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Flugpionier Gustav Mesmer beflügelt die Gäste der Zehntscheuer

Ikarus mit Text und Musik

Unter dem Motto „Betzingen be-flügelt“ wird derzeit in der Zehntscheuer das Leben des Flugradbauers Gustav Mesmer gewürdigt. Rund 80 Gäste lauschten am Samstag zum Auftakt einem eindringlichen Hörspiel mit Musik.

19.06.2012
  • Philipp Selzer

Betzingen. Nur mit Muskelkraft von Dorf zu Dorf fliegen, das war der Traum des oberschwäbischen Flugpioniers Gustav Mesmer. Am Samstag begannen die Festivaltage mit einem von dem Konstanzer Journalisten Holger Reile verfassten Hörspiel „Gustav Mesmer - Ikarus vom Lautertal“. Mesmer wurde von dem Melchinger Schauspieler Franz Xaver Ott gespielt, während der Stuttgarter Schauspieler Michael Heinsohn im Wechsel mit Reile Texte lasen.

Die Rockurgesteine Alexander und Georg Köberlein begleiteten die szenische Lesung mit ihren eigens für das Hörspiel geschriebenen Mundartlieder, die mit erstaunlicher Instrumentenvielfalt und viel Gefühl dem Schicksal Mesmers nachspürten.

Geboren als fünftes von zehn Kindern in Altshausen 1903, im Jahr des Erstflugs der Gebrüder Wright, arbeitete Mesmer schon mit elf Jahren als „Verdingbub“ auf einem Bauernhof im landwirtschaftlich geprägten Oberschwaben. Sechs Jahre verbrachte er im im Bediktinerkloster Beuron, danach begann er eine Lehr. 1926 kam es zu jenem unglückseligen Zwischenfall, der Mesmer für über 30 Jahre in die Psychiatrie brachte: Er störte in der Altshausener Dorfkircher eine Konfirmationsfeier und wurde in die psychiatrische Heilanstalt Bad Schussenried eingewiesen.

Es folgte eine über 35-jährige Odyssee durch verschiedene Anstalten, aus denen der insgeheim längst als geheilt geltende Mesmer, immer wieder auszubrechen versuchte. Schließlich wurde er vergessen und erst 1964 in ein Altenheim nach Buttenhausen im Lautertal verlegt, wo er wieder ein selbstbestimmtes Leben führen konnte. Er erhielt eine kleine Werkstatt und begann seinen Traum zu verwirklichen – er baute ein Flugfahrrad aus Schrott. Damit abheben sah man ihn zwar nie, er versicherte aber, dass es ihm gelungen sei. So kam er zu seinem Namen: „Ikarus vom Lautertal“.

Erst spät folgte seine Anerkennung mit Ausstellungen in Städten wie Mannheim, Ulm, Lausanne und Wien. Auf der Weltausstellung EXPO von Sevilla 1992 – zwei Jahre vor seinem Tod – wurde im deutschen Pavillon eines seiner Flugräder als Kunstobjekt ausgestellt. So endet(e) die Geschichte eines Träumers, der neidisch auf die Schwingen der Vögel war und um dessen Andenken sich nunmehr eine nach ihm benannte Stiftung kümmert. Sie war beim Mesmerfestival einer der Mitveranstalter.

Ikarus mit Text und Musik
Holger Reile gelang mit seinem Hörspiel „Gustav Mesmer – Ikarus vom Lautertal“ ein einfühlsamer Einblick ins Leben des fantasievollen Flugradbauers, den die Gebrüder Köberlein (im Bild: Alexander) musikalisch untermalten.

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19.06.2012, 12:00 Uhr

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