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Il Divo - Der Göttliche

Clownesker Politkrimi um den durchtriebensten italienischen Nachkriegspolitiker Giulio Andreotti.

Clownesker Politkrimi um den durchtriebensten italienischen Nachkriegspolitiker Giulio Andreotti.

Il Divo - Der Göttliche

© null 01:48 min

IL DIVO
Italien

Regie: Paolo Sorrentino
Mit: Toni Servillo, Anna Bonaiuto, Flavio Bucci, Carlo Buccirosso

- ab 0 Jahren

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23.11.2015
  • Dorothee Hermann

Niemand kann ihm etwas anhaben. Kein linkes Graffito, das Italiens mehrfachen Ex-Premier Giulio Andreotti (herausragend: Toni Servillo) als einen der Hauptverantwortlichen für mehr als 200 Auftragsmorde zwischen 1969 und 1984 anprangert. Und die Justiz kann ihm erst recht nichts nachweisen, egal, wie viele Instanzen sie gegen ihn auffährt.

Regisseur Paolo Sorrentino belichtet die Biografie einer rechten Politgröße mit den Mitteln des Musikvideos, der linken Mythenerzählung, des Comic, des Actionfilms, und zeichnet eine bizarre Polit-Farce. Bloß sind die Stunts – in die Luft fliegende Autos und dergleichen – keine, sondern entsprechen Tatortaufnahmen aus der politischen Vergangenheit Italiens.

In einer fast in schwarz gehaltene Sequenz schaut der Premier sich ein Pferderennen an. In Gegenschnitten in Normallicht wird gerade ein weiterer Auftragsmord vollzogen. Der Tod fährt Motorrad, sieht aus wie ein abgehalfterter Rockmusiker, der sich vom Soundtrack – fantastischer Indierock der 80er – anturnen lässt, wie der Film-Andreotti von seinem Mitwissertum. Er scheint jede Geste, jede Sekunde des Kills vorauszusehen.

Er hat ein fahles Krötengesicht, scheint erstarrt in der immer gleichen Haltung: die Arme eng an den Körper gepresst, die Schultern zum Buckel gekrümmt, der breite Kopf kann sich kaum noch zur Seite wenden. Dennoch geht eine eigentümliche Dynamik von dem Anzugträger mit den eckigen Bewegungen aus. Noch die monumentalen Prachträume der Macht wirken nie statisch, selbst wenn er bloß an seinem Schreibtisch sitzt, und wieder einmal die Kopfschmerztablette im Wasserglas sprudelt.

Vor einem leinwandfüllenden (Blut-)Rot dudeln am Ende Trio ihren Wave-Hit „Da-da-da“. Es ist die Frivolität der vollkommenen Gleichgültigkeit gegenüber den Toten, einschließlich des von den Roten Brigaden ermordeten christdemokratischen Parteifreundes Aldo Moro. Das Krötengesicht musste abtreten, aber nach ihm ist Silvio Berlusconi aufgestiegen zu noch größerer Machtfülle.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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23.04.2009

12:00 Uhr

Askger schrieb:

Super Film, für den man sich aber zuvor über Andreotti informieren sollte.



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