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„Ich musste mich befreien“
Clueso meldet sich mit einer neuen Scheibe zurück und stürmt damit die deutschen Albumcharts. Foto: Jennifer Stenglein
Pop

„Ich musste mich befreien“

Der Erfurter Sänger Clueso wagt mit seinem aktuellen Album den „Neuanfang“ und setzt doch auf bewährte Stärken.

11.11.2016
  • UDO EBERL

Erfurt. Sechs Solo- und drei Live-Alben, fünf Mal Gold und zwei Mal Platin, dazu Auftritte mit Lindenberg, Grönemeyer, Niedecken und den Fantastischen Vier – die vergangenen 15 Jahre waren für Clueso eine mehr als erfolgreiche Zeit. Diese findet für den Sänger und Rapper nun mit seinem jüngsten Tonträger eine Fortsetzung: Er stieg auf Nummer eins in die deutschen Albumcharts ein.

Ihr neues Album heißt „Neuanfang“.

Clueso: Ein großer Begriff. Vor diesem Album habe ich aber an vielen Stellen einen Neuanfang gewagt. Und da sich bei mir ja immer das Berufliche mit dem Privaten mischt, betrifft das mein ganzes Leben.

Das heißt?

Es ging damit los, dass ich ein akustisches Album machen und auf Reisen gehen wollte. Wie all die Jahre hat dann das eigene Label gefragt: Wie groß wird das und bis wann bringen wir das raus? Die Band fragte, wann wir auf Tour gehen. Und ich sagte, ich weiß gar nicht, ob ihr alle dabei seid. Vielleicht probiere ich auch mal etwas mit anderen Musikern aus. Ich war kurz davor zu sagen: Danach sehen wir weiter. Ich spürte aber, dass ich vielleicht nicht mehr zu einem Versprechen stehen können würde, das ich bereits vorher ausspreche.

Was war die Folge?

Ich war mit meinen Musikern und meinem Label in einer Symbiose gefangen und musste mich aus diesen Konstellationen befreien. Das war sehr schwer für mich, tat aber auch sehr gut.

Dabei stand gerade Clueso für den Kollektiv-Spirit. Aber am Ende hing doch alles an Ihnen.

Wir hatten Merchandising, ein Label, ein Ticketsystem, eine eigene Veranstaltungsfirma, den Zughafen in Erfurt als Büro. Außerdem habe ich noch in einer großen Wohngemeinschaft gewohnt. Da bin ich inzwischen auch raus.

Mit klarem Ziel?

Zum ersten Mal wusste ich wirklich nicht, was passieren würde. Nur, dass ich meiner eigenen Fährte folgen muss und zwar ganz alleine. Das war schon so eine Art Erwachsenwerden. Einige meinten: Was willst du denn, alles läuft doch gut und Adel verpflichtet. Ich habe gesagt: Dann lege ich den Adelstitel ab. Es war ein sehr hartes und emotionales Jahr, ohne Groll, mit viel Wehmut, weniger von Mut angetrieben als von Neugier.

Sind Sie so zum Kern Ihres Songwritings zurückgekehrt?

Das empfinde ich selbst gar nicht so. Die Musik ist oft bereits viel früher da, als ich das selbst begreife. Das hat übrigens auch der Produzent des neuen Albums sofort gespürt. Tobias Kuhn, mein Produzent, hat gesagt: Schreib einfach weiter und mach dir keinen Kopf. Am Ende lässt sich alles verbinden.

Tobias Kuhn ist selbst Songwriter, der als Produzent bereits die Sportfreunde Stiller, Die Toten Hosen oder Thees Uhlmann begleitet hat. War er ein wichtiger Einfluss?

Es hat sich durch ihn alles geändert. Ich hatte ja bereits ein komplettes Album daliegen und nicht dieses schreckliche weiße Blatt. Ich habe einfach weitergemacht und hatte so viel zu erzählen. Darum sind es auch nicht die ausgearbeiteten Popmelodien geworden, sondern die Sprache ist wichtig. In der Zusammenarbeit mit Tobias kam dann die Lust auf große Songs und einen mutigen Weg. Für mich ist das Album auf den Punkt.

Lag der Neuanfang auch an der Studio-Umgebung? Sie haben ja im sonnigen Italien aufgenommen.

In mir ist grundsätzlich eine neue Tür aufgegangen. Aber ich war so mit der Platte beschäftigt, ich hätte das überall machen können und mit großer Lust weiter gearbeitet. So hingen wir den ganzen Tag in einem Keller und draußen schien die Sonne. Aber es tat natürlich schon gut, nach einem langen Studiotag einen Sonnenuntergang in Italien zwischen Olivenbäumen zu erleben und dann noch gut zu essen.

Es scheint, als hätten Sie wenig Wert auf potenzielle Hits gelegt?

Momentan versuchen ja viele, bereits im Studio einen gewaltigen Stadion-Sound aufzubauen und können das auch. Ich habe mich da lieber in die Vintage-Ecke zurückgezogen, wollte einen eigenen Stil finden. Beim Aufnehmen war entscheidend, dass die Stücke im Kern genauso klangen wie die Skizzen. Es durfte auch rumpeln, und ich musste lernen, mich zu trauen. Wir haben Fragezeichen nicht glatt gebügelt. Und „Wenn du liebst“, ein Duett mit der Sängerin Kat Frankie, wurde nicht wie so üblich mit Streichern überfrachtet. Ich wollte da viel lieber eine Ballade mit Haltung.

Wo stehen Sie inzwischen?

Auf dem Weg. Vielleicht bin ich künftig auch spontaner und haue häufiger mal EPs oder einzelne Songs raus, passend zur Zeit des Internets und des Streamings. Und dann wartet da ja immer noch das Akustik-Album. Das ist in meinem Umfeld fast schon ein Running Gag.

Und nun Live-Termine mit neuen Songs und neuer Band?

Genau. Zunächst im Winter in kleineren Clubs, die allerdings bereits ausverkauft sind. Die Musiker und ich müssen uns live noch richtig beschnuppern. Und ich will die Songs sehr exakt an den Originalen spielen. Im kommenden Jahr gibt's dann eine Hallentour und natürlich auch die Konzerte bei Festivals.

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11.11.2016, 06:00 Uhr

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