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"Viele Migranten vernachlässigen die eigene Integration"

Ideenschmiede für Willkommenskultur: 27 Initiativen haben sich in Heilbronn präsentiert

Vom Schlagwort zur Herausforderung: Eine Messe zeigte die Vielfalt der Willkommenskultur. Viele Akteure wissen zu wenig voneinander, wurde erkannt.

21.11.2015
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn Wie sich die Zeiten ändern! Als 2014 bei einem Fachkongress über "Willkommenskultur" debattiert wurde, sollten Arbeitsplätze für 30 Spanier gefunden werden, erinnerte sich IHK-Vizepräsident Thomas Hinderberger. "Heute stehen Hunderttausende vor unserer Tür", sagte er bei der ersten "Messe Willkommenskultur".

Wie sich die Zeiten gleichen! "Die Geschichte ist voll mit Vertreibung und Völkerwanderung", erklärte Hinderberger als Chef der Heilbronner Volksbank, die der Präsentation von 27 Initiativen den Platz bot. Ein früherer Chef, Otto Igersheimer, ist deportiert und 1942 im KZ Auschwitz ermordet worden - er war Jude. Lebte er in einem Land, in dem seine Familie bedroht wäre, "dann wäre ich der Erste, der sich auf den Weg machen würde", räumte Hinderberger freimütig ein.

Eine "aufgeschlossene Region" ist Ziel desWirtschaftsförderers Andreas Schumm. Dazu könnten kommunale und ehrenamtliche Angebote ebenso beitragen wie Aktionen von Firmen. Die Messe sollte nicht nur Beispiele bekanntmachen, sie sollte auch zur Vernetzung beitragen. "Viele wissen gar nichts voneinander", sagte Schumm.

Die von der Schwarz-Stiftung finanzierte Akademie für innovative Bildung und Management (AIM) nimmt sich beispielhaft der eingewanderten Familien mit Kindern in der Grundschule an. Multiplikatoren werden in 20 Unterrichtsstunden ausgebildet, um Eltern nicht nur das deutsche Schulsystem zu erklären. Sie sollen auch beim Überwinden von Sprachhürden helfen und das Verhältnis zu den Lehrkräften verbessern. "Die Multiplikatoren haben dazu beigetragen, dass das Vertrauen zwischen Lehrern und Eltern gewachsen ist", sagte AIM-Expertin Margarete Schwab. Seien vor wenigen Jahren noch Kinder gekommen, die wenigstens über einen beschränkten deutschen Wortschatz verfügten, fehlten jetzt häufig jede Deutsch-Kenntnisse. Gleich geblieben sei dagegen der Anspruch der Eltern, beobachtete Schwab: "Sie wollen das Beste für ihre Kinder."

Wie sich Firmen in der "Willkommenskultur" engagieren können, zeigt Audi. Der Autobauer mit Standort in Neckarsulm bezuschusst ehrenamtliche Einsätze von Mitarbeitern. Erteilen diese Deutschunterricht oder zeigen in einer Werkstatt, wie gespendete Fahrräder gewartet werden, dann übernimmt Audi die Materialkosten. 200 000 Euro liegen dafür bereit. Bedingung: Der Mitarbeiter muss einer gemeinnützigen Organisation angehören, die eine Spendenquittung ausstellen kann.

Nicht abwarten, bis jemand seine Hilfe anbietet, lieber selber aktiv werden, rät Samiou Abdoulaye vom Deutsch-Afrikanischen Verein. Der 48 Jahre alte Togolese ist vor zwanzig Jahren nach Heilbronn gekommen, arbeitet nach einer Lehre als Werkzeugmacher. Er hält viele Migranten für zu passiv. Sie kümmerten sich eher um Hilfsprojekte in ihrem Heimatland, etwa für Krankenhäuser und Schulen. "Dabei vernachlässigen sie ihre Integration." Viele Einwanderer stellten sich auch auf einen kurzen Aufenthalt in Deutschland ein, "dann werden Jahrzehnte daraus". Abdoulaye, Mitglied des kommunalen Integrationsbeirats, will jetzt Sponsoren finden, um ein deutsch-afrikanisches Begegnungsfest auf der Theresienwiese zu organisieren: "Das muss etwas ganz Großes werden."

Dass die Integration auch strategische Grenzen haben kann, erklärte Kabarettist Fatih Cevikkollu: "Wenn der türkische Gemüsehändler akzentfreies Deutsch spricht, geht sein Umsatz um 30 Prozent zurück."

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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