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„Ich will im Fernsehen alt werden“
„Ich bin ein ganz stabiler Typ“: Jan Böhmermann. Foto: dpa
Interview Jan Böhmermann

„Ich will im Fernsehen alt werden“

Manche halten Jan Böhmermann (35) für den talentiertesten Fernsehmacher, andere finden ihn nervig. An ihm vorbei kam dieses Jahr keiner. Und nun?

14.12.2016
  • DPA

Auf dem Höhepunkt der „Böhmermann-Affäre“ hat Jan Böhmermann etwas sehr Untypisches getan: nichts mehr kommentiert. Weder auf Twitter, noch auf Facebook, schon gar nicht in seiner Sendung. Die fiel nämlich aus, nachdem sein Erdogan-Schmähgedicht Verwicklungen ausgelöst hatte. Jetzt ist Böhmermann längst wieder auf allen Kanälen präsent und schießt munter seine Spitzen ab. Oder hat sich doch etwas verändert?

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bald von Donald Trump verklagt werden?

Jan Böhmermann : Es ist ja nicht so, dass ich das suche. Ich bin nicht darauf aus, von irgendwelchen Staatschefs verklagt zu werden. Ich kann da keine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufstellen. Autoritäre Typen mit zu viel Macht mögen eben nicht, dass man sie der Lächerlichkeit preisgibt.

Ist Ihnen dieses Jahr aber passiert.

Ich hatte einen Versuchsaufbau hergestellt. Und dann haben wir auf einen Knopf gedrückt und geguckt, ob alle Lampen noch brennen. An entscheidenden Stellen sind dann halt die Birnen durchgebrannt. Was danach passierte, war auf eine Art natürlich überraschend und ein kleines bisschen erschreckend. Andererseits war das, was ausgelöst wurde, ja schon vorher da. Wir sind nur wie so ein Kanarienvogel in der Kohlegrube: Wenn wir umfallen, wird‘s ernst. Die Wirklichkeit hat dann allerdings unsere wildesten Spekulationen überholt. Gerade erleben wir ja das Entstehen einer Diktatur in der Türkei.

Manche würden sagen, dass Sie bei Ihrer Arbeit häufig anecken. Sie würden wohl sagen, dass die anderen sich an Ihnen stoßen.

Ich bin ein ganz stabiler Typ, immer Mittelspur Autobahn. Wenn Leute, die links und rechts an mir vorbeiziehen, das Steuer nicht in der Hand halten können, ist das wirklich nicht mein Problem.

Woher kommt die Gewissheit, dass das funktioniert?

Autosuggestion. Und ich bin elf Prozent Autist. Das sind genau die elf Prozent, die einem helfen, wenn es mal stürmisch wird.

Soll sich das „Neo Magazin Royale“ im nächsten Jahr verändern?

Na klar, jetzt kommt die Entdeckung der Gelassenheit, endlich auch in der Fernsehsendung. Mehr leise Töne, vielleicht Jazz, weniger krawallig. Einfach mal eine andere Seite zeigen, aber – ganz wichtig – authentisch bleiben, sonst geht gar nix heutzutage. Gefällige Unterhaltung machen, aber auch die eigenen Abgründe monetarisieren. Aber weg mit diesen ganzen Spitzen und der Selbstreferenzialität. Alles weg! Beim Bambi hat sich Florian Silbereisen bei der Jury für den „Mut“ bedankt, ihn auszuzeichnen. Wenn es schon mutig ist, Florian Silbereisen mit dem Bambi auszuzeichnen, dann muss ich mich komplett neu erfinden.

Wäre denn das Ziel, noch mehr im Fernsehen zu machen?

Ich twittere noch zu viel. Aber wenn der Verarbeitungsdruck zu groß ist, kann man da nichts machen, so ist das als Künstler. Zum Beispiel, wenn das neue Video von Pietro und Sarah Lombardi rauskommt. Ich habe mir ihre Facebookseiten angeschaut und bin in eine ganz andere Welt eingetaucht. Sie sind die deutschen Kardashians. Da kann ich als Volkskünstler mit Alleinvertretungsanspruch nicht daneben stehen und sagen, da kümmere ich mich nicht drum.

Das würden Sie also lieber im Fernsehen verbraten?

Ich hätte ohne Probleme Material, um dreimal die Woche Sendung zu machen. Ich will im Fernsehen alt werden.

ZDF-Intendant Thomas Bellut meinte, Sie seien bereits „ganz gut ausgelastet“.

Mein Schutzpatron, der Intendant des ZDF, dem ich treu ergeben zu höchstem Dank verpflichtet bin, hat fast immer und in beinahe allem Recht.

Er sagte das, als Sie beim ZDF Ihren Vertrag verlängert haben.

Im kommenden Jahr überlegen wir gemeinsam mit dem Sender, wie es weitergehen soll. Wir haben sehr gute Quoten seit drei Jahren, Tendenz steigend. Wir haben anderthalb Staatskrisen ausgelöst, den deutschen Hip-Hop gerettet, das Wort „postfaktisch“ in die Mitte der Gesellschaft geholt und das Saarland weit über die Grenzen Europas bekannt gemacht. Ich kann meiner Mutter und meinen Großeltern beim besten Willen nicht erklären, warum meine Sendung nur einmal die Woche auf ZDFneo, für die jungen frechen Leute, läuft. Wenn schon Deutschlands bekanntester Alternative-Showmaster, dann wenigstens richtig. Der Anspruch meines Teams und mir lautet: weg von Twitter, hin zu einer lustigen werktäglichen Unterhaltungsshow am späten Abend.

Im ZDF-Hauptprogramm?

Wo denn sonst? Alles andere ist mir zu unsicher. Nach diesem Jahr ist mir Risikominimierung ganz wichtig. Jonas-Erik Schmidt, dpa

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14.12.2016, 14:30 Uhr

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