Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
"Ich sehe keinen Vorteil in einer ewigen Jugendzeit"
Er forscht intensiv daran, wie das Altern zu beeinflussen ist: Biochemiker Hartmut Geiger. Foto: Uni Ulm
Der Biochemiker Hartmut Geiger über die biologischen Faktoren des Alterns - und wie man sie beeinflussen will

"Ich sehe keinen Vorteil in einer ewigen Jugendzeit"

19.04.2016
  • CHRISTIAN NICK

Prof. Dr. Hartmut Geiger leitet die Abteilung Molekulare Medizin an der Universität Ulm, die sich mit der Alternsforschung beschäftigt.

Herr Geiger, warum werden wir eigentlich älter?

HARTMUT GEIGER: Altern ist auf die Alterung von Zellen zurückzuführen. Die Funktion der Zellen nimmt mit dem Alter ab. Wir glauben, dass alte Zellen nicht mehr so gut funktionieren, weil die Positionen der Dinge - Eiweiße und Proteine - in der Zelle nicht mehr geordnet, das heißt nicht mehr an ihrem angestammten Platz sind. Da setzen unsere Forschungen an.

Welche effektiven Strategien gegen das Altern gibt es denn?

GEIGER: Bisher gar keine, die tatsächlich wissenschaftlich bestätigt wurden. Sicherlich beugen Bewegung und gesunde Ernährung Krankheiten vor - das ist erwiesen. Ob sie aber auch direkt gegen das Altern wirken, ist noch ungeklärt.

Das heißt: Alles, was in Sachen Anti-Aging so oft propagiert wird, ist objektiv betrachtet Humbug?

GEIGER: Es gibt keine eindeutige und einfache Anti-Aging-Therapie oder -Verhaltensweise, dazu ist das Altern zu komplex und individuell verschieden. Eine gute Mischung aus Sport, sozialen Interaktionen, geistiger Betätigung und vernünftiger Ernährung kann jedoch die Lebensqualität im Alter verbessern.

Welche Rolle spielt der Lebensstil im Vergleich zur genetischen Prädisposition?

GEIGER: Wie so vieles im Leben ist das wohl 50:50, also ausgewogen.

Gibt es ein "Langlebigkeits-Gen"?

GEIGER: Forscher haben in den Körpern sehr alter Menschen natürlich vorkommende Variationen von normalen Genen gefunden, die möglicherweise eine Rolle für die Langlebigkeit spielen. Ob sie jedoch tatsächlich direkt für das lange Leben verantwortlich sind, ist noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt.

Wird es denn je ein Medikament geben, welches das Leben maßgeblich verlängert? Wird an so etwas geforscht?

GEIGER: Es wird an Medikamenten geforscht, die Teilaspekte des Alterungsvorgangs positiv beeinflussen, also diese hemmen können. Daran arbeiten wir auch in unserem Labor. Ob es jemals eine Pille direkt gegen das Altern geben wird, ist aber fraglich.

Wie alt werden Menschen in 50 Jahren wohl werden können, was schätzen Sie?

GEIGER: Eine positive Veränderung der Lebenserwartung basierend auf neueren Forschungsergebnissen wird sich sicherlich nicht schon in 50 Jahren bemerkbar machen. Daher wird aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung und Technik zwar die durchschnittliche Lebenserwartung wie in der Vergangenheit sukzessive leicht ansteigen - und im Querschnitt werden mehr Menschen daher auch älter werden. Aber die maximale Lebenserwartung wird sich bis in 50 Jahren kaum verändert haben.

Was tun Sie ganz persönlich, um möglichst alt zu werden?

GEIGER: Ich versuche, mich so oft wie möglich zu entspannen.

Die Gesellschaft propagiert den Jugendwahn: Wie stehen Sie als Alternsforscher dazu?

GEIGER: Der Jugendwahn ist zuerst ein soziologisches Problem. Wenn Sie mich aber als Mensch fragen: Ich sehe keinen Vorteil in einer ewigen Jugendzeit. Und auch bei unserer Forschung steht nicht Lebensverlängerung im Fokus, sondern gesünderes Altern.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball