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„Ich habe schon alles verkauft“
Hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht: Trödelfan Sükrü Pehlivan. Foto: Bildquelle
Gebrauchtwaren

„Ich habe schon alles verkauft“

Trödelprofi Sükrü Pehlivan erzählt nicht nur im Fernsehen, wie man Dinge gut zu Geld machen kann. Er spricht über den Markt, seine Leidenschaft und interessante Funde.

29.12.2016
  • CAROLINE STRANG

Mönchengladbach. Sükrü Pehlivan ist bekannt. Er kann kaum mehr auf die Straße gehen, geschweige denn auf einen Flohmarkt, ohne angesprochen zu werden. Seit fast zehn Jahren kann man ihm beim „Trödeltrupp“ auf RTL2 dabei zusehen, wie er fremde Keller und Garagen entrümpelt, schwierige Waren gewitzt verkauft und nebenbei auch noch in so mancher tragischen Familiensituation vermittelt. Am Telefon redet er viel, schnell und ist ständig am Lachen. Wie im Fernsehen eben auch.

Herr Pehlivan, sind Sie ein Trödler aus Leidenschaft?

Sükrü Pehlivan : Auf jeden Fall. Nicht nur wegen meines Berufs. Seit ich sieben war, hab ich immer versucht, ein bisschen Geld auf dem Flohmarkt zu verdienen. Damals hab ich eben meine kleinen Spielzeugautos verkauft. Dann konnte ich mir Süßigkeiten kaufen.

Was macht Trödeln aus?

In erster Linie zählt der Spaßfaktor. Wenn man auf dem Flohmarkt krampfhaft eine bestimmte Summe erreichen will, die man sich vorab in den Kopf gesetzt hat, dann braucht man erst gar nicht dahin zu gehen. Man nimmt den Leuten die Kauflust und den Spaß, wenn man knallhart Preise einfordert und auf ihnen besteht. Es lohnt sich, das Ganze spielerisch zu machen mit einem Lächeln, einem Witz oder indem man auf den Preis, den man eigentlich haben möchte, ein paar Euro draufhaut, um dem Käufer entgegenkommen zu können.

Ist Trödeln noch ein großes Thema, funktioniert der Markt?

Trödeln war nicht nur früher ein gutes Geschäft. Man kann damit gut Kohle machen. Fraglich ist, ob man davon leben kann. Aber wahrscheinlich auch das, wenn man genug Waren hat und das gut macht. Klar, die Mode ändert sich, die Menschen ändern sich und damit auch das Kaufverhalten. Heute will kaum jemand mehr Zinnteller, die früher überall an der Wand hingen. Vor einigen Jahren noch hat man dafür gut Geld bekommen, heute nur noch den Materialwert.

Haben Sie Tipps, wie man auf dem Flohmarkt Geld verdienen kann?

Ich kann nur den Tipp geben, dass man am besten zeitlose Waren einkauft, die eine klare Linie haben und nicht so viel Schnickschnack darauf. Der klassische Stil kommt nicht aus der Mode. Es möchte halt keiner mehr ein Glas mit Goldrand und Blumen darauf. Man sollte auch immer ein bisschen schauen, was die Nachbarn so haben, was sonst so angeboten wird. Es ist oft auch sinnvoller, ein Produkt zu einem etwas niedrigeren Preis zu verkaufen als gar nicht. Dann hat man wieder Platz auf dem Tisch und kann aktuellere Sachen anbieten. Viele sehen, dass ihre Waren nicht verkauft werden und stellen die Sachen dann in den Keller. Dort häuft sich immer mehr. Zu solchen Menschen kommen wir vom „Trödeltrupp“ oft. Die haben eine Garage voll unverkaufbarer Sachen, anstatt diese wenigstens für wenig Geld loszuwerden.

Was verkauft sich besonders gut?

Immer schon gut gingen Kindersachen wie zum Beispiel Klamotten oder Holzspielzeug. Bücher mit viel Input, also etwa Ratgeber, sind auch nicht schlecht. Alles andere ist Glücksache. Spielzeug aus den 70ern und 80ern und Markenkleidung laufen auch nicht schlecht. Große und teure Waren sind eher problematisch. Kleinigkeiten werden eher gekauft. Die kommen bei den Leuten an, die einfach so auf den Flohmarkt gehen und kein bestimmtes Ziel haben.

Was war ihr bisher tollster Fund?

Bei einer Familie in Hamburg habe ich mal einen guten Fund gemacht. Die Familie hatte vorsortiert, was für den Flohmarkt ist und was wirkliche Schätze sein könnten. Was die für den Flohmarkt hingestellt hatten, war viel mehr wert als die angeblichen Schätze. Wir haben eine Figur gefunden von George Minne. Den kannte die Familie nicht. Es war ein Original. Die Familie wollte auf dem Flohmarkt 15 Euro dafür haben. Ich bin damit auf eine Auktion gefahren und wir haben 4500 Euro gekriegt. Da war die Familie ihre Sorgen erstmal los. Viele verschätzen sich beim Wert der Waren. Das hängt oft von der Vergangenheit ab. Wenn man als Kind schon das gute Porzellan nicht benutzten durfte und die Großeltern einem gesagt haben, dass man da einen echten Schatz erben wird, ist man sehr enttäuscht, wenn man auf dem Flohmarkt nur noch 50 Euro für das ganze Set bekommt.

Was würden Sie gerne verkaufen?

Ich glaube, ich habe schon alles verkauft. Auch ein Boot oder Autos. Mein Verkäuferherz lässt mir nichts zu wünschen übrig. Mein Job ist sehr abwechslungsreich.

Gehen Sie eigentlich privat überhaupt noch auf Flohmärkte?

Nein. Ich bin einfach zu bekannt. Die Sendung gibt es nun knapp zehn Jahre, da werde ich überall auf der Straße erkannt. Mir ist das egal, meine Frau will aber nicht. Mein Bruder verkauft manchmal gebrauchte Sachen von den Kindern für uns mit. Auch mein Keller ist voll, allerdings ist es da ordentlich. Aber eigentlich würde ich das gerne mal wieder machen. Ich liebe Flohmärkte einfach: Die Mentalität, die Leute, die mit mir feilschen wollen, die sympathische Art von Zockermentalität. Mir macht das einfach Spaß. Mein größter Wunsch wäre, mal ganz privat einen Flohmarkt machen zu können.

Wie sind Sie dann beim Goldhandel gelandet?

Ich habe vielen Familien geholfen, die ganze Schatullen voll Gold hatten. Viele davon hatten überhaupt keine Ahnung, welchen Wert sie da besitzen. Die haben gehofft, dass sie dafür vielleicht noch 150 Euro bekommen. Der Ehemann wollte dann vielleicht noch 200 Euro haben, weil er gegenüber der Frau recht haben wollte. Das waren beides lächerliche Summen. Denen stehen viele schwarze Schafe an Ankäufern gegenüber, die diese Leute übers Ohr hauen. Das habe ich oft genug mitbekommen. Viele Angebote waren schon fast Betrug. Ich habe mich dann gefragt, wie man da helfen kann. Also habe ich einen Goldhandel aufgemacht, „Goldbuben“ in Mönchengladbach. Bei uns auf der Internetseite sind die Börsenpreise zu lesen, davon werden 10 Prozent Marge abgezogen. Wir bezahlen also 90 Prozent des Börsenpreises aus. Mein Geschäft rentiert sich, weil wir faire Preise zahlen und transparent sind. Und deshalb viele Kunden aus ganz Deutschland haben. Da lohnt sich dann auch eine kleine Marge.

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29.12.2016, 06:00 Uhr

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