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Leitartikel über die Präsidentenwahl des FC Bayern

Im Kreis der Seinen

Die Halle, in der normalerweise die Basketballer des FC Bayern nach Körben jagen, ist eigentlich eine Nummer zu klein. Drücken und drängeln werden sich die Mitglieder, wenn Uli Hoeneß heute Abend um das höchste Amt in dem Münchner Traditionsklubs kandidiert. Es ist ein volkstümliches Miteinander zu erwarten, der Ausgang der Präsidentenwahl scheint klar. Hoeneß war, ist und bleibt der Patriarch des Vereins, und er wird in der als FC Bayern AG ausgegliederten Kapitalgesellschaft der Fußballer höchstwahrscheinlich auch wieder den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernehmen.

25.11.2016
  • Armin Grasmuck

München. Im Kreis der Seinen scheint Hoeneß weiterhin über allem zu stehen und zu strahlen. Die privaten Vergehen, der kapitale Steuerbetrug mit anschließender Haftstrafe, haben ihm die meisten Klubmitglieder längst verziehen. Sie schätzen den vor knapp 65 Jahren in Ulm geborenen Macher und Strategen als den Architekten der großen Erfolge der Bayern, auf dem Platz und auch daneben. Wie selbstverständlich trauen sie ihm zu, den Klub in die Zukunft zu führen.

Es klingt ein Spur zu fromm, wenn Hoeneß sagt, er wolle seinem Klub bis zum Ende aller Tage dienen. Weil er selbst aus dem Gefängnis heraus stets den direkten Draht in die Klubzentrale gepflegt zu haben scheint, weiß er genau, auf was er sich einlässt, wie vielfältig, fordernd und weitreichend die Aufgaben sind, die er kurz- und mittelfristig mit den Bayern zu bewältigen hat. Die Hänger der Fußballer, die in der Bundesliga und im Europapokal zuletzt außergewöhnliche Schwächen offenbarten, sind in diesem Zusammenhang unbedeutend.

Viel mehr geht es für die Bayern, die unter Hoeneߑ Regie eine selbst im weltweiten Vergleich des Spitzensports einmalige Erfolgsquote aus Titelgewinnen und Kapitalerträgen erzielt haben, darum, in dieser Phase der glorreichen Klubgeschichte alle Kräfte zu bündeln, um die Spitzenposition auf nationaler und internationaler Ebene verteidigen zu können.

In der Bundesliga droht den Münchnern neue und nachhaltige Konkurrenz durch finanzkräftige Emporkömmlinge wie dem RB Leipzig, der als hundertprozentige Tochter eines global agierenden Getränkekonzerns, auch strategisch betrachtet, bestens aufgestellt ist. Im kontinentalen Wettbewerb wirken die englischen Klubs, die, aufgepumpt von milliardenschweren Investoren und üppigen Fernseherlösen, im Geld zu schwimmen scheinen, in dem Kampf um die Spieler der Spitzenklasse auf lange Sicht unschlagbar. Dazu kommen die Chinesen, die mit großem Aufwand versuchen, eine Macht des internationalen Fußballs zu werden.

Nur drei Tage pro Woche, so hat Hoeneß angekündigt, werde er als Präsident in seinem Büro auf der Geschäftsstelle an der Säbener Straße arbeiten. Es klingt, als wolle er es entspannter angehen lassen. Wer Hoeneß kennt, der ahnt jedoch, das er an den vermeintlich freien Tags keineswegs die Beine im Tegernsee baumeln lässt. Mit aller Kraft wird er daran arbeiten, den Klub auf Kurs zu halten. Er weiß nur zu gut, bei aller Liebe, dass auch in München nur das Ergebnis zählt.

leitartikel@swp.de

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25.11.2016, 06:00 Uhr

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