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Syrien-Krieg strahlt aus

IS bekennt sich zu Anschlag im Libanon - Konferenz in Wien

Der Bombenanschlag in Beirut war offenbar ein Werk des IS. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien greift die Gewalt immer wieder auf das kleine Nachbarland Libanon über. Die Bevölkerung dort ist gespalten.

14.11.2015
  • MARTIN GEHLEN

Beirut Die schmale Einkaufsstraße im Süden Beiruts ist übersäht mit Glassplittern und Mauerbrocken. Sie zeugen von dem mörderischen Anschlag vom Donnerstagabend, der bislang 44 Menschen das Leben gekostet und 239 teilweise lebensgefährlich verletzt hat. Fast alle Opfer sind Schiiten, die nach dem Abendgebet aus der Moschee drängten, als die zwei Bomben explodierten.

Viele hier im Viertel Bourj al-Barajneh sind Anhänger der Hisbollah. Libanons Premier Tammam Salam rief für Freitag Staatstrauer aus und bestellte das gesamte Kabinett plus Militärführung zu einer Krisensitzung ein. "Dieses barbarische Verbrechen zielt nicht nur auf ein Gebiet oder ein Glaubensgruppe, es zielt auf den gesamten Libanon", sagte er. Hospitäler riefen über Rundfunk zu Blutspenden auf. "Nicht hinnehmbar" titelte Libanons Zeitung "L'Orient Le Jour". Das Blatt "Al-Diyyar" druckte in großer Aufmachung Fotos von Torsos der Attentäter. Die Hisbollah-nahe Zeitung "Al-Akhbar" schwor allen Feinden einen langen Krieg.

Stunden nach dem Massaker bekannte sich der "Islamische Staat" im Internet zu dem Anschlag. Nach ersten Ermittlungen sprengten sich zwei IS-Attentäter, die 48 Stunden zuvor aus Syrien eingereist waren, in der Menge in die Luft. Ein dritter Terrorist starb offenbar bei der Explosion, ohne seine Ladung zünden zu können. Ein vierter ließ sich ohne Widerstand festnehmen.

Der Anschlag zeigt, dass die Gewalt in Syrien auch den Libanon in einen Bürgerkrieg stürzen könnte. Einen solchen hat das Land schon von 1975 bis 1990 erlitten. Unter den Sunniten des kleinen Mittelmeeranrainers gibt es viele radikale Gegner des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Dagegen kämpft die schiitische Hisbollah zusammen mit Revolutionären Garden aus dem Iran und russischen Kampffliegern an der Seite des alawitischen Diktators.

Am Wochenende finden zum zweiten Mal seit Beginn der russischen Luftoffensive in Syrien internationale Gespräche in Wien statt. Die Diplomaten wollen eine politische Lösung für den Bürgerkrieg finden, der bisher mindestens 250 000 Menschen das Leben gekostet und die Hälfte der syrischen Bevölkerung zu Flüchtlingen gemacht hat. Mehr als eine Million Syrer haben im Libanon Zuflucht gesucht, Regimegegner wie -anhänger.

Der Syrien-Krieg strahlt immer wieder auf den Libanon aus. Die meisten Kämpfe und Gewalttaten finden zwar in der Grenzregion zu Syrien statt. Seit zwei Jahren jedoch wird auch die libanesische Hauptstadt immer öfter Ziel von Anschlägen. 2013 gab es vier mit insgesamt 54 Toten, 2014 starben 18 Menschen bei fünf Explosionen.

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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