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"Ich hab s gern melodisch"
Barbara Schöneberger moderiert heute die Echo-Verleihung

"Ich hab s gern melodisch"

Vielleicht trägt sie heute Abend keine High Heels, aber das wirft diesen Vollprofi nicht um: Trotz eines Bänderrisses wird Barbara Schöneberger heute Abend die Verleihung des Musikpreises Echo moderieren.

07.04.2016
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Frau Schöneberger, Sie moderieren die Verleihung des Echo, der als wichtigster deutscher Musikpreis gilt. Was läuft bei Ihnen im Autoradio?

BARBARA SCHÖNEBERGER: Ich hab s gern melodisch und auch gerne klassisch, und ich mag Sachen, bei denen ich mitsingen kann. Wenn Musik aus den 80er Jahren läuft, als ich jung war, dann freue ich mich. Ich weiß noch, dass ich meine Eltern früher manchmal gefragt habe: "Mein Gott, warum hört ihr denn so lahme Sender?" Meine Mutter sagte dann: "Weil da die Musik kommt, die ich kenne." So geht es mir heute auch - mit den Sachen von früher verbindet man doch am meisten.

Der Echo wurde erstmals 1992 vergeben, zur Blütezeit von Musiksendern wie MTV. Waren Sie ein typisches Kind der MTV-Generation?

SCHÖNEBERGER: Dazu war bei uns daheim Fernsehen zu reglementiert, ich glaube wir hatten bis Ende der 90er nur fünf Programme. Aber wenn ich bei Leuten war, die MTV empfangen konnten, saß ich davor, und es war wie eine Offenbarung. Diese tollen Videos und Trailer - das war die Zukunft, das war cool. Als 1993 Viva gegründet wurde, bin ich mal zu einem Casting gegangen, habe dabei aber total verkackt.

Warum das denn?

SCHÖNEBERGER: Für die Musiksender musste man eine Persönlichkeit sein. Man las ja im Grunde bloß Texte vom Teleprompter ab, da musste man wenigstens freaky aussehen. Heike Makatsch oder Markus Kavka, die waren vom Typ her außergewöhnlich, und das war ich nicht. Deshalb wurde ich dort sehr nett verabschiedet und habe dann nie wieder was von denen gehört.

Beim ersten Echo 1992 bekam Udo Lindenberg den Preis für sein Lebenswerk. Jetzt, kurz vor seinem 70. Geburtstag, ist er als Stargast bei der 25. Verleihung mit von der Partie. Sind Sie ein Fan des Panikrockers?

SCHÖNEBERGER: Ehrlich gesagt konnte ich bis vor ein paar Jahren Udo Lindenberg und Udo Jürgens nicht auseinanderhalten. Mittlerweile habe ich zwar dazugelernt und finde ihn als Typen natürlich spektakulär, aber musikalisch kann ich mich für vieles von ihm nicht erwärmen, dafür bin ich vielleicht zu jung. Sachen wie "Sonderzug nach Pankow", das haben meine Eltern doch auf Faschingsfeiern gehört.

Zu den Nominierten gehören wieder mal die Kastelruther Spatzen, die mit 13 Auszeichnungen Spitzenreiter beim Echo sind, gefolgt von Helene Fischer mit 12 Trophäen. Was sagt das über den Musikgeschmack der Deutschen?

SCHÖNEBERGER: Dass er breit gefächert ist. In unserem Land leben eben nicht nur Leute, die Jan Delay hören, und der Echo bildet das ab. Ich war schon manches Mal sauer über die Coolen mit den Sonnenbrillen und den asymmetrischen Frisuren, die nicht richtig klatschen, wenn Andrea Berg auf die Bühne kommt und sich wieder mal einen Echo abholt. Aber die Kastelruther Spatzen lachen sich doch kaputt über ihre Kritiker, die haben Fans, die kaufen noch ihre CDs und streamen sie nicht bei Spotify - ich finde das toll. Ich bin auch dafür, dass alle Volksmusiksendungen im Fernsehen bestehen bleiben, denn warum muss denn alles immer neu, jung und flippig gemacht werden? Ganz Deutschland wird älter und hört diese Art von Musik, jeder wird doch irgendwann 70 und hat lieber Helene Fischer, Andrea Berg oder die Kastelruther Spatzen als einen Typen, der dauernd den Stinkefinger zeigt.

Es gibt auch Kritiker, die sagen, eine Jury solle über die Preise bestimmen - stattdessen geht es nach Verkaufszahlen und Chartplatzierungen. . .

SCHÖNEBERGER: Wir sind ein Publikumspreis - wer viele CDs verkauft hat, der gewinnt. Es ist doch schön, dass es auch mal um Quantität geht, weil das den Geschmack der Masse abbildet.

Beim Echo 2015 erhielt Helene Fischer vier Auszeichnungen. Gibt es nun wieder Fischer-Festspiele?

SCHÖNEBERGER: Ich gehe davon aus, dass wir Helene Fischer wieder auf der Bühne sehen, und das ist für mich jedes Mal eine große Freude. Ich bin da wie ein kleines Kind im Barbiepuppen-Laden: Wenn Helene Fischer kommt, denke ich mir: Ach Gott, toll, wie die wieder aussieht, was die wieder anhat, dieser Glanz, diese Haut - ich gucke sie einfach gerne an. Ich erkenne bei den Deutschen die Tendenz, dass man an dieser Perfektion herummäkelt. Aber wir finden ja auch Beyoncé oder Rihanna toll, da meckert doch auch niemand über zu viel Perfektion.

Lernen Sie die großen Stars beim Smalltalk vor oder nach der Gala auch persönlich kennen?

SCHÖNEBERGER: Ach, die deutschen Stars kenne ich sowieso alle, weil die bei mir in der NDR-Talkshow zu Gast sind, oder von anderen Veranstaltungen. Und bei den US-Stars ist es so: Die haben kein Interesse, mich kennenzulernen - und umgekehrt. Ich muss nicht stundenlang mit Lana Del Rey quatschen. Ich finde es aber toll, dass die alle zum Echo kommen, und es ist schön, die mal aus der Nähe zu sehen. Und wenn man dann sieht, dass so ein Star auch dicke Oberschenkel hat, freut man sich.

Info Die 25. Echo-Verleihung wird heute Abend von 20.15 Uhr an live in der ARD übertragen. Für die jährlich verliehene Auszeichnung sind diesmal internationale Stars wie Adele, Madonna und AC/DC nominiert, nationale Größen wie Helene Fischer und Peter Maffay oder der kürzlich verstorbene Roger Cicero.

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07.04.2016, 06:00 Uhr

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