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„Ich bin
nicht
traurig“
Sendeschluss am Bodensee: Eva Mattes ist das letzte Mal als Klara Blum im „Tatort“ zu sehen. Foto: dpa Foto: dpa
?Tatort?

„Ich bin nicht traurig“

Eva Mattes hat 14 Jahre lang als Kommissarin Klara Blum am Bodensee ermittelt. Morgen läuft die letzte Folge.

03.12.2016
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Konstanz. Seit 2002 geht sie im „Tatort“ aus Konstanz auf Mörderjagd, doch jetzt ist Schluss: Der SWR stellt die Bodensee-Krimis ein. Stattdessen wird demnächst ein Schwarzwald-„Tatort“ gesendet. Harald Schmidt, Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau ermitteln in und um Freiburg. „Wofür es sich zu leben lohnt“ heißt der 31. und letzte Bodensee-„Tatort“, in dem es die Konstanzer Kommissare Klara Blum und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) mit zwei rätselhaften Mordfällen zu tun bekommen. Die Spur führt zu drei merkwürdigen Frauen, die von Hanna Schygulla, Margit Carstensen und Irm Hermann verkörpert werden – ebenso wie Eva Mattes drei frühere Fassbinder-Schauspielerinnen.

Sind Sie traurig, weil Schluss ist?

Eva Mattes: Als ich diesen wundervollen letzten „Tatort“ kürzlich bei den Hofer Filmtagen auf der Kinoleinwand sah, da habe ich schon einen kleinen Abschiedsschmerz gespürt. Aber eigentlich bin ich nicht traurig, denn es war mein eigener Wunsch, aufzuhören. Für mich ist das Ganze eine abgeschlossene, runde Sache. Der Sender wollte auch aufhören, aber das wussten wir voneinander nicht, die Entscheidung hat jeder still für sich getroffen.

Was werden Sie an der Region vermissen?

Den Bodensee, das Wasser, diese Weite da unten. Wenn ich aus dem Hotelzimmer sah, den See direkt zu meinen Füßen, und dann die Schweizer Berge im Hintergrund, das mochte ich sehr.

Haben Sie es in all den Jahren jemals bereut, „Tatort“-Kommissarin geworden zu sein?

Nein, das habe ich nie bereut. Klar, ich musste mich erst daran gewöhnen, dass ich in der Öffentlichkeit viel öfter erkannt werde als zuvor, dass die Leute auf mich zukommen und mich ansprechen. Aber ich fühle mich nicht belästigt, es bringt mir ja auch viel. Ich trete mit meinen musikalisch-literarischen Abenden überall in Deutschland auf, und da macht es sich sehr bemerkbar, dass ich den „Tatort“ gedreht habe. Die Säle sind voll, weil die Leute mich aus dem Fernsehen kennen und auch auf der Bühne sehen wollen. Das ist ganz wunderbar.

Wieso sagt Klara Blums Kollege Kai Perlmann, gespielt von Sebastian Bezzel, eigentlich Sie zu ihr, während sie ihn duzt?

Das müssen Sie eigentlich ihn fragen. Aber achten Sie aufs Finale des letzten Falls. Da sagt er in einer sehr dramatischen Szene: „Klara.“

Der letzte Konstanzer „Tatort“ ist ein Treffen der Fassbinder-Schauspielerinnen, neben Ihnen spielen in Gastrollen Hanna Schygulla, Margit Carstensen und Irm Hermann mit. Hatten Sie schon mal mit den drei Kolleginnen gedreht?

Da muss ich kurz überlegen – ja, doch. In „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Das war mein erster Film mit Rainer Werner Fassbinder. Wir Fassbinder-Musen freuen uns immer, wenn wir uns sehen. Eine Zeitlang war ich mit Irm ein bisschen befreundet, sie hat Kinder gekriegt, ich habe meine Tochter gekriegt, da habe ich sie öfter besucht. Und wenn Hanna Schygulla in Berlin ist, sehe ich sie auch regelmäßig.

Was machen Sie nach der Ära als Tatort-Kommissarin?

Eigentlich rändert sich für mich gar nicht so viel, weil ich ja auch während der „Tatort“-Zeit weiterhin Theater gespielt habe, meine Hörbücher gesprochen habe und mit meinen Liederabenden durchs Land gefahren bin. Ich drehe einige Filme der ZDF-Reihe „Lena Lorenz“ in den Bergen. Dort ist es landschaftlich auch sehr schön. Und ich darf Bayerisch reden, das macht mir Spaß. Der Rest wird sich zeigen, also ob sich andere Rollen fürs Fernsehen ergeben.

Sie sollen ja einst Katja Riemann und Ulrich Noethen gefragt haben, ob Sie das „Tatort“-Angebot annehmen sollen . . .

Das stimmt. Ich war immer sehr scheu, ich habe Fernsehen fast gemieden, denn früher war es so: Wenn man Fernsehen gemacht hat, konnte man keine Kinofilme mehr drehen, die Regisseure haben gesagt: „Du darfst Dich nicht so verbrauchen, man darf Dein Gesicht nicht so oft sehen.“ Ich wollte von meinen Kollegen, mit denen ich damals gerade drehte, einfach wissen, wie sie das finden. Beide haben einhellig gesagt, dass sie das an meiner Stelle sofort machen würden.

Und wie ist Ihr Verhältnis zum Fernsehen heute?

Generell hat sich die Einstellung dazu in der Branche geändert, das Fernsehen hat einen anderen Stellenwert erhalten, es laufen ja auch sehr gute Filme – dann und wann. Einen Fernseher habe ich aber nicht mehr. Ich habe meinen alten Kasten entsorgt und hatte weder Zeit noch Muße, mir einen neuen zu kaufen. Ich bin viel in Hotels und habe da immer einen Kasten vor dem Bett stehen. Zu Hause nutze ich das Internet oder Mediatheken.

Sendetermin: „Tatort: Wofür es sich zu leben lohnt“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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03.12.2016, 06:00 Uhr

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