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Idealismus und Wagemut
Für Regina Ziegler ist es der „Carl-Laemmle-Produzenten-Nobelpreis“, den sie in Laupheim in Empfang nahm. Da können Moderator Wigald Boning (links) und Ober-Juror Martin Moszkowicz, Vorstandsvorsitzender der Constantin Film, nur applaudieren. Foto: Gisela Schober
Film

Idealismus und Wagemut

Regina Ziegler wird in Laupheim mit dem Carl-Laemmle-Produzentenpreis geehrt. Auch die Stadt weiß sich damit in Szene zu setzen.

19.03.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Laupheim. It can be done“, lautete das Motto von Carl Laemmle. „Geht nicht gibt's nicht“, heißt Regina Zieglers Autobiografie. Sie passen also gut zusammen, der Namenspate des Carl-Laemmle-Produzentenpreises und die zweite Preisträgerin.

Denn das wurde bei der Feier in Schloss Großlaupheim oft betont: Auch die 74-Jährige mit dem roten Schopf, die mehr als 400 Kino- und Fernsehfilme produziert hat, ist eine Pionierin. Gewiss, Carl Laemmle hat als Selfmademan 1912 Universal und damit letztlich Hollywood gegründet. Aber als erste maßgebliche Frau im deutschen Produzentengewerbe hat auch Regina Ziegler Besonderes geleistet.

Den mit 40 000 Euro dotierten Laemmle-Preis haben die Allianz Deutscher Produzenten und die Stadt Laupheim, Geburtsort des Kino-Moguls, aus der Taufe gehoben. Als Erster hatte 2017 der schwäbische Blockbuster-Macher Roland Emmerich das Porzellan-Lämmchen bekommen.

Die zweite Auflage der Preisverleihung konnte sich nun erneut sehen lassen. Stolz stellte Oberbürgermeister Gerold Rechle fest, man habe da eine „einmalige, hochdotierte, in fantastischem Ambiente vergebene Auszeichnung“, mit der die Stadt in der ersten Liga mitspiele.

Auch dank solventer Sponsoren wurde eine Feier mit viel Prominenz von Günter Lamprecht bis Veronica Ferres auf die Beine gestellt: professionell, kein bisschen provinziell, aber auch nicht protzig. Der Preis zeige nicht zuletzt, „dass Schwaben und Berliner doch miteinander harmonieren können“, sprach der OB.

„Dass sich die Granden des deutschen Films in Laupheim einfinden, dass muss man erstmal hinkriegen“, staunte Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer vom SWR. Co-Moderator Wigald Boning hatte die Lacher auf seiner Seite, als er gestand: Er habe zwar durchaus in einigen Streifen mitgespielt, aber das alles waren Flops und schlechte Filme – nun, er hat eben nie mit Regina Ziegler zusammengearbeitet.

Dabei war Ziegler der Weg in die Filmbranche nicht in die Wiege gelegt. 1944 in Quedlinburg geboren, wuchs sie als Tochter eines Brunnenbauers und einer Journalistin im Weserbergland auf. Sie begann ein Jurastudium in Berlin, lernte Wirtschaftsdolmetscherin, wurde dann aber Produktionsassistentin beim Sender Freies Berlin.

Und sie hatte Mut, schon 1973 gründete sie die Regina Ziegler Filmproduktion, auch wenn sie anfangs eine „Minus-Millionärin“ war. Ihre Geschichte ist eng mit dem deutschen Autorenfilm verknüpft, sie produzierte Filme von Ulrich Schamoni, Helma Sanders-Brahms und vor allem ihres Ehemanns Wolf Gremm. Eigensinnige Kunstfilme waren das oft, später kam reichlich Fernsehen dazu. Darunter war auch Hochgelobtes wie die Serie „Weissensee“ oder, ganz aktuell, der starke ARD-Zweiteiler „Gladbeck“.

Ziegler habe sich „mit unerschütterlichem Willen und einer klaren Vision in einer von Männern dominierten Branche durchgesetzt“, lobte Martin Moszkowicz, der Vorstandsvorsitzende der Constantin Film, der die Preis-Jury leitete. „Unbändige Energie, zielorientierte Beharrlichkeit und eine faszinierende Leidenschaft für ihren Beruf“ zeichneten sie aus.

Ziegler erhalte den „Preis nicht für schiere Masse“, sagte Laudatorin Thekla Carola Wied („Ich heirate eine Familie“), doch um Quantität ging es dann schon. Denn Ziegler hat mehr als 70 Auszeichnungen erhalten: bereits 1974 für ihren Erstling (Gremms „Ich dachte, ich wäre tot“) den Deutschen Filmpreis, später folgten Grimme-Preis und Bambi, mit „Fabian“ war sie 1979 für den Oscar nominiert, für „Die Wölfe“ gab's 2009 den Emmy.

Ziegler habe reichlich „Idealismus und Herzblut“, lobte Wied. Sie selbst hat mit ihr ganz besondere Erfahrungen gemacht: Als einst ein Regisseur auf seine ganze Film-Crew inklusive Wied sauer war und zu Ziegler „Kannste alle haben“ sagte, machte die der Truppe sogleich ein Angebot: „Drehbuch liegt morgen im Hotel.“ Eine wagemutige Macherin sei die Produzentin stets gewesen, sagte Wied, und das sei sie immer noch: „Deine Geschichte ist noch lange nicht zu Ende!“

Joo Kraus, Philipp Poisel und Jasmin Tabatabai gestalteten die Feier musikalisch, doch als Ziegler auf die Bühne kam, erklang „Rocky“: für eine zähe Kämpferin eben. Eine, die nie aufgab und immer wieder aufstand.

„Ich hätte Carl Laemmle gern gekannt“, sagte sie. „Ich hätte ihn gefragt, wie er es geschafft hat, mit 17 als Laufbursche in New York anzufangen und schließlich mit Universal in Hollywood ganz oben zu sein.“ Und: „Ich hätte mich mit ihm darüber ausgetauscht, was passiert, wenn man gute, aber zu teure Filme dreht.“

Jeder Film sei ein Märchen, sagte sie, „und große Filme sind große Märchen“. Ein Märchen hatte sie dann auch dabei, sie las aus einem fiktiven Drehbuch vor: wie Laemmle auf Wolke sieben sitzt und einen Brief von ihr erhält. Das war komisch, warmherzig, persönlich und wurde dem Anlass rundherum gerecht.

Regina Zieglers Schlussworte waren dann ernst und berührend: „Danke an die Stadt Laupheim, dass sie einen ihrer zeitweise geächteten, einen ihrer großen Söhne auf diese Weise ehrt – und mich gleich mit.“

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19.03.2018, 06:00 Uhr

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