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Das politische Buch · Hans Küng

Im Bund mit sieben Päpsten

Hans Küng: Sieben Päpste. Wie ich sie erlebt habe. Piper-Verlag. 384 Seiten, 24 Euro.

12.11.2015

Von ELISABETH ZOLL

Es ist eine illustre Runde, die der Tübinger Theologe Hans Küng in seinem Buch "Sieben Päpste" versammelt hat. Mit allen Kirchenmännern - angefangen bei Pius XII. und aufgehört bei Papst Franziskus - ist Küng verbunden: durch Begegnungen, Korrespondenz oder, wie im Fall von Johannes Paul II., durch eine dramatische Geschichte. Der Pole hat Küng 1979 die kirchliche Lehrbefugnis entzogen - und damit das Leben des kritischen Theologen aus der Schweiz auf eine neue Spur gesetzt.

"Individuelle Erfahrungen" will der 87-jährige Autor in leicht lesbarer Form noch einmal zusammenfassen, aber auch Erkenntnisse zu Papstgeschichte und Papstideologie sowie zu den Umständen der Zeit. Es sind sieben unterschiedliche Betrachtungen geworden. So blitzt noch einmal die Begeisterung des jungen Schweizers auf, der als Seminarist kaum im Collegium Germanikum in Rom angekommen schon dem germanophilen Papst Pius XII. gegenübertritt. Doch was Küng zunächst als großen persönlichen Moment verbucht, wird alsbald getrübt. Die harten Strafen, die gegen mutige linke Theologen und die Arbeiterpriester in Frankreich ausgesprochen werden, verstören Küng. "Glaube ist nicht Unterwerfung unter eine menschliche Autorität, sondern unbedingtes Vertrauen auf Gott", schreibt er.

Diese Überzeugung, die sich durch Leben und Wirken zieht, fordert von ihm selbst einen hohen Preis. Nachdem Versuche der Einbindung durch Papst Paul VI. nicht gefruchtet haben, holt Johannes Paul II. aus zum großen Schlag gegen den Rebellen in den eigenen Reihen.

Der Blick auf das lange Pontifikat des Polen fällt entsprechend kritisch aus. Geleitet wird er jedoch nicht nur von persönlicher Verletzung. Küng beklagt unter anderem die "Epoche der Restauration", die der inzwischen heilig gesprochene Pontifex zu verantworten habe, die Repressionen gegen Befreiungstheologen und die Beförderung konservativer Kirchenmänner, die sich bis in die heutige Zeit auswirkt.

Küng benennt die Maßstäbe, mit denen er die Päpste der Neuzeit misst. Es sind vor allem die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Forderung nach einer am Evangelium orientierten Ausübung des Amtes. Kein Wunder, dass aus dieser Perspektive Papst Franziskus Anerkennung einfährt. Es scheint, als habe Küng durch Franziskus seinen ganz persönlichen Frieden mit dem Papstamt finden können.

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Erstellt:
12. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. November 2015, 12:00 Uhr

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