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Im Oktober ab 7,5 Tonnen: Toll Collect weitet Maut-Netz aus

Im Juli neue gebührenpflichtige Straßen für Lastwagen in der Region

Die Lkw-Maut wird dieses Jahr ausgeweitet: Im Juli kommen 1100 Kilometer neue Strecken dazu. Und ab Oktober sind auch Lastwagen ab 7,5 Tonnen aufwärts mautpflichtig. Deshalb bläst das Betreiber-Unternehmen Toll Collect jetzt zur bundesweiten Info-Offensive – am Dienstag auch in Reutlingen.

02.06.2015
  • Matthias Reichert

Tübingen/Reutlingen. 4,46 Milliarden Euro hat die Lkw-Maut voriges Jahr in die Kassen des Bundes gespült. Organisiert wird die Maut durch das Berliner Unternehmen Toll Collect. Fragt man Pressesprecherin Claudia Steen, nach welchen Kriterien die zusätzlichen Straßen ausgewählt wurden und wie viel Mehreinnahmen das bringen soll, muss sie passen: „Wir sind Dienstleister.“ Die Vorgaben kämen vom Gesetzgeber und von der Bundesanstalt für Straßenverkehr.

Im Juli neue gebührenpflichtige Straßen für Lastwagen in der Region
Das Maut-Kontrollfahrzeug – oben am Dach sind zwei Infrarot-Sensoren aufgebracht, um die Daten aus den Bordcomputern der Lastwagen zu erfassen.

Freilich gibt es Vorschriften für die 1100 Kilometer, die im Juli neu zum Maut-Netz dazukommen: Die Straßen müssen vier- oder mehrspurig sein, an mautpflichtige Autobahnen oder Bundesstraßen angeschlossen sein und dürfen nicht durch Ortschaften führen. Die bundesweit 43 „Inselstrecken“, wie etwa künftig zwischen Tübingen und Reutlingen, müssen mindestens 4 Kilometer lang sein (siehe Kasten).

Zum 1. Oktober wird der Kreis der mautpflichtigen Lastwagen erweitert – künftig gilt die Maut für alle Lkw ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, vorher waren nur Laster mit 12 Tonnen aufwärts mautpflichtig. Lkw mit Hängern sind eingeschlossen. Steen schätzt, dass die neue Regelung 250.000 Laster betrifft, davon 160.000 in Deutschland. Heute sind bereits mehr als eine Million Lastwagen von 160.000 Unternehmen in 44 Ländern registriert.

Die Berechnung der Maut ist kompliziert – und wird noch komplizierter. So gibt es künftig vier statt zwei Achs-Klassen. Im Oktober tritt eine neue Tarif-Tabelle in Kraft. Belohnt wird, wer die Luft weniger verschmutzt. Und wer viel fährt, muss mehr zahlen. Je nach Achs- und Schadstoffklasse berappen die Spediteure dann zwischen 8,1 und 21,8 Cent pro Kilometer. Wobei niedrige Schadstoffklassen schon jetzt klar überwiegen.

Toll Collect erwartet, dass durch das verringerte Lkw-Gesamtgewicht auch kleine Spediteure, Handwerker, Bau- und Gartenbetriebe betroffen sind. Deshalb bläst das Unternehmen zur Info-Offensive in bundesweit 16 Städten. Toll Collect informiert Verbände und Politiker, aber natürlich kann sich jede/r auf der Homepage www.toll-collect.de Maut-Tabellen und Streckennetze herunterladen.

Die einfachste Registrierungs-Methode für die Maut sind Bordcomputer. Die stellt Toll Collect kostenfrei zur Verfügung, das betroffene Unternehmen zahlt nur den Einbau. Der dauert ein bis vier Stunden – je nachdem, ob der Laster schon vorgerüstet ist. Bisher sind 830.000 solche Computer im Einsatz, geschätzte 85.000 sollen noch dazukommen.

Im Juli neue gebührenpflichtige Straßen für Lastwagen in der Region
„Der Lkw-Fahrer ist damit ziemlich gläsern“: Maut-Kontrolleur Thomas Gensch vom Bundesamt für Güterverkehr am Kontroll-Computer.

Das Gerät sieht aus wie ein Autoradio und gibt die Maut-Daten mit GPS-Satellitenverbindung automatisch weiter. „Wir empfehlen, dieses Gerät einbauen zu lassen“, sagt Steen. Dafür seien mehr als 1200 Servicepartner in 13 Ländern geschult worden. Man kann sich aber auch über Internet registrieren, dann muss man drei Tage im voraus buchen. Bei Strecken-Änderungen muss man gegebenenfalls stornieren und neu buchen. Dasselbe gilt für die bundesweit 3600 Mautstellen an Tankstellen und Autohöfen, die in der Regel neben Geldautomaten stehen. Wichtig ist: „Man muss sich vor Benutzung der mautpflichtigen Strecke anmelden“, sagt Frank Weibrecht. Er ist beim Bundesamt für Güterverkehr Leiter der Kontrolleinheit Baden-Württemberg-Süd und überwacht mit 16 Mitarbeitern, dass die Maut auch gezahlt wird. „Wir kontrollieren 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche.“ Bundesweit sind 470 Kontrolleure im Einsatz.

Zunächst überwachen sie die Lastwagen mobil. Im Vorbeifahren lesen Infrarot-Sensoren auf dem Bundesamts-Fahrzeug die Daten in den Bordcomputern der Laster ab. Wer keinen Bordcomputer hat, wird durchs Kennzeichen überwacht. Erwischen die Beamten einen Nicht-Zahler – von Maut-Preller wollen sie nicht sprechen, weil sie keinen Vorsatz unterstellen wollen –, winken sie ihn heraus. Dann kommt zum einen eine Maut-Rechnung und zum zweiten ein Bußgeld, dass bis zu 10.000 Euro betragen kann.

Landesweit drei portable Überwachungsgeräte stellen die Kontrolleure auf Brücken auf. „Die sehen aus wie Blitzer“, sagt Weibrecht. Weiter gibt es bundesweit 150 stationäre Kontrollbrücken an Autobahnen – wer erwischt wird, den winken die Beamten dahinter auf einen Kontrollplatz heraus. Mit diesen Möglichkeiten hat das Bundesamt voriges Jahr 23 Millionen Lastwagen kontrolliert – 10 Prozent des Gesamt-Verkehrs. Zudem gibt es Kontrollen in Betrieben. Der Anteil der Verstöße gegen die Mautpflicht liegt laut Claudia Steen unter 1 Prozent: „Die Unternehmen haben das System sehr gut angenommen.“

Bisher war in der Region nur die B27 von Stuttgart bis Tübingen mautpflichtig. Am 1. Juli kommen folgende Strecken dazu: Die B27 von Dußlingen Süd/Nehren bis Tübingen-Bläsibad sowie von Bodelshausen bis Balingen-Süd, die B28 Tübingen bis Reutlingen, die B28/312 von Reutlingen, Königstraße, bis Metzingen-Ost. Insgesamt kommen bundesweit 1100 Kilometer Mautstrecke dazu. Damit sind dann 2350 Kilometer Bundesstraßen und 12.800 Kilometer Autobahnen in beiden Richtungen mautpflichtig. Bislang galt die Maut nur für Laster mit 12 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, vom 1. Oktober an gilt die Maut bereits ab 7,5 Tonnen.

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02.06.2015, 12:00 Uhr

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