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Vor neuer Troika-Mission Streit über Schuldenerleichterungen

IWF macht Druck auf Merkel

Ein Telefongespräch zeigt den Zwist zwischen IWF und Kanzlerin Merkel in der Griechenlandkrise. Gestritten wird über einen Schuldenerlass.

04.04.2016
  • AFP

Athen. Kurz vor der neuen Troika-Mission in Athen hat ein durchgesickertes Protokoll einen Streit zwischen Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU bei der Griechenland-Rettung offenbart. In der von der Enthüllungsplattform Wikileaks ins Netz gestellten Telefonmitschrift überlegen IWF-Europachef Poul Thomsen und die Griechenland-Beauftragte Delia Velculescu, wie sie Berlin zum Schuldenverzicht und Athen zu härteren Reformen zwingen können. Griechenland reagierte alarmiert.

Heute werden Vertreter der sogenannten Troika aus IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) in Athen erwartet, um die Umsetzung des im Sommer vereinbarten, 84 Milliarden Euro schweren dritten Rettungspaketes zu überprüfen. Der IWF beteiligt sich bislang nicht an der Finanzierung, weil er an der Schuldentragfähigkeit Athens zweifelt.

In der enthüllten Telefonkonferenz vom 19. März erwägt IWF-Europachef Thomsen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Druck zu setzen: "Wir sagen: Sehen Sie, Frau Merkel, Sie stehen vor der Frage ... was teurer ist: Ohne den IWF weitermachen - würde der Bundestag akzeptieren, dass der IWF nicht an Bord ist? Oder die Schuldenerleichterung wählen, von der wir denken, dass Griechenland sie braucht, um uns an Bord zu halten? " Einen Schuldenerlass hat Berlin bislang kategorisch abgelehnt.

Thomsen beklagt, Athen habe sich bislang nur bei akuter Pleitegefahr auf Sparvorgaben eingelassen: "In der Vergangenheit gab es nur ein Mal, bei dem die Entscheidung gemacht wurde; das war, als ihnen ernsthaft das Geld ausging und sie vor dem Zahlungsausfall standen." Thomsen und Velculescu erwarten eine Hängepartie bis nach dem "Brexit"-Referendum in Großbritannien im Juni. Danach könnte es zum Showdown kommen.

Die Regierung in Athen reagierte mit einem Dringlichkeitstreffen. "Die griechische Regierung fordert Erklärungen vom IWF, ob es die offizielle Position des Fonds ist, kurz vor dem britischen Referendum Pleite-Bedingungen in Griechenland zu schaffen", sagte Regierungssprecherin Olga Gerovassili.

Der Fonds wollte die Enthüllungen nicht kommentieren. Doch bekräftigte er die Forderung nach Reformen Athens und nach Schuldenerleichterungen seitens der EU.

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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