Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Lagermäßige Unterbringung“

Im Kusterdinger Wohngebiet „Im Kohl“ entsteht neuer Wohnraum für Flüchtlinge

Am Waldrand Richtung Kirchentellinsfurt soll eines der drei von Asylbewerbern und Obdachlosen bewohnten Häuser abgerissen werden. An dessen Stelle plant die Gemeinde einen Neubau. Der Technische Ausschuss brachte das Vorhaben am Mittwochabend einstimmig auf den Weg – allerdings nicht ohne Vorbehalte.

10.07.2015
  • Christine Laudenbach

Kusterdingen.Dass das Gebäude „Im Kohl 4“ nicht mehr heutigen, „selbst einfachen Standards“ entspricht, stand bei Verwaltung und Vertretern des Gremiums gleichermaßen außer Frage. Sanieren, so die Ausführung des Ortsbaumeisters Oliver Polzin, sei wirtschaftlich nicht zu vertreten. Die Gemeinde schlage daher vor, das Haus abzureißen und an dessen Stelle in Modulb auweise ein neues hinzustellen. Innerhalb des Landesförderprogramms „Wohnraum für Flüchtlinge“ wurden dafür bereits rund 142 000 Euro bewilligt.

Die momentan dort lebende Familie kann ins Nachbargebäude umziehen. Das Abrisshaus wäre somit zum 1. August frei. Der Neubau bietet auf rund 240 Quadratmetern Platz für zwölf Personen. Wie zuvor sollen dort Flüchtlinge mit vorläufigem Bleiberecht wohnen. Mit dem Projekt wolle Kusterdingen dem Strom der „laufend zugewiesenen“ Asylbewerber begegnen, unterstrich Bürgermeister Jürgen Soltau, gezielt mit „modernem Wohnraum.“

Hier hakte Nina Zorn von der Härtenliste ein: Dem Projekt würde sie zwar zustimmen, leitete sie ihre „Gedanken zu dem Vorhaben“ ein – allerdings nur, „mit halbem Herzen“. Diese, ihrer Meinung nach „zweitschlechteste Lösung“, verstärke „die lagermäßige Unterbringung Im Kohl“. Die Bewohner lebten am Ortsrand, unter sich. Die sanitären Verhältnisse: ein einziges „Synonym“ für ihre These. Nach der Planung teilen sich zehn Personen eine Dusche, fünf bis sieben ein Waschbecken. Die Gemeinde stehle sich aus der Pflicht, günstigen kommunalen Wohnraum zu schaffen, kritisierte Zorn.

„Der Vokabel ‚lagermäßig‘ kann ich mich nicht anschließen“, erwiderte Soltau betroffen. „Das ist der Not gehorchend, anderswo werden Zelte aufgebaut.“ Gemeinsam mit Ortsbaumeister Polzin habe er sich die neu bezogenen Wohnmodule in den Tübinger Mühlbachäcker angeschaut. Die Asylunterkunft sei „absolut gut und modern“. Über die Standards habe er sich beim Landratsamt informiert. Zudem sei „Im Kohl“ keine schlechte Wohnlage: am Waldrand gelegen und die Bushaltestelle nicht weit. Auch wenn Flüchtlinge oder Obdachlose dort dauerhaft wohnen, sehe er das nicht als Problem – das Förderprogramm schreibt eine Zweckbindungsfrist von zehn Jahren vor.

Primär müsse sich die Gemeinde um ihre Pflichtgebäude kümmern, wie Kindergärten und Schulen und habe damit alle Hände voll zu tun. Solange diese primären Aufgaben nicht erfüllt seien, sehe er es nicht als Aufgabe der Gemeinde, „für alle Zuziehenden Top-Wohnraum zu schaffen“. Ohne weitere größere Einwände stimmten die Räte der Planung zu.

Im Kusterdinger Wohngebiet „Im Kohl“ entsteht neuer Wohnraum für Flüchtlinge
Wohnen im Grünen: Ganz rechts „Im Kohl“ soll bald ein neues Modulhaus stehen, das Platz für zwölf Flüchtlinge bietet. Bild: Sommer

In einer Klausurtagung wurden die gemeindeeigenen Gebäude vorgestellt. Über deren Zukunft wird nun Schritt für Schritt entschieden. Der Neubau „Im Kohl 4“ orientiert sich in Raum und Ausstattung an „entsprechenden Hinweisen des Landratsamtes“. Die Gelder des Förderprogrammes sind an Auflagen gebunden: Neben der Zweckbindungsfrist und der Modulbauweise wird etwa eine Mindestwohnfläche von zehn Quadratmetern pro Person vorgeschrieben – ohne Gemeinschaftsfläche. In den Sanitärräumen müssen sich zehn Bewohnerinnen eine Toilette teilen, 15 Männern steht ein Urinalbecken und ein Klo zu. Ein Herd je sieben Menschen ist Küchen-Standard.
Rund die Hälfte der noch nicht bezifferten Kosten werden für den Bau veranschlagt. Für den Standard des Gebäudes sind 25 Prozent vorgesehen, für den städtebaulichen, gestalterischen und architektonischen Aspekt 15 Prozent. Rund 10 Prozent darf die Umsetzung des Raumprogrammes kosten. Bei Ausschreibung und Vergabe unterstützt das Büro Atrium die Verwaltung.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball