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Bilder aus dem Gedächtnis

ILOS lud zum Zeitspaziergang durch die Oststadt

Zum zweiten Mal bot sich in der Planie gestern die Möglichkeit zu einer durch die Stadtteil-Geschichte: die Bürgerinitiative für eine lebenswerte Oststadt (ILOS) lud zum Zeitspaziergang.

09.05.2011
  • katharina mayer

Reutlingen. An langen Leinen aufgefädelte Plakate machten die Geschichte der Oststadt für die Besucher buchstäblich begehbar. Geschichten und Geschichte, beides versuchen die ILOS-Organisatoren so vereinen, dass ein lebendiges Bild von Vergangenheit und Gegenwart der Oststadt entsteht.

Timeline, Zeitlinie, heißt das Konzept, nach dem die Macher vorgehen. Dabei werden historische Ereignisse und persönliche Geschichten miteinander verwoben. Aber nicht nur die Vergangenheit spielte beim Zeitspaziergang eine Rolle. Eine Mediashow mit Matthias Böning zeigte auch, was die Oststadt heute ausmacht, und die Reutlinger Autorin Sibylle Mulot las Auszüge aus ihren Werken. Kreisrätin und Mitinitiatorin Rosemarie Herrmann beschrieb bei der Eröffnung, wie die Idee, „Geschichte, Ereignisse und Menschen an einem Zeitstrahl abzubilden“ entstand. Vor gut zweieinhalb Jahren war das, am Rande des Neigschmeckt-Marktes.

Bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative stieß die Idee „ganz spontan auf Zustimmung“. 2009 konnten die Bewohner der Oststadt dann erstmalig durch die Geschichte ihres Stadtteils spazieren. Der Wunsch nach einer Wiederholung und Erweiterung der Ausstellung war da wohl schon präsent. Also haben die Macher in den vergangenen Monaten weiter fleißig Geschichten, Erinnerungen, Bilder und Halbvergessenes zusammengetragen.

Die Attraktivität eines alten Stadtteils zeigen

„Alltagsgeschichten, die Entwicklung von Firmen und Instituten“, sagt Rosemarie Herrmann, habe man finden wollen. „Lebendige Bilder eines Stadtteils aus dem Gedächtnis der Bürger.“ Mit einem klar gesetzten Ziel: Man wolle „die Attraktivität des Stadtteils deutlich machen“ und Identifikation stiften unter jenen, die ihn bewohnen.

Wilhelm Borth, dem ehemaligen Rektor des Isolde-Kurz-Gymnasiums, um das sich auch in der Ausstellung einige Geschichten ranken, gab eine kurze Einführung in die Ausstellung. „Sie haben“, wandte er sich an die ILOS-Aktivisten, „eine Erinnerungsbörse durchgeführt: Zeitzeugen aus Fleisch und Blut, aber auch aus Stein haben Sie zum Sprechen gebracht.“ Das sei „eine Form der Traditionspflege im Dienst der Gegenwart, so hat die Geschichte einen Sitz im Leben.“

Und das gilt auch andersherum. Der Schülerstreik von 1973 oder der Einmarsch der Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs findet sich in der Ausstellung ebenso wie ganz persönliche Anekdoten über Klavierstunden im Gartenhäuschen oder familiäre Ereignisse. Die Ausstellung biete nicht nur eine Chronologie seit 1820, anhand der persönlichen Geschichten der Bewohner würden „einmalige Facetten sichtbar.“

Das ehemalige Textilviertel, so Borth, sei „der wohl charakteristischste Stadtteil“ neben der Altstadt, die Ausstellung „identitätsstiftend“ und für die Bewohner durch den „Blick zurück und Blick voraus“ sicher „eine messbare Erhöhung des Wohlgefühls, gerade hier zu leben“.

Zu ihrer Arbeit gratulieren wollte er den ILOS-Leuten „ohne Wenn und Aber“. Und das auch als Mitglied des Reutlinger Geschichtsvereins. Die Dokumentation zeuge „von einem höchst aktuellen und respektablen Geschichtsverständnis.“ Wenn man vom fachhistorischen Standpunkt immer alle Bedenken berücksichtigt hätte, so Borth, dann hätte man „so ein vielseitiges Panoptikum“ nie zustande gebracht.

Werner Wunderlich, selbst in der Oststadt aufgewachsen, führte am Sonntag gleich mehrfach durch die Ausstellung. Geschichten und Geschichte, das wurde schnell klar, waren nicht nur an der Timeline verankert, sondern vor allem im Gedächtnis derer, die schon lange in der Oststadt leben, deren Familiengeschichte sich hier über Generationen untrennbar mit dem Ort verbunden hat.

„So ein bisschen Spannungsgelände“ sei die Oststadt ja immer gewesen, sagt Wunderlich. Sie lag ja schließlich außerhalb der Mauern der freien Reichsstadt Reutlingen und geriet dann doch ab und an in die Spannungen zwischen Württembergern und Stadt.

Beim Zeitspaziergang selbst war von Spannungen rein gar nichts zu spüren. Die Oststadt-Bewohner/innen nutzten den sonnigen Tag als das, was er war: eine Möglichkeit, sich auszutauschen über Geschichte und Persönliches, Vergangenheit und Zukunft.

Info

Der Gesamtkatalog zur Ausstellung kann für 27 Euro bei ILOS erworben werden. Ansprechpartner ist Rüdiger Weckmann, Tel. 07121-44792.

ILOS lud zum Zeitspaziergang durch die Oststadt
Bilder und Geschichten der Oststadt animierten die Bewohner/innen gestern zu einem Zeitspaziergang durch die Stadtteil-Geschichte.Bild: Haas

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09.05.2011, 12:00 Uhr

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