„InPark“ bietet Firmen Perspektiven

IKG Sulz-Vöhringen eröffnet / Bertha-Benz-Straßenschild enthüllt / Dachdecker Herbst siedelt sich al

Ein Meilenstein für die künftige gewerbliche Entwicklung der beiden Kommunen Sulz und Vöhringen wurde am Freitag erreicht: Im Beisein von etwa 120 Gästen eröffneten die Bürgermeister Gerd Hieber aus Sulz und Stefan Hammer aus Vöhringen das Interkommunale Gewerbegebiet (IKG) „InPark A81“ Sulz-Vöhringen.

24.09.2016

Von cristina priotto

Sulz/Vöhringen. Die Zeichen standen am gestrigen Freitag ganz auf Grün beziehungsweise auf Grün-Weiß: Fahnen, Luftballons, Deko und sogar Teile des Buffets waren in den „InPark“-Farben gehalten. Rund 120 Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie die Planer und die beteiligten Firmen waren der Einladung zur Eröffnung gefolgt.

Zunächst enthüllten die Bürgermeister der beiden beteiligten Kommunen, Gerd Hieber aus Sulz und sein Vöhringer Amtskollege Stefan Hammer, gemeinsam mit Landrat Wolf-Rüdiger das erste Straßenschild: Die Zufahrtsstraße zum IKG ist nach Bertha Benz benannt, der Frau, die 1888 die erste Fernfahrt mit dem von ihrem Mann Carl entwickelten Benzinmotorwagen von Mannheim nach Pforzheim unternahm. Die Namenswahl sage etwas über das Gebiet aus, denn Benz sei ein Tüftler gewesen und passe somit zum „InPark“-Motto „Für Tüftler und Weltfirmen“, sagte Hieber. Eine weitere Persönlichkeit der industriellen Geschichte, Karl Drais, Erfinder der Draisine, steht Pate für die zweite Straße.

Der zweite große Schritt war das gemeinsame Durchschneiden eines zauneidechsengrünen Bands zur Freigabe der Bertha-Benz-Straße durch 20 der Wegbereiter aus Stadtverwaltungen, Gemeinderäten, Zweckverband, Planern und ausführenden Firmen.

In seiner Ansprache sagte Hieber, mit der Eröffnung werde besonders deutlich, welch gute Entwicklungschancen und Zukunftsperspektiven es für Menschen in der Region gebe. Das Interkommunale Gewerbegebiet Sulz-Vöhringen mit einer Gesamtfläche von 350000 Quaratmetern wird in drei Bauabschnitten erschlossen: Der erste war pünktlich zur Eröffnung fertig, der zweite startet 2017, der dritte wird je nach Bedarf entwickelt. Der Sulzer Bürgermeister ließ nochmals die Geschichte des IKG Revue passieren, von der ersten Idee zur interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Sulz und Vöhringen im Jahr 2001 über die Wiederaufnahme der Gespräche 2007 und die Gründung des Zweckverbands 2012 bis zum Spatenstich im September vergangenen Jahres. Der Wert, den beide Kommunen der wirtschaftlichen Entwicklung beimessen, lässt sich auch in Zahlen deutlich beziffern: 5,7 Millionen Euro wurden bislang in Grunderwerb und die Erschließung investiert. „Es war nicht immer einfach, optimistisch zu bleiben, aber wir haben durchgehalten“, blickte Gerd Hieber auf so manche unerwartete Hürde zurück. Die Bebauung wird bald starten: Mit fünf Unternehmen führe „InPark“-Wirtschaftsförderer Frank Börnard „sehr konkrete Gespräche zu einer Ansiedlung“, verriet der Sulzer Bürgermeister – um dann den Namen des Pioniers zu verraten: Jürgen Herbst, Dachdeckermeister aus Sigmarswangen, wird sich mit seinem Fünf-Mann-Handwerksbetrieb als Erster im IKG ansiedeln. Wie Herbst der Presse auf Nachfrage erklärte, waren mangelnder Platz sowie eine ungünstige Zufahrtslage am jetzigen Standort in Sigmarswangen dafür ausschlaggebend. Geht es nach dem 58-Jährigen, soll der Rohbau bereits diesen Winter erstellt werden.

Seitens des Landkreises Rottweil stellte Landrat Wolf-Rüdiger Michel erfreut fest: „Es ist immer wieder ein guter Tag, wenn ein Industriegebiet neu aufmacht, da der Kreis damit dem Druck nach Aus- und Neuansiedlungen nachgeben kann“. Der Landkreis Rottweil sei mit der zweithöchsten Industriedichte in Baden-Württemberg „ein Wirtschaftsstandort von Rang“. Michel begrüßte die Eröffnung als zukunftsweisenden Schritt und zeigte sich zuversichtlich, dass der „InPark“ schnell voll werde, weil das interkommunale Gewerbegebiet gute Voraussetzungen und Möglichkeiten biete, sich in die Zukunft zu entwickeln. Den über 30 Jahre alten Slogan „Sulz. Ja!“ erweiterte der Landrat zu „Sulz und Vöhringen. Ja!“.

Stefan Hammer, Bürgermeister von Vöhringen, wertete das gestrige Datum ebenfalls als „einen großen Tag für beide Kommunen“. Durch die Schaffung des IKG werde es gelingen, die Stagnation in der gewerblichen Entwicklung zu beenden. Hammer verschwieg nicht, dass angesichts früherer Zwiste zwischen der Neckarstadt und der Mühlbachtalgemeinde „eine so gute Zusammenarbeit zwischen Sulz und Vöhringen in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich“ gewesen sei. „Jetzt haben wir etwas erreicht, worauf wir gemeinsam stolz sein können“, stellte Stefan Hammer fest. Als Geschenk für Börnards Büro überreichte der Vöhringer Bürgermeister einen bepflanzten Broatschua.

Der IKG-Wirtschaftsförderer hielt einen kurzen Vortrag mit dem Titel „Von der Laufmaschine bis zum Foodtruck“. Darin ging der „InPark“-Vermarkter auf Karl Drais, Bertha Benz und Markus Bantleon ein. Die Auswirkungen der Erfindungen von visionären Männern wie Carl Drais und mutigen Frauen wie Bertha Benz seien bis heute sichtbar, stellte Frank Börnard fest. Im selben Atemzug nannte der Wirtschaftsförderer des „InParks“ Markus Bantleon, der mit dem Umbau eines alten Feuerwehrautos zu einem Foodtruck ebenfalls Mut bewiesen habe und als Visionär zum IKG-Slogan „Für Tüftler und Weltfirmen“ passe (die SÜDWEST PRESSE berichtete mehrfach). „Es muss nicht immer die hippe Großstadt sein. Es gibt genügend Argumente für Sulz, Vöhringen, das Obere Neckartal und unsere Region“, sagte Börnard und fügte hinzu: „Heute beginnt die Vorfreude darauf, dass neue Arbeitsplätze entstehen, neue Chancen und Potenziale. Dass heimische Unternehmen eine neue Bleibe finden und Visionäre neue Lösungen für die heutige Zeit entwickeln“. Damit sicherten beide beteiligten Kommunen in der Zukunft die Stärken, die die Region auszeichneten.

Das Autohaus Roth hatte einige Mercedes-Fahrzeuge ausgestellt, zudem konnten Interessierte nach dem offiziellen Teil das Buffet plündern, das Ultraleichtflugzeug von Fabian Hauser von der Sulzer Flugsportgruppe begutachten, Markus Bantleons Feuerwehr-Oldtimer inspizieren oder einen kurzen Spaziergang zum alten Ziegelei-Gelände unternehmen. Dort müssen zunächst die Zauneidechsen vergrämt werden, bevor die Familie Sülzle das Areal erschließen und mit „Re2area“ einen Umwelt- und Energiepark gründen kann.

Die Band „ELLA“ mit Sängerin Carina Zeller unterhielt zwischen den Grußworten und nach dem offiziellen Teil.

Trotz einer modernen Frau wie Bertha Benz als Namensgeberin der Zufahrt: Die Bewirtung blieb 2016 Frauensache.

Pionier: Jürgen Herbst siedelt sich als Erster mit seinem Dachdeckerbetrieb aus Sigmarswangen im IKG an.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel sowie die Bürgermeister Stefan Hammer (Vöhringen) und Gerd Hieber (Sulz, von links) enthüllen das Straßenschild.

Die Vergrämung der Zauneidechsen im zweiten „InPark“-Abschnitt ist in vollem Gang. Auf dem alten Ziegelei-Gelände entsteht ein Umwelt-und Energiepark.

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Erstellt:
24. September 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
24. September 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. September 2016, 01:00 Uhr

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