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Die Lüge ist ein seltsames Spiel

Im Hayinger Naturtheater belehrt ein Hochstapler die Heuchler

Hayingen. „Mein Ruf, mein Ruf, mein guter Ruf“, ruft die Frau Doktor voll kalkulierter Empörung, als sie merkt, dass sie beim Heiratsschacher mit ihren Töchtern einem Hochstapler aufgesessen ist. Wie lauter ehrenwerte Heuchler schließlich einen Lügner entlarven, ist der Stoff der turbulenten Komödie „Der Lügner“ von Carlo Goldoni. In ihrer 64.

29.06.2012

Spielzeit bringen die Hayinger das erste völlig Un-Schlekersche Stück mit größter Bravour auf die Bühne: „So en Lugabeidl“ heißt es jetzt nach der Bearbeitung durch den Regisseur Jürgen Schlachter und in der Übersetzung ins Hayingersche durch Peter Edelburg.

„Schö schwätza tut er scho“, sagt Rosaura (Sandra Stoll), eine der umworbenene Töchterchen, ihre Schwester Beatrice (Betha Herb) ist nicht so kapriziös. Aber Lelio (Daniel Knorr), der Lugabeidl, der schwätzt Hochdeutsch. Knorr muss sich dabei gar nicht anstrengen, dass er gekünstelt klingt: Die Lüge spricht, die Wahrheit schwätzt. Die Komödie darf es sich auch einfach machen.

Schließlich ist die Situation kompliziert genug, in die der Windhund Lelio hineinplatzt: Den umschwärmten Töchterchen wird eine Serenade gesungen. Die hat der liebestolle, aber schüchterne Florindo (Dietmar Landenberger) in Auftrag gegeben. Aber flink erfasst Lelio die Situation und gibt sich unter bombastischen Namen als der Sweet Serenader aus. Plötzlich sind die Männer beim Poussieren in der Überzahl. Es sind mindestens drei, eher sogar mehr, weil die „geistreichen Erfindungen“ des Lelio die Zahl durch fiktive Mitbewerber noch erhöhen. Rechtzeitig treffen die besseren Kreise wieder ein (großer Auftritt für Karl Herbs Pferdekutsche).

Die schrille Frau Doktor (Ursel Nille) kann noch verhindern, dass sich ihre Töchter unter Wert verschleudern. Hat sie doch die eine zu besten Bedingungen dem Pantalone (Peter Edelburg) für dessen Sohn Lelio versprochen. Auf dem Heiratsmarkt platzt jetzt jede Minute eine Blase. Florindo fällt wiederholt in Ohnmacht, sehr komisch. Die langweilige Ehrlichkeit des Ottavio steigt plötzlich kräftig im Kurs. Lelio hangelt sich von Ausrede zu Ausrede, wenn’s mal nicht weitergeht, zieht ihn der kühl kalkulierende Pantalone an den Ohren.

Regisseur Schlachter verpasst der Aufführung gehörig Tempo, das die Schauspieler locker einhalten. Da hilft ein bisschen, dass die Bühnenbildnerin Valerie Lutz die Riesenbühne kleiner gemacht hat. Wie immer hat Uli Bühl eine sehr eigenständige Musik zum Stück geschrieben. Die schmachtende Serenade unterm Balkon ist mit viel Gegensinn versehen: „Wieder will von Lieb ich künden/ Kann doch keine Worte finden/ Und das ungewisse Zagen/ Weiß nicht, wie ich’s Euch soll sagen/ macht mich wirr und dumm.“

Die Auftritte des Chors in den Zwischenakten sind als packende Rap-Gesänge gestaltet, auch das Kehrwochenlied. Die Heuchler entlarven den Lügner und schmeißen ihn raus. Da steht der arme Tropf und hält noch bevor er mit Arlecchino auf dem Quad davonbraust eine Brandrede: Ihr seid ja auch nicht besser. Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat. Die Heuchler versprechen nämlich „Stets wöllet mir die hehre Wahrheit achten!“

Damit das Stück nicht noch verlogen endet, hat Bühl aus dem Gedicht „Lebenslügen“ von Josef Roth ein feines Liedchen geschrieben: „Der Mensch wird schon alsKind erzogen, und entsprechend angelogen.“ Die Premierenbesucher quittierten die Aufführung mit Bravo-Rufen (ein Jauchzer für Florindo) und begeistertem Beifall.fred keicher

Im Hayinger Naturtheater belehrt ein Hochstapler die Heuchler
Ottavio (Eberhard Herb, links) kämpft mit Lelio (Daniel Knorr) und Arleccino (Marc Philipp Knorr) schaut zu.Bild: Keicher

„So en Lugabeidl“ spielt das Naturtheater Hayingen bis zum 26. August, samstags um 20 Uhr, sonntags um 14.30 Uhr. Karten gibt es unter www.naturtheater-hayingen.de oder per Telefon 0180 50 50 286. Das Kinderstück „Der gestiefelte Kater“ hat am 14. Juli Premiere und wird bis zum 18. August immer samstags um 14.30 Uhr gespielt.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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