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Im Reich der Abschottung
Chinesische Arbeiter in einem Stahlwerk in Hefei in Zentralchina. Die Konjunkturaussichten in dem Land sind verhalten. Foto: afp
Welthandel

Im Reich der Abschottung

Staatsverschuldung und ein drohender Handelsstreit mit den USA trüben die Aussichten für Chinas Wirtschaft. Die Antwort der Führung: Isolation.

04.01.2017
  • FELIX LEE

Beijing. Kaum ein Land hat in den vergangenen 15 Jahren so sehr von der Globalisierung profitiert wie China. Seit dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation 2001 hat sich der chinesische Anteil am Welthandel auf rund 14 Prozent fast verfünffacht. Und doch schottet die Volksrepublik ihre Märkte immer stärker ab, kritisierte der Deutsche Botschafter in Peking, Michael Clauss, vor wenigen Tagen in der in Hongkong erscheinenden „South China Morning Post“. Chinas versprochene Wirtschaftsreformen verlieren an Schwung

Tatsächlich kritisieren viele ausländische Firmen in China, darunter auch Schweizer Unternehmen, dass sich ihr Handlungsspielraum im vergangenen Jahr deutlich verkleinert hat. Namentlich wollen sie nicht genannt werden. Doch hinter vorgehaltener Hand beklagen sie, dass Marktzugänge erschwert, heimische Firmen bevorzugt und ausländische mit immer neuen Bestimmungen gegängelt würden, die für chinesische Unternehmen nicht gelten. Sie befürchten, dass sich diese Entwicklung aufgrund des weiter schwächelnden Wirtschaftswachstums verstärken könnte.

Die US-Ratingagentur Fitch rechnet für 2017 nur noch mit einem Wachstum der chinesischen Wirtschaft von 6,4 Prozent. 2016 lag der Wert noch bei 6,7 Prozent. Das war bereits das schwächste Wachstum seit mehr als 25 Jahren. Regierungsnahe Ökonomen werden nicht müde zu betonen, dass eine Verlangsamung des Wachstums unausweichlich ist. Sie verweisen darauf, dass das Volumen der chinesischen Volkswirtschaft immer größer wurde und zweistellige Wachstumsraten wie noch vor ein paar Jahren auf Dauer nicht zu halten seien.

Die Bewertungsagentur Fitch kommt zu der Einschätzung, der Ausblick für Chinas Wirtschaft sei „stabil“ und Investitionen im Reich der Mitte würden sich weiter lohnen. Zugleich weist sie jedoch auf eine Reihe von Unsicherheiten hin, die „ein Risiko für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität darstellen könnten“. Große Sorge bereitet den Experten vor allem Chinas weiter rasant steigende Staatsverschuldung. Ihnen zufolge ist sie in den vergangen fünf Jahren um mehr als 60 Prozent gestiegen. Sie ziehen Parallelen zu Japan in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, als die Verschuldung innerhalb von fünf Jahren um 45 Prozent anstieg, und zu Südkorea mit einem ähnlichen Anstieg zehn Jahre später. Beides mündete in schweren Finanzkrisen.

Das Risiko einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft in den nächsten zwei bis drei Jahren sei durchaus gegeben, befürchtet auch Rajiv Biswas, Chefökonom bei IHS Global Insight in Singapur. Diese Risiken erhöhten sich mit der Zinswende der US-amerikanischen Notenbank Fed. Steigende Zinsen in den USA haben zur Folge, dass Kapital aus Schwellenländern abfließt. China leidet bereits seit Monaten unter diesem Kapitalabfluss. Seine Währungsreserven sind inzwischen nicht mehr die Größten der Welt, sondern werden von denen Japans übertroffen.

Die chinesische Führung hat daher die Ausfuhrvorschriften deutlich verschärft. Das führt jedoch zu noch mehr Abschottung.

Welche Auswirkungen die Tiraden des designierten US-Präsidenten Donald Trump gegen China haben werden, ist nach Ansicht der meisten Ökonomen nicht klar. Die meisten glauben, dass Trump seine Ankündigung, auf sämtliche chinesische Waren einen Strafzoll von 45 Prozent zu verhängen, nicht wahr machen werde.

Er würde zu sehr der eigenen Wirtschaft schaden. Zurückkehren würden die Betriebe in die USA nicht, wie von ihm intendiert. Dafür seien die Löhne in den USA zu hoch.

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04.01.2017, 06:00 Uhr

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