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Geistesblitze aus der Stratosphäre

Im Finale der „Zeit“-Debatte ging es um Sponsoring bei Extremsportarten

Um Sponsoring bei Extremsportarten stritten, beflügelt von reichlich Red Bull, gestern die Finalist(inn)en der „Zeit“-Debatte in Tübingen.

26.11.2012
  • Matthias Reichert

Ehrenjuror Prinz Asfa-Wossen Asserate wünschte sich vorab gepflegten Streit. Als er einst in Tübingen studierte, erinnerte sich der Schriftsteller und Großneffe des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, „gab es keine Debattierklubs. Deshalb waren auch die Debatten in den Studentenparlamenten alles andere als englisch-elegant.“ Heute gibt es nicht nur zahlreiche Debattierklubs, sondern auch die „Zeit“-Debatte, die „zum fünften oder sechsten Mal“ in Tübingen gastierte, so genau wusste das keiner. Organisiert hat das Event der Verein Streitkultur. 120 Studierende und Doktoranden aus ganz Deutschland stritten am Samstag in Vorrunden im Kepler-Gymnasium.

Tübinger traten nicht an – „weil wir alle als Helfer brauchen“, so Pauline Leopold. Sonntagvormittag war das Halbfinale und nachmittags das Finale im Silchersaal der Museumsgesellschaft – Anlass für einen ironischen Seitenhieb des Berliner Redners Georg Sommerfeld auf „diesen dekadenten Saal“. Die Teams diskutierten als „Regierung“ und „Opposition“ ein Thema, das sie erst kurz vorher erfuhren. Beim Finale, in dem Jena auf Stuttgart traf, lautete es vor rund 200 Zuhörenden: „Soll das Sponsoring von lebensbedrohlichen Sportarten und Stunts verboten werden?“ Die Regierung trat für das Verbot ein. Jedes Team hatte drei Redner/innen. Für Rede und Gegenrede gab es jeweils sieben Minuten, ergänzt durch drei freie Kurzbeiträge.

„Sponsoring macht den Tod geil – und das wollen wir bekämpfen“, startete der Stuttgarter „Regierungsredner“ Igor Gilitschenski. Die Regierung habe nicht einmal geklärt, welche Sportarten gemeint seien, konterte die Jenaer Oppositionsfrau Friederike Meyer zu Wendischhoff.

Sie gestikulierten, Zwischenrufe waren erwünscht, immer wieder klopften Mitstreiter bei geglückten Argumenten auf die Tische. „Dann verbieten Sie doch die Sportart, nicht die Werbung“, schimpfte Severin Weingarten für die Opposition. Präsident Thore Wojke signalisierte mit Hammerschlägen die Zeit für Zwischenfragen. Zwei Schläge zeigten, dass die Redezeit um war. Die geistreiche Debatte entzündete sich am 35-Kilometer-Sprung des Österreichers Felix Baumgartner aus der Stratosphäre, der von der Firma Red Bull gesponsert wurde.

Es ging um Medienmacht und individuelle Verantwortung, um Experimente und Trendsetter, um Freiheit und die Flügel, die das Getränk angeblich verleiht. Ikarus wurde bemüht, Geisterfahrer-Witze wurden erzählt. Der letzte Redner war der beste. Die Ehrenjury, darunter der Tübinger Rhetorik-Professor Dietmar Till, kürte den Stuttgarter Nils Haneklaus zum Sieger.

Eine weitere Jury ernannte Stuttgart zum besten Team. Um Sponsoring beim Debattieren stritt niemand. Moderator Gregor Landwehr zählte brav die Förderer auf – die Telekom, das ZDF als Medienpartner, die Goldochsen-Brauerei und Red Bull, das die Redner beflügeln sollte.

Im Finale der „Zeit“-Debatte ging es um Sponsoring bei Extremsportarten
Die Debattenredner Igor Gilitschenski (Stuttgart) und Friederike Meyer zu Wendischhoff (Jena).Bild: Rippmann

Der Tübinger Verein Streitkultur, der die „Zeit“-Debatte hier organisierte, hat mehr als hundert Mitglieder, vor allem Studierende und Alumni. Ehrenjuror Ansgar Kemann hatte 1991 als Vorläufer die „Tübinger Debatte“, den ersten Debattierklub Deutschlands, gegründet. Als die Macher mit Themen wie Abschaffung der Kirchersteuer und Kinderadaption durch homosexuelle Paare zum öffentlichen Streitgespräch luden, erinnerte sich Kemann, mussten sie wegen Extremismusverdachts beim Senat antanzen: „Die Universität dachte, das ist eine Tarnveranstaltung.“

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26.11.2012, 12:00 Uhr

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