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Gar lustig ist das Räuberleben

Im Naturtheater Hayingen sind heuer die „Räuber im Schafspelz“ los

Gesungen wird viel im Stück. „Isch des net herrlich, zsamma senga en dr freia Natur“, ruft der Schäfer Walter den Kindern zu, die ihn umlagern. Die wollen das Räuberlied singen: „Ja wir sind die Räuber-Leute/ Bscheißet, stehlet, machet Beute! Wir sind Räuber, wir sind frei/ Gesetze sind uns einerlei.“

01.07.2014
  • Fred Keicher

Hayingen. In der dritten Spielzeit der Ära Jürgen Schlachter bringt der Regisseur mit „Der Räuber im Schafspelz“ ein selbstgeschriebenes Stück auf die Bühne, das die besten Züge des Hayinger Naturtheaters vereinigt: frecher Witz und feine Derbheit in einer märchenhaften Welt von Räubern, Bauern, Grafen und Verliebten, die gar nicht so weit weg ist von der Wirklichkeit.

Der arme Schäfersohn Walter liebt weit über seinen Stand hinaus: die Grafentochter Amalie. Kann das gut gehen? Und wie die Bauern als Räuber ihr Schicksal in die Hand nehmen, packt sich Walter ein Herz und wird Sing-Wesir mit Diplom und einem fantastischen morgenländischem Gewand. Ein Hochstapler halt oder ein Schauspieler. Dietmar Landenberger-Edelburg, das zentrale komische Talent der Hayinger, bewältigt diesen liebestollen Charakter mit Bravour.

Die Grafentochter ist aber auch unerreichbar, weil sie verschwunden ist. Der Adel meuchelt nicht nur die Bauern („Den Grafen geht es gut, sie waten ja im Bauernblut“), sondern ihresgleichen, wenn’s um Macht und Geld geht. Graf Franz (Marc-Philipp Knorr) hat nämlich seine Schwester um die Ecke gebracht, um den Titel zu erben. Die Aktion hatte einen unklaren Ausgang. Amalies Zofe Edelgard hat sie den Verstand geraubt. „Amalie leabt daut“, ruft Edelgard. Amelie lebt tot. Viel Text hat Ursel Nille nicht, um aus ihrer Irren-Rolle was Großes zu machen.

Die Räuber tun, was Räuber gerne tun: Sie stehlen bei den Reichen, klauen die Steuereinnahmen und geben sie den Steuerzahlern zurück. Das bringt ihnen den Titel Freiheitskämpfer ein. Und damit deutet sich schon früh an, dass am Ende des Stücks eine Revolution stattgefunden haben wird. Die Räuber sind ein fideles Völkchen. Ein verfressener Kapuziner (Peter Edelburg) ist ihr Anführer. Er hat einen Mordsranzen und für alles ein Bibelspruch. Dem Steuereintreiber setzt er das Messer an den Hals und sagt: „Gott sei deiner armer Kehle, äähh Seele gnädig.“

Dem Grafen hat Valerie Lutz eine feste Burg mitten auf die Bühne gebaut. Darinnen tobt wie Rumpelstilzchen die Gräfin (Betha Herb). Der Graf kann er vom hohen Balkon herab Steuern erhöhen und Repressalien verkünden und sich in Sicherheit wiegen. Auf sein Militär ist kein Verlass. Das ist eine Spieße tragende Chaostruppe, die auch noch von einem Hessen (Ernst Zwecker) angeführt wird. Einige Überraschungen sind in das Stück eingebaut, Happy-Ends natürlich auch und als Besucher ein berühmter Charakter, der aber gar nicht mehr gebraucht wird.

Sonst ist es in Hayingen fast wie immer. Hans Herbs Kutsche fährt wieder. Das Bühnenbild hat Valerie Lutz ein wenig vereinfacht, für die Spieler hat sie prächtige Kostüme entworfen. Uli Bühl hat die Musik besorgt, eingängig, einfalls- und anspielungsreich. Die Hayinger machen das, was sie am besten können: munteres, vergnügliches Sommertheater.

Info Gespielt wird „Räuber im Schafspelz“ bis zum 31. August samstags um 20 Uhr und sonntags um 14.30 Uhr. Das Kinderstück „Die Bremer Stadtmusikanten“ hat am 19. Juli Premiere und wird bis 30. August immer samstags um 14.30 Uhr gespielt. Karten unter 0180 50 50 286.

Im Naturtheater Hayingen sind heuer die „Räuber im Schafspelz“ los
Der Wutschrei der Gräfin (Betha Herb, Mitte): Dem Pariser Schneider (Charly Knorr, links) ist die Kollektion geraubt worden. Der tollpatschige Graf (Marc-Philipp Knorr, rechts) beißt sich auf die Fingernägel.Bild: Keicher

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01.07.2014, 12:00 Uhr

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