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Finanzen

„Ich rate zu gesunder Skepsis“

Der eine spart auf ein Eigenheim, der andere will fürs Alter vorsorgen. Seine Motive zu kennen ist wichtig, um die passende Geldanlage zu finden, sagt Verbraucherschützer Niels Nauhauser.

09.01.2017
  • KAREN EMLER

Stuttgart. Zum Jahresanfang machen viele Bundesbürger ihren ganz persönlichen Kassensturz. Bleibt Geld übrig, stellt sich die Frage, wie man das in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen sinnvoll anlegen kann. Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät dazu, Angebote genau unter die Lupe zu nehmen. Nicht alles, was gut klingt, muss für den Sparer auch gut ausgehen. Mit anderen Worten: Gute Geldanlage bedeutet viel Zeitaufwand, zudem sollte jeder Verbraucher eine gesunde Portion Skepsis an den Tag legen, wenn die Renditeversprechen allzu üppig ausfallen.

Wo gibt es aus Ihrer Sicht gute Beratung, wenn man sich über Geldanlage schlau machen will?

Niels Nauhauser: Auf jeden Fall nicht bei den Banken und all den anderen Verkäufern von Finanzprodukten. Da werden nur Produkte empfohlen, die Provision bringen. Die Interessen der Verbraucher sind zweitrangig. Deshalb rate ich hier zu gesunder Skepsis. Das ist keine Beratung, sondern Verkauf. Das sollte man wissen.

Wie bereitet man sich am besten auf ein Gespräch vor?

Auf ein Verkaufsgespräch mit einem Berater? Die sind doch bestens trainiert im Umgang mit Einwänden von Kunden! Ein paar Dinge kann man natürlich vorher klären, in der Hoffnung, dass man dann gar keine Beratung mehr braucht.

Welche Dinge wären das?

Wenn Sie Rücklagen bilden wollen, um zur Not Rechnungen, etwa für eine Autoreparatur, nicht mit einem teuren Überziehungskredit bezahlen zu müssen, nehmen Sie ein Tagesgeldkonto. Geht es um Reserven, die ein paar Monate oder Jahre lang fest angelegt werden können, kommen Festgelder und Sparbriefe in Frage.

Was raten Sie denen, die auf eigene vier Wände sparen wollen?

Für diese Verbraucher gilt das bereits Gesagte. Hier will man in der Regel sein Vermögen auch nicht größeren Risiken aussetzen. Da gibt es einfache Produkte mit einem Zinssatz von 0 bis höchstens 1 Prozent bei Direktbanken, aber dafür gibt es keine Provisionen und keine Wertschwankungen.

Aber es gibt doch besser verzinste Anlagen?

Anlagen mit mehr Risiko, wie zum Beispiel Aktienfonds, versprechen zwar eine höhere Rendite, und das mag verlockend erscheinen. Allerdings muss man die Mischung aus Chancen und Risiken jeweils individuell dosieren. Zurzeit verkaufen die Banken gerne sogenannte Mischfonds, bei denen das Geld teilweise in Aktien und teilweise in Zinspapieren angelegt wird.

Das klingt nach einem „Aber“...

Genau, Sie sollten lieber die Finger davon lassen, wenn die Banken und Fondshäuser sich von Ihrem Geld jährlich 1,5 bis 1 Prozent an Verwaltungskosten nehmen plus Provision bei Abschluss in Höhe von 3 Prozent. Solche überteuerten Mischfonds sind nur für die Anbieter ein gutes Geschäft. Statt 10 000 EUR in einem Mischfonds anzulegen, der 30 Prozent in Aktien investiert, kann man 3000 EUR in einen Aktienfonds anlegen und den Rest in Festgeldern. Das ist preiswerter, und auf Nachfrage werden die Verkäufer das auch anbieten, wenn sie sonst kein Geschäft machen.

Welche Aktienfonds eignen sich aus Ihrer Sicht? Sollte man eher im Inland anlegen?

Nein, besser ist es, international zu streuen. Die Historie der Aktienmärkte zeigt: Unterm Strich sind die Erträge im langfristigen Durchschnitt jährlich um rund 4 Prozent höher als bei sicheren Geldanlagen. Allerdings sind zwischenzeitliche Verluste von bis zu 50 Prozent ebenso normal wie rasante Kursanstiege. Wir empfehlen Indexfonds, weil sie die Entwicklung der Aktienmärkte weltweit kostengünstig abbilden. Sie sind eine grundsolide Geldanlage und auch zur Altersvorsorge gut geeignet, vorausgesetzt man hat das Nervenkostüm und die Geduld, das Auf und Ab der Aktienmärkte auszusitzen.

Ist es sinnvoll, auch in Gold und Silber zu investieren?

Die Wertentwicklung von Gold und Silber ist zum Teil gegenläufig zur Wertentwicklung bei Aktien. So stieg zum Beispiel der Goldpreis besonders in Zeiten hoher wirtschaftlicher Unsicherheit. Für langfristig orientierte Anleger ist es daher grundsätzlich sinnvoll, auch einen Teil in Gold oder Silber anzulegen, am einfachsten über den Kauf entsprechender Münzen.

Raten Sie zum Abschluss von Lebensversicherungen?

Für den Vermögensaufbau? Nein. Die Abschluss- und Verwaltungskosten sind hoch, die Renditeaussichten gering. Viele neue Tarife, welche die Versicherer am Markt anbieten, versprechen zwar höhere Erträge, etwa durch irgendeine Form von Indexbeteiligung, sind aber vor allem teuer und intransparent.

Wann käme das dann in Frage?

Allenfalls, wenn man eine lebenslange Rente braucht. Aber selbst dann muss man mit Alternativen vergleichen, schließlich zahlen die Versicherer ja die ersten rund 20 Jahre lang nur das Geld der Kunden wieder an sie aus, eine Versicherungsleistung erhält nur, wer besonders lange lebt.

Wie erkennt man, was zu riskant ist?

Das ist nicht so einfach. Seien Sie skeptisch, wenn jemand Ihnen hohe Renditen verspricht und zugleich behauptet, die Anlage sei sicher. Denn die Geschichte lehrt: Keine Geldanlage ist wirklich ganz sicher. Dass Staaten ihre Schulden nicht bezahlen oder Währungen unter Inflation leiden, ist eher die Regel als die Ausnahme. Legen Sie deshalb nie alle Eier in einen Korb!

Ist das nicht eine Binsenweisheit?

Ja, aber leider verletzen auch sogenannte Finanzberater diese Regel noch immer viel zu oft, indem sie ihren Kunden Wertpapiere verkaufen ohne ausreichende Risikostreuung.

Wie sicher schätzen Sie die diversen Angebote ausländischer Banken oder ausländischer Staaten ein?

Einlagen bei Banken mit ausländischer Einlagensicherung halte ich grundsätzlich für riskanter als Einlagen hierzulande. Der Grund ist ganz einfach folgender: Kommt es auch nur zu einer mittelgroßen Pleite, reicht das Geld der Einlagensicherung ohnehin nicht aus, um alle Kunden zu entschädigen. Dann muss man auf den Staat hoffen, der die Pleitebank dann übernimmt oder die Einlagen garantiert. Beide Szenarien haben wir im Jahr 2008 bereits zur Genüge erlebt. Ob ein ausländischer Staat bereit wäre, mit eigenem Steuergeld das Geld deutscher Anleger zu garantieren, ist allerdings ungewiss.

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09.01.2017, 06:00 Uhr

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