Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Auf den letzten Drücker

Im Kopierladen liegen die studentischen Nerven oft blank

„In einer Stunde muss ich abgegeben!“ – diesen Satz hört Benjamin Kuhn oft. Denn wenn Studenten den Kopierladen betreten, in dem er arbeitet, dann meist mit flatternden Nerven. Schließlich geht es um nichts weniger als den Druck ihrer Abschlussarbeiten. Ein Gespräch über verrutschte Texte, Beruhigungsversuche und Studenten mit Augenringen.

03.02.2010

AUDIMAX: In welcher Verfassung sind Studenten, die ihre Arbeit bei Ihnen drucken und binden lassen wollen?

BENJAMIN KUHN: Sie sind oftmals sehr aufgelöst. Die Finger zittern, wenn sie mir den USB-Stick überreichen, auf dem ihr Dokument gespeichert ist. Viele erzählen mir, dass sie die ganze Nacht durchgeschrieben hätten. Sie stehen dann morgens um neun Uhr auf der Matte und haben Panik, den Abgabetermin nicht einhalten zu können.

Dann müssen Sie sicher therapeutische Fähigkeiten zeigen.

Ich sage immer, dass es schon klappen wird. Dass wir das hinkriegen. Manche Studenten werden dann ruhiger.

Was passiert, wenn sich die Datei nicht öffnen lässt oder der Text plötzlich ganz anders aussieht?

Ich rate immer, die Arbeit in ein PDF-Format umzuwandeln, weil sich Texte in Word leicht verschieben. Mein Kollege hat mal einer Studentin unter Zeitdruck mehrere Stunden geholfen, ihren Text wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen. Einen Tag später hat sie ihm eine Schachtel Pralinen vorbeigebracht. Meistens ist die Panik der Studenten jedoch unbegründet. Es kann schon mal zu Problemen kommen, eine Lösung ist aber in der Regel schnell gefunden. Ich rate nur jedem, rechtzeitig vorbeizukommen. Das heißt, spätestens eine Stunde vor Ende der Abgabefrist.

Überträgt sich die Aufregung manchmal auf Sie?

Wenn zehn Kunden im Laden stehen und ihre Arbeit gedruckt haben wollen, wird es schon stressig. Ein Doktorand kam einmal 30 Minuten vor Abgabeschluss und wollte seine Arbeit viermal gedruckt haben. Aber selbst das hat geklappt.

Der hatte gute Nerven. Wie reagieren die Studenten, wenn sie ihre ausgedruckten Arbeiten endlich in den Händen halten?

Die meisten stellen sich in eine Ladenecke und blättern Seite für Seite akribisch durch. Ich sage ihnen dann, dass das in letzter Minute auch nichts mehr bringt und sie einfach abgeben sollen. Den einen oder anderen Fehler wird man nämlich immer noch entdecken.

Wie transportieren die Studenten ihre Exemplare zur Uni?

Sie fassen sie schon wie mit Samthandschuhen an. Manche lassen sich von uns auch einen Pappkarton geben, in dem sie die Arbeit dann vor sich hertragen.

Sie haben jeden Tag mit Texten zu tun, in die Menschen sehr viel Zeit und Herzblut gesteckt haben. Lesen Sie die auch manchmal?

Es kommt schon mal vor, dass der Titel einer Arbeit interessant klingt. Aber meistens habe ich keine Zeit, sie zu lesen.

Das Interview führte Antonia Kurz

Im Kopierladen liegen die studentischen Nerven oft blank
Benjamin Kuhn Bild: Kurz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.02.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball