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Gewerkschaften

IG Metall will mehr Souveränität bei der Arbeitszeit

In der nächsten Tarifrunde der Metallindustrie soll es nicht nur ums Geld gehen.

26.01.2017
  • DIETER KELLER

Berlin. In der nächsten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall nicht nur eine Lohnerhöhung fordern, sondern auch über die Arbeitszeit verhandeln – „wenn die konjunkturelle Lage es erlaubt“, gab sich Gewerkschafts-Chef Jörg Hofmann in Berlin vorsichtig. Dabei hat er allerdings keine generelle Verkürzung der 35-Stunden-Woche im Auge, sondern mehr Selbstbestimmung der Arbeitnehmer über ihre Arbeitszeit: „Wir wollen nicht hinnehmen, dass Flexibilität immer nur zu Lasten der Arbeitnehmer geht.“

Hofmann will nicht weniger Regeln, wie es die Arbeitgeber fordern, sondern neue. So stört es ihn, dass in vielen Betrieben geleistete Arbeit ohne Vergütung verfällt. Zudem benötige die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben neue Regeln. Nur in jedem zehnten Betrieb gebe es sie, um Familie, Pflege und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die genauen Forderungen sollen nach einer groß angelegten Befragung von Beschäftigten festgelegt werden.

Der aktuelle Tarifvertrag läuft noch bis zum Jahresende. Am 1. April steigen die Gehälter um 2 Prozent, nachdem es bereits am 1. Juli 2016 einen Zuschlag von 2,8 Prozent gegeben hatte. Die neuen Verhandlungen starten erst Ende dieses Jahres. Mit Verweis auf die steigenden Unternehmensgewinne lehnte Hofmann die Forderung des Chefs von Südwestmetall, Stefan Wolf, nachdrücklich ab, der für die Arbeitgeber in Baden-Württemberg gefordert hatte, Lohnsteigerungen „für ein paar Jahre“ anzuhalten.

Auch an die Politik hat die IG Metall viele Wünsche: Angesichts der Digitalisierung will sie einen Anspruch auf berufliche Neuorientierung und Fortbildung während des ganzen Arbeitslebens. Zudem forderte Hofmann, die Befristung von Arbeitsverträgen ohne sachlichen Grund abzuschaffen: „Wir brauchen Vermittlung in gute Arbeit statt in Leiharbeits- und Befristungsketten.“ Bei der Arbeitsmarktpolitik müsse der Erhalt beruflicher Qualifikationen im Mittelpunkt stehen.

Zahl der Mitglieder stabil

„Die IG Metall geht stark und voller Kraft in dieses wichtige Jahr“, sagte Hofmann angesichts der Mitgliederentwicklung: 2016 gelang es, die Zahl von 2,27 Millionen zu halten. Besonders stolz ist er über Zugewinne unter den jungen Arbeitnehmern, den Auszubildenden und den Frauen. Zudem hat jedes fünfte Mitglied einen Migrationshintergrund. Auch finanziell steht die IG Metall gut da: Die Mitgliedseinnahmen stiegen um fast 3 Prozent auf 548 Mio. EUR. Daher konnte sie ihre Rücklagen – insbesondere für Streiks – um 82 Mio. EUR aufstocken. Wie gut die Streikkasse der größten deutschen Gewerkschaft gefüllt ist, ließ Hauptkassierer Jürgen Kerner offen. Dieter Keller

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26.01.2017, 06:00 Uhr

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