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Gewachsenes stärken

Im Lamm wurde über die Tübinger Kultur debattiert

Weniger Großevents von außen, eine Stärkung der eigenen Kulturszene, ein besseres Raummanagement, klarere Zuständigkeiten bei der Stadt: Das sind einige Wünsche, die Kulturschaffende beim Tübinger-Themen-Abend „Kultur in Tübingen – Orchideengarten oder schwäbische Magerwiese“ am Mittwoch im Lamm äußerten.

30.11.2012
  • Peter Ertle

Tübingen. Kultur sei so wichtig wie Straßenbau, sagte Zimmertheater- Co-Intendant Christian Schäfer zu Beginn. Aber wie baut man diese Straßen? Und welche will man? Auf dem Podium diskutierten außer Schäfer noch Adalbert Sedlmeier vom Sudhaus, Unimuseumsdirektor Ernst Seidl, Kulturnachts-Organisator Michael Raffel, Sommernachtskino-Veranstalter Carsten Schuffert und Kunsthistoriker Walter Springer.

Lauter Männer, ja, aber alle angefragten Frauen hätten abgesagt, beteuerten die Organisatoren und Moderatoren Reinhard von Brunn, Ernst Gumrich und Armin Scharf. Dann also die Männer: Carsten Schuffert sieht in Tübingen vor allem eine mangelnde Vernetzung zwischen der städtischen Kulturpolitik und den vielen Initiativen. Es fehle generell ein klares Profil und es mangle an Zuständigkeiten. Als Beispiel nannte er die jährlich am Haagtor veranstaltete Feuerzangenbowle. Bereits vor einem Jahr hatte er – auch in der Presse – angekündigt, das defizitäre Spektakel nicht mehr weiter organisieren zu wollen. Aber erst vor vier Wochen kam die Stadt auf ihn zu. Allerdings lediglich mit dem Hinweis, man könne das doch nicht einfach so aufgeben. Es war übrigens nicht das Kulturamt, sondern das Ordnungsamt.

Kunsthistoriker Walter Springer berichtete von einer Odyssee auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner bei der Stadt, nachdem er die Baufälligkeit der Dannecker-Nymphen entdeckt hatte. Er wurde am Ende beim Tiefbauamt fündig.

Um bei Ämtern zu bleiben: Mit dem Denkmalschutzamt wurde bald auch eine nicht städtische Behörde in die Kritik genommen. Wenn er sich ansehe, wie die Balustrade am rückseitigen Schlosstor aussehe, könne er sich nur fremd schämen, beklagte Uni-Museumsdirektor Ernst Seidl. Und wieder an die Adresse der Stadt gewandt: „Wenn wir eine Ausstellung bewerben, dürfen wir entweder fünf Plakate für vier Wochen oder zehn Plakate für zwei Wochen aufhängen.“ Diese Auflagen könnten nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Und: Eine Uni-Sammlung hinter der Mensa zu präsentieren, dagegen eine Institution wie die Musikschule, die auf Besucher nicht angewiesen sei, in die Innenstadt holen zu wollen, sei Unsinn.

Dann stellte Seidl die Gretchen frage des Abends: „Wollen wir eine ’Rothenburgobdertauberisierung‘ Tübingens oder sagen wir, es ist gut so, wie es bisher war?“ Weder noch, so die mehrfach gegebene Antwort. Man habe nichts gegen möglichst viele Touristen, so nicht nur Stadtführerin Andrea Bachmann, die in der Publikumsrunde dazukam.

Kaum Räume für eine Zwischennutzung

Doch die Besucher der Stadt sollten nicht nur auf dem Touripfad durchs Zentrum geführt werden, pflichteten ihr andere bei. Springer vermutete: „Vielleicht ist das Touristik-Konzept des Bürger- und Verkehrsvereins ein bisschen veraltet.“ Vielmehr sollten die Touristen länger bleiben und gleich auf das lebendige Tübinger Kulturangebot aufmerksam gemacht werden. Statt auf eine Nabucco-Oper im Schloss, die Michael Raffel auch rückblickend noch „für einen großen Quatsch“ hält.

Walter Springer verstand nicht, „warum man eine Million für das Event um den Tübinger Vertrag, aber keine 30 000 Euro für das marode Uhlanddenkmal“ haben will. Einen wichtigen Punkt brachte in der Publikumsrunde Ulf Siebert ein. In Tübingen gebe es kaum Räume zur kulturellen Zwischennutzung. Schuffert berichtete aus Hamburg von einer gut funktionierenden Plattform für solche Räume. In Tübingen dagegen müsse man bei der Uni oder der GWG nachfragen, finde nichts und falls doch, „muss man einen zwanzigseitigen Vertrag unterschreiben und dreimal mit dem Hausmeister sprechen“.

Bei aller Kritik: Alle priesen auch die Vielfalt des Tübinger Kulturlebens, die man sonst nur in großen Städten finde, ihre Güteklasse: Das Urpferdchen, die Motette, der Jazz im Prinz Karl seien bundesweit einzigartige Phänomene, auf die man die Menschen nur mehr stoßen müsse. Insofern lautete die Fragestellung des Abends: „Wie kann man Gutes noch besser machen?“

Ob Mitglieder der BI Wilhelmvorstadt, der frühere Stadtplaner Andreas Feldtkeller, der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbunds Frieder Miller, Richard Kaiser vom Jazz im Prinz Karl oder Cornelia Szelenyi vom Künstlerbund – es saß fast immer jemand auf den fürs Publikum vorgesehenen drei freien Plätzen und sprach. Nur der zahlenmäßige Zuspruch der Veranstaltung war mit 80 Besuchern: bescheiden.

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30.11.2012, 12:00 Uhr

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