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Im Häs einen Namen gemacht
Mit guter Laune und Fans auf dem Gruppenbild: Die Lumpenkapelle Ergo Bibamus in Ruhpolding. Ihr Mitglied Wolfgang Müller, links neben dem Fan mit der neongrünen Jacke, erzählt über den alljährlichen Ausflug. Vereinsbild
Musik beim Biathlon

Im Häs einen Namen gemacht

Die Lumpenkapelle Ergo Bibamus mit Musikern aus Rottenburger Teilorten ist Stammgast in Ruhpolding – und sorgt für Spaß und Polizeieinsätze.

19.01.2017
  • Moritz Hagemann

Wenn sich die Reisegruppe von ihrer Unterkunft im Ruhpoldinger Josefshaus zur Biathlon-Strecke aufmacht, muss sie einige Stationen absolvieren: Da gibt die Lumpenkapelle (LuKa) ein Platzkonzert beim „Janos“, ihrem Stammlokal. Sie spielen ein Ständchen in der Modehandlung Dollinger und beim örtlichen Bäcker. Als Gegenleistung gibt’s ein Getränk, so sei das üblich. „Wir gehören da mittlerweile dazu“, sagt Wolfgang Müller, langjähriges Mitglied der LuKa Ergo Bibamus.

Seit 2011 reist die Gruppe jährlich zum Biathlon nach Ruhpolding, nur 2013 machte sie aus Termingründen eine Ausnahme. In diesem Jahr waren 15 Mann dabei. Mit dem Sportverein Weiler war der Niedernauer Müller 2006 schon einmal dort, damals noch ohne Instrumente. Bei einem Ausflug zum Skifliegen nach Oberstdorf fiel dem 37-Jährigen dann auf, dass Musik und Wintersport eine hervorragende Kombination ergeben. „Und in Bayern hat die Musik nochmal einen ganz anderen Stellenwert.“

In Ruhpolding, dem 6300-Einwohner-Ort in den Chiemgauer Alpen, war 2012 die Biathlon-Weltmeisterschaft. „Das absolut beste Erlebnis“, sagt Müller. Damals rannte Magdalena Neuner zu Gold im Sprintwettbewerb, während die LuKa am Streckenrand die Nationalhymne trällerte. Und auf der Straße im Ort ein Spontankonzert gab. „Da kam sogar die Polizei, weil die Autos nicht mehr durchgekommen sind“, sagt Müller – und spricht von hunderten Leuten, die angehalten und den Klängen der Kapelle gelauscht haben: „Die beschweren sich, sobald man den Mund vom Instrument nimmt.“ Sogar ein Fernsehteam machte Aufnahmen.

Immer donnerstags bricht der Tross auf und bleibt bis Sonntag. An zwei Tagen gehen die Musiker in ihrem Fasnetshäs an die Strecke. Müller habe bei den Wettkämpfen am vergangenen Wochenende dort in Oberbayern Bekannte aus Dettingen und Rangendingen getroffen, sagt er. „Und Norweger findet man im Überfluss.“ Die machen beim Biathlon ihre ganz eigene Party: „Morgens um acht sitzen die schon im Gang und trinken dann volles Programm durch“, erzählt Müller. Und sagt: „Viele Zuschauer sind wegen der Atmosphäre da, gar nicht so wegen den Rennen.“ Nach den Wettkämpfen strömen die Zuschauer ins große Festzelt und in den Championspark: „Das ist wie ein Weihnachtsmarkt“, sagt Müller, „nur mit größeren Hütten.“

Abseits der Strecke knüpft die LuKa Kontakte. Elfriede Ayerle begrüßte die Gruppe einst schelmisch als „Schwobaseggl“ und ist heute die gute Seele der Musiker. Sie passt auf, dass ja nichts verloren geht, „und wenn sie mit uns unterwegs ist, dann fühlt sie sich wie 50“, sagt Müller. Dabei ist die Ruhpoldingerin bereits 74. Einen guten Draht hat die LuKa auch zu Camilla Fischer aufgebaut, die eine Einkehrhütte an der Strecke hat. Fischer wohne 100 Meter vom deutschen Biathleten Simon Schempp entfernt. „Sie hat ihm schon gesagt, dass er für die LuKa Autogramme fertig machen muss“, erzählt Müller. Von Neuner hat ihnen Ayerle längst Autogrammkarten besorgt.

Im vergangenen Jahr hatten die Musiker sogar das Angebot, bei der Eröffnungsfeier des Weltcups zu spielen – sie lehnten aber ab. Weil der Tourismusverband Sorge hatte, dass die einheimischen Musiker vom Auftritt einer Gastkapelle beim großen Event wenig halten würden. „Das akzeptieren wir natürlich“, sagt Müller, der für das kommende Jahr schon ein Ziel hat: „Mal in den VIP-Bereich reinkommen!“ Der Kontakt zu Stadionsprecher Hermann Ohletz, einst Moderator der ZDF-Sportreportage, sei vielversprechend.

Aber die Unterkunft macht Sorgen: Das Josefshaus soll im kommenden Jahr abgerissen werden. „Und es ist echt schwer, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden“, sagt er. Ruhpolding wollen die Musiker trotzdem treu bleiben. Auch wenn Müller sagt: „Mich würde Antholz mal reizen.“ Dort, in Südtirol, steigt 2020 die Weltmeisterschaft. Noch bleibt Zeit zu planen.

Latein für Anfänger

Die Lumpenkapelle entwickelt sich seit 1991, gegründet von Holger Steininger und Patrick Mattern aus dem Obernauer Musikverein. Über einige Jahre fehlte ein passender Name, bis sich Wolfgang Müller 1998 mit dem Buch „Latein für Angeber“ auseinandersetzte. Darin fand der 37-Jährige in der Bier- und Weinpoesie von Johann Wolfgang von Goethe den Ausspruch „Ergo Bibamus“. Das heißt so viel: „Darum lasset uns trinken.“ Das, so sagt Müller, „ist doch für uns perfekt“. Die LuKa ist heute geographisch keinem Rottenburger Teilort zugeordnet.

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19.01.2017, 01:00 Uhr

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