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Fürs Parkhaus wird mobilisiert - Palmer kontert mit Provisorium

Im Klinikum regt sich der Protest gegen die Stellplatznot

Die Parksituation am Uniklinikum ist schon lange ein Ärgernis, dies finden Beschäftigte und Patienten. Wie aber wird es erst, wenn die Augenklinik auf dem Schnarrenberg in Betrieb geht? Mitarbeiter des Klinikums gründeten eine Bürgerinitiative, der Klinikumsvorstand wendet sich außerdem per Flyer an die Patienten. Und die Stadt? Die hat, so Oberbürgermeister Boris Palmer, schon ein Konzept in der Tasche.

12.08.2014
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. In Tübinger Briefkästen steckten in diesen Tagen Broschüren einer Bürgerinitiative „Parkraum auf dem Schnarrenberg schaffen“. Initiatoren sind Focke Ziemssen und Mónica Zarzo Vargas, Mitarbeiter der Tübinger Augenklinik. Der Broschüre liegt eine Karte bei, mit der man die Bürgerinitiative unterstützen kann. 15.000 Exemplare wurden bisher gedruckt. Der Prospekt ist aufwändig gestaltet, die Kosten seien dennoch gering, da es in der Bürgerinitiative Mitglieder mit grafischem Geschick gebe. Bislang besteht die BI aus zwölf Mitarbeiter/innen verschiedener Kliniken und Patienten. „Wir sind nicht ideologisch aufgestellt“, sagt Focke Ziemssen. Parteipolitisch unabhängig und basisdemokratisch, so beschreibt der Oberarzt an der Augenklinik die Initiative.

Für ihn, der selber mit dem Rad zu seinem Arbeitsplatz am derzeitigen Standort der Augenklinik an der Schleichstraße fährt, erscheint die Parksituation auf dem Schnarrenberg schon jetzt verworren genug. Unerträglich werde es aber, wenn die „größte Ambulanz des Klinikums“ mit bisher 70.000 Patienten im Jahr, sprich: die Augenklinik, auf den Berg zieht. Die rund 1600 Stellplätze der beiden Parkhäuser auf dem Schnarrenberg bräuchten dann dringend Verstärkung. „Man wird irgendwo ein neues Parkhaus bauen müssen – mit Erweiterungsmöglichkeiten“, so Ziemssen. Aber nicht nur für die Autofahrer will die BI da sein, auch für Radfahrer und E-Biker sollen bessere Bedingungen, wie Stellplätze und Aufladestationen, geschaffen werden.

Auch der Vorstand macht mobil

Während sich die Bürgerinitiative vom Tal aus für eine bessere Erreichbarkeit der Kliniken einsetzt, bemüht sich parallel dazu die Klinikums-Spitze auf dem Berg, die Patienten zu mobilisieren. Auf Flyern und Aushängen an den Parkhäusern werden sie informiert. „Insgesamt 330.000 Patienten besuchen unsere Sprechstunden, über 65.000 Patienten werden jährlich stationär aufgenommen.“ So beschreibt der Klinikumsvorstand die Situation. Viele Kliniken, die früher nahe der Altstadt angesiedelt waren, seien mittlerweile auf den Schnarrenberg umgezogen. Dort wurden außerdem verschiedene Forschungsgebäude gebaut und Arbeitsplätze geschaffen, ohne dass neuer Parkraum hinzu kam.

„Wir kriegen massenweise Beschwerden von Patienten“, sagt Ellen Katz, Pressesprecherin des Klinikums. Schon die derzeitige Parkplatzsituation sei ein „Ärgernis hoch drei“ und die „Parkplätze im Normalfall pickepacke voll“.

Der Umzug der Augenklinik auf den Schnarrenberg, der im Frühjahr 2016 abgeschlossen sein soll, werde den Bedarf um mindestens 300 Parkplätze erhöhen. Für ein Uniklinikum mit einem so großen Einzugsbereich, wie das Tübinger, reichten die normalen Krankenhaus-Berechnungsschlüssel einfach nicht aus.

„Die Stadt Tübingen“, so die Kritik im Flyer, „hält das Parkplatzangebot für ausreichend.“ Deshalb wende sich das Klinikum nun an die Öffentlichkeit. Mit ihrer Unterschrift können Patienten die Forderung besiegeln: „Das Klinikum braucht mehr Parkplätze!“

In der vergangenen Woche hatte Boris Palmer bei seiner Pressekonferenz zum Jobticket schon betont, dass das Klinikum mit der Einführung der vergünstigten Bahn- und Busfahrkarten „seine Hausaufgaben gemacht“ habe. Jetzt sei der Tübinger Gemeinderat gefragt. Palmer misst den Erfolg des Jobtickets nicht an den Rückgabezahlen der Parkberechtigungsscheine von UKT-Mitarbeitern, sondern an der Zahl der zusätzlichen, im Jahresschnitt verkauften Ticket-Abos (750). Palmer will Jobticket nicht gegen Parkhaus ausspielen. Vor zwanzig Jahren aber habe der Tübinger Gemeinderat beschlossen, dass im Klinikumsbereich nur Stellplätze genehmigt werden, die baurechtlich nötig sind, der angrenzende Steinenberg sei ganz tabu. Derzeit, und da ist der OB anderer Meinung als BI und Klinikumsvorstand, verfüge das Klinikum noch über „ausreichend Plätze“. Mit einem elektronischen Parkleitsystem seien sie besser auffindbar. Wenn die Not dennoch groß ist, sollte das Klinikum erst mal den Beweis dafür antreten.

Erst ein Schotterplatz, dann unterirdisch

Auch Palmer sieht ein, dass mit der Augenklinik ein „neuer Bedarf“ an Parkplätzen entsteht. Er selber hat dafür zwei Lösungen parat: Ein kurzfristiges Provisorium und eine mittelfristige bis langfristige Entlastung. Zunächst soll ein „Bauplatz gegenüber der Augenklinik“ als provisorisch geschotterter Parkplatz dienen. Er werde Plätze in „deutlich dreistelliger Zahl“ bieten. Städtebaulich fragwürdig findet Palmer, an dieser Stelle ein Parkhaus zu bauen. „Der Parkverkehr fährt dann durchs gesamte Klinikumsgelände.“ Mittelfristig sieht er eine Lösung in der Erweiterung des Parkhauses (P4) an der Klinikumseinfahrt. Sie könne unterirdisch auf dem bisherigen Gelände des Instituts für Interdisziplinäre Biochemie verlaufen. Das Institutsgebäude soll abgerissen und auf der Morgenstelle neu gebaut werden. Seine Vorschläge will Palmer im Herbst dem Gemeinderat machen.

Im Klinikum regt sich der Protest gegen die Stellplatznot
Der gelb markierte Bau ist die neue Augenklinik, die weiße Fläche daneben könnte ein provisorischer Parkplatz werden. Das rosafarbene Gebäude ist das Interfakultäre Institut für Biochemie, das 2020 abgerissen werden soll und damit Fläche für unterirdisches Parken freigeben könnte.

Im Klinikum regt sich der Protest gegen die Stellplatznot
Focke ZiemssenPrivatbild

Das Klinikum verfügt bisher über zwei gebührenpflichtige Parkhäuser (P4 und P5). P4 hat 832 Stellplätze (12 Plätze für Behinderte), P5 etwas weniger, nämlich 759 Parkplätze (23 für Behinderte). Darüber hinaus gibt es Parkmöglichkeiten gegen Gebühr an der Schnarrenbergstraße, für Patienten aber oft zu weit entfernt. Das BG-Parkhaus bietet 261 Plätze, das Parkhaus in der Ebenhalde ist zwar mit 500 (gebührenpflichtigen) Plätzen ausgestattet, aber als Parkgelegenheit bei der Morgenstelle in weiter Klinik-Entfernung. Das gilt erst recht für das Morgenstelle-Parkhaus (664 Plätze).

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12.08.2014, 12:00 Uhr

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