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"Ich dachte, ich werde verkloppt"
Dennis Friedrich bekommt von Trainer Frank Schmidt (Zweiter v. l.) und den Spielern des 1. FC Heidenheim ein Kaiserslauterer Trikot überreicht. Foto: Oliver Friedrich
Wie Fußball-Zweitligist 1. FC Heidenheim den schwer kranken Kaiserslautern-Fan Dennis Friedrich glücklich machte

"Ich dachte, ich werde verkloppt"

Der Illertisser Dennis Friedrich ist schwer krank - und doch voller Lebensfreude. Die Fußballer von Zweitligist Heidenheim haben bei dem bekennenden Kaiserslautern-Fan einen emotionalen Volltreffer gelandet.

23.04.2016
  • DETLEF GRONINGER

Heidenheim. Fußball ist die große Leidenschaft von Dennis Friedrich, der an der seltenen Krankheit Langerhans-Zell-Histiozytose (siehe Infokasten) leidet. Seine Mutter Andrea macht kein Geheimnis daraus, wer im Hause Friedrich das Zepter in der Hand hält: "Dennis ist unser König, wir sind seine Untertanen. Wir richten uns nach dem Fußballplan von Dennis." So wird das gemeinsame Mittagessen am Wochenende beispielsweise immer rechtzeitig vor den jeweiligen Live-Übertragungen bei Sky eingenommen.

Dennis fiebert besonders bei den Spielen des 1. FC Kaiserslautern mit. Vor elf Jahren hat der Fußballanhänger aus Illertissen eine Partie der Pfälzer im Fernseher verfolgt. Seitdem ist er Feuer und Flamme für die "Roten Teufel". "Ich kenne jeden Spieler der Mannschaft", sagt Dennis. Er ist auch Stammgast bei den Spielen seines Bruders Timo, der bei der SpVgg Au in der Kreisliga A (Bezirk Donau-Iller) kickt.

Dennis Leidenschaft für den FCK war für Peter Lotz der ideale Anlass, seine Kontakte zu Frank Schmidt, dem Trainer des 1. FC Heidenheim, spielen zu lassen. Lotz betreibt mit seinen beiden Hunden, Retrievern, eine tiergestützte Behindertenbetreuung. Ein Mal pro Woche ist er mit Dennis und den Hunden unterwegs. "Wir wollen ihm, so gut es geht, ein normales Leben ermöglichen", sagt Lotz. Es lag auf der Hand, dass der Betreuer an Heidenheims Trainer dachte, den er seit dem gemeinsamen Aufenthalt im Ulmer RKU-Krankenhaus vor 25 Jahren kennt und schätzt. Schmidt, damals Spieler in der A-Jugend des SSV Ulm 1846, hatte sich einen Kreuzbandriss zugezogen, Lotz war dort nach einem Autounfall. Sie lagen im selben Zimmer.

Den beiden Freunden war es eine Herzensangelegenheit, einen großen Tag für Dennis Friedrich, der in der Lebenshilfe Senden arbeitet, zu arrangieren. "Es war keine Frage für uns, dass wir Dennis einen Wunsch erfüllen würden", sagt Schmidt. "Wir sind ein bodenständiger Verein, der auch über den Tellerrand des Fußballs hinausschaut."

Also chauffierte Lotz den FCK-Fan Dennis und dessen Vater Oliver, der eingeweiht worden war, zu einem Training der Heidenheimer auf die Ostalb. Erst fünfhundert Meter vor dem Klubgelände wurde Dennis bewusst, wohin die Reise geht. Weil die Radkappen seines Rollstuhls mit dem Vereinsemblem der Lauterer verziert sind, hatte er zunächst Bammel. "Ich dachte ich werde verkloppt", erzählt Dennis mit breitem Grinsen.

Doch als er auf den Platz geschoben wurde, merkte Dennis sofort, dass er als Ehrengast herzlich willkommen war. Schmidt unterbrach das Training, die ganze Heidenheimer Mannschaft versammelte sich um den spürbar beeindruckten jungen Mann. "Ich finde es faszinierend, wie Dennis empfangen wurde", schwärmt Vater Friedrich.

Der eigentliche Höhepunkt sollte aber erst noch folgen. Thomas Rohmer, der Mannschaftskoordinator des Zweitligisten, hatte von dem vorausgegangenen Auswärtsspiel der Heidenheimer in Kaiserslautern ein höchst attraktives Geschenk mitgebracht: das Originaltrikot des FCK, das der Spieler Patrick Ziegler in der Partie gegen den FCH getragen hatte. Dennis Augen strahlten, als er das Trikot von Schmidt überreicht bekam. "Der ganze Tag war bombig", sagt Dennis. "Jetzt bin ich auch noch Heidenheim-Fan, das ist jetzt mein zweiter Verein."

Für Schmidt zählt diese emotionale Pointe doppelt. "Wir haben uns darüber gefreut, dass wir Dennis bei seinem Besuch in Heidenheim eine sehr große Freude bereiten konnten", sagt der Trainer. "Schön, dass er jetzt auch für uns die Daumen drückt." Die Einladung für das nächste Gastspiel der Lauterer in Heidenheim in der kommenden Saison haben die Kicker von der Ostalb ihrem neuen Anhänger bereits ausgesprochen.

Die Krankheit und ihre Symptome

Zerstörte Zellen Die Langerhans-Zell-Histiozytose ist eine krebsartige Erkrankung, bei der es zu einer krankhaften Vermehrung der Histiozyten – das sind spezielle weiße Blutkörperchen – kommt. Körpereigene Fresszellen (Phagozyten) greifen gesunde Zellen an und zerstören sie. Bei Dennis Friedrich wurde die Krankheit, die auch Organe und Knochen befällt, im Alter von drei Jahren festgestellt. Sie sorgte dafür, dass die Hypophyse, die im Gehirn für die Ausschüttung der Wachstumshormone zuständig ist, schrumpfte. Friedrich wuchs nicht wie seine Altersgenossen. Seine Beweglichkeit ist nun stark eingeschränkt, er ist auf Rollator und Rollstuhl angewiesen. Heilbar ist diese Krankheit bislang nicht, nur die Symptome können behandelt werden. Bei Friedrich hatte eine Chemotherapie vermutlich sogar eine Verschlechterung des Gesundheitszustands herbeigeführt. Sein Immunsystem war schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Lebenserwartung bei dieser Krankheit kann nicht genau bestimmt werden.

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23.04.2016, 06:00 Uhr

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