018 in allen Fahrzeugsegmenten auch ein solches Fahrzeug anzubieten und damit ein Jahr früher, als sie dies bisher planen.

CO2-Ausstoß der Verbrennungsmotoren um jährlich 1,5 Prozent verringern: Hofmann hält das für ein „anspruchsvolles Ziel“. 2020 sind im Schnitt der Flotten noch 95 Gramm pro Kilometer zulässig. Zehn Jahre später könnten es 72 Gramm sein – oder gar 50 Gramm, wenn eine doppelt so starke Verminderung realisiert wird.

Verschärfte Abgasgrenzwerte: Die Industrie soll die Diskussionen offensiv statt defensiv führen, um das Vertrauen von Öffentlichkeit und Politik zurückzugewinnen.

„Unser Ziel ist es, die Zahl der Arbeitsplätze gleich zu halten“, sagt der Chef des Daimler-Gesamtbetriebsrats, Michael Brecht. Das ist nicht einfach: Allein beim Stuttgarter Konzern hängen 30 000 Stellen am Antriebsstrang. „Umbrüche zu bewältigen sind wir gewohnt.“ Wenn es gelinge, die Wertschöpfungsmöglichkeiten rund ums Auto zu nutzen, müsse die Beschäftigung langfristig nicht sinken.

Die Zulieferer kämpfen mit den gleichen Problemen. Bei Bosch etwa hängen 25 000 Arbeitsplätze am Verbrennungsmotor. Die Schwierigkeiten verschärfen sich, weil die Autobauer verstärkt Aktivitäten zu sich zurückholen, für Zulieferer also weniger übrig bleibt, berichtet der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch, Hartwig Geisel.

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23.11.2016, 00:30 Uhr

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