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Sahnehäubchen für die Stadt · Mössinger überlegen, was die Bürgerstiftung anpacken soll

Ideen sammeln und Engagierte finden · Bisher 35 Stifter

Noch in diesem Jahr möchte die Mössinger Bürgerstiftung mit möglichst vielen Stiftern an den Start gehen. Die Initiatoren sehen das Projekt nicht als einen geschlossenen Zirkel, sondern als eine Stiftung für alle.

08.07.2015
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Bevor sich die Mössinger Bürgerstiftung ans Werk machen kann, muss erst noch eine finanzielle Hürde genommen werden: 100.000 Euro Stiftungs-Kapital muss zusammenkommen, damit die Stiftung anerkannt wird. Die Mit-Initiatoren Angelika und Günter Georg Kinzel, Carolyn Strassner und Dieter Schneider zeigten sich beim Infoabend am Dienstag in der Pausa zuversichtlich, dass das noch in diesem Jahr klappt. Bisher sind es 35 Stifter – die Zahl wächst.

Knut Bauer vom SWR moderierte die Veranstaltung. Eine Bürgerstiftung müsse von einem gewissen Anteil der Bevölkerung getragen werden und sei auf Multiplikatoren angewiesen, sagte Bauer. Günter Georg Kinzel erklärte, in der Stiftung sollten sich alle Strömungen wiederfinden: „Das ist kein geschlossener Zirkel, sondern offen für sehr viele.“ Man rufe die Bürgerstiftung ausdrücklich nicht ohne oder gegen die Verwaltung, sondern mit deren Unterstützung ins Leben.

Michael Bulander sicherte der Bürgerstiftung seine Unterstützung sowohl als Oberbürgermeister als auch als Bürger von Mössingen zu. Er begrüße, dass mit der Stiftung Ehrenamt entstehe und dass „das Wohlfühlen“ in der Gemeinde gefördert werde.

Bei der Stiftung gehe es darum, die Bürger mit ins Boot zu holen, erklärte Strassner: „Wir haben schon viel bürgerschaftliches Engagement, aber das hat noch gefehlt.“

Dieter Schneider erklärte, die Einstellung der Menschen habe die Zeit reif werden lassen: „Weg vom Egoismus, hin zum Wohlfühlen in der Gemeinschaft. Das kommt nicht von alleine, da muss man sich engagieren.“ In Mössingen gebe es noch viel zu verbessern. Knut Bauer fragte nach konkreten Projektideen. Strassner verwies auf die im Flyer genannten Punkte. Stadterkundungen in allen Stadtteilen, Bücherschränke im Stadtgebiet, eine „Selbermach“-Werkstatt für Jung und Alt, ein Brunnen, an dem Kinder planschen können und ein Bürgerauto schweben den Initiatoren unter anderem vor. „Wir brauchen Ideen aus der Bürgerschaft, um die Stadt liebens- und lebenswerter zu machen“, warb Schneider um Mitstreiter. Jeder könne Projekte vorschlagen. Die Stiftung verstehe sich allerdings nicht als Lückenbüßer für das, was die Stadt nicht leisten kann: „Sie ist zuständig für das Sahnehäubchen.“

Eine Bürgerstiftung könne durch die Realisierung von Projekten für „zusätzliches Zusammenwachsen“ sorgen, sagte Bauer. Christina Rettich schlug Aktionstage zur Müllbeseitigung vor, etwa an der Steinlach. Die Bevölkerung habe ein „wahnsinniges Bedürfnis nach öffentlichem Raum und Kommunikation“, sagte ein anderer Zuhörer. Die Stadt schaffe es aber nicht, öffentlichen Raum so zu gestalten, dass dieser auch genutzt werde. Vor allem nach Geschäftsschluss sei am Wochenende in Mössingen „alles tot“. Eventuell könne die Bürgerstiftung die Verwaltung diesbezüglich unterstützen, zum Beispiel mit einem Ideenwettbewerb.

In der Tendenz sei der Ansatz absolut richtig, erklärte Bulander. Allerdings sei die Stadt seit mehr als zwei Jahren dabei, gemeinsam mit den Bürgern im Rahmen des Stadtentwicklungsprozesses ein Konzept für die Innenstadt zu entwickeln, das eben auch darauf abziele, Mössingen lebendiger zu machen. Ergebnisse des Architektenwettbewerbs sollen der Öffentlichkeit am 24. Juli präsentiert werden. Bulander nahm auch die Mössinger in die Verantwortung: „Wir können zwar einen Marktplatz schaffen. Der funktioniert aber nur, wenn die Bürger auch kommen.“ Günter Georg Kinzel befand, man müsse auch an der Mentalität der Bürger arbeiten. „Was glauben Sie, wie Balingen vor 40 Jahren aussah? Da war nichts, da war Wüste.“

Andreas Gammel, Gemeinderat und Mitwirkender im Initiativkreis zur Bürgerstiftung, bezeichnete dieses demokratische Gremium „zunächst mal als Gerüst, in das Dinge eingehängt werden können“. Wer die Idee für ein Projekt habe, suche sich Unterstützer. Hartmut Ebeling sagte, Mössingen habe eine großartige Geschichte. Was die Bewahrung und den Erhalt des kulturellen und geschichtlichen Erbes anbelange, könne man mehr sichtbare Zeichen in der Öffentlichkeit setzen: „Mit Respekt und Freundlichkeit all das betrachten, was stattgefunden hat.“ Dabei könne die Bürgerstiftung helfen.

Eventuell lasse sich mit Hilfe der Stiftung ein Bewusstseinswandel herbeiführen, sagte Schneider. „Man darf aber auch nichts Revolutionäres erwarten.“ Schade findet es Gabriele Grieshaber-Haupt, dass das Kultur-Café Chamäleon derzeit „am Wegtröpfeln“ ist. Die Mössinger Mentalität müsse vielleicht auch einfach lebendiger werden. Angelika Kinzels „Traumprojekt für nächstes Jahr“ ist ein Gymnastikangebot, an dem jeder teilnehmen kann.

„Wir können Projekte erst realisieren, wenn die Stiftung legalisiert ist“, appellierte Schneider an die Bürger. „Geben Sie Ihrem Herzen und Ihrem Geldbeutel einen Stoß.“

Ideen sammeln und Engagierte finden · Bisher 35 Stifter
Mehr öffentlicher Raum, mehr Kultur, Bücherschränke und ein Fitnessprogramm: Bei einer Info-Veranstaltung , die Knut Bauer vom SWR moderierte, sammelten die Initiatoren der Mössinger Bürgerstiftung erste Ideen.Bild: RIppmann

Mit 500 Euro ist man als Stifter dabei. Gefragt sind aber auch Projektideen, ehrenamtliche Mitarbeit sowie Spenden in jeder Höhe. Die Stadt Mössingen hat hierfür Sonderkonten eingerichtet: Bei der Kreissparkasse Tübingen (IBAN DE33641500200003338580; BIC SOLADES1TUB) und bei der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten, (DE96640618540000094005; GENODES1STW). Kontakt zum Organisationsteam der Bürgerstiftung kann man unter info@bürgerstiftung-mössingen.de aufnehmen. Die Post-Adresse lautet: Bürgerstiftung Mössingen, Löwensteinplatz 1, 72116 Mössingen. Im Internet findet man die Bürgerstiftung unter www.bürgerstiftung-mössingen.de. Ein weiteres Vorbereitungstreffen des Initiatorenkreises gibt es am 1. September um 19.30 Uhr im Alten Rathaus.

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08.07.2015, 12:00 Uhr

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